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Wirtschaft

US-Notenbank hält ihr Pulver trocken

US-Notenbank-Chef Ben Bernanke sorgt sich um die Konjunktur in den Vereinigten Staaten. Doch wie kurbelt man die an, wenn die Leitzinsen bei Null liegen und man kein neues Geld drucken will?

Federal Reserve Chairman Ben Bernanke (Foto: dapd)

Ben Bernanke

Die US-Notenbank hat ihre Hoffnung auf eine schnelle wirtschaftliche Erholung vorerst begraben. Das Wachstum in den Vereinigten Staaten werde in den kommenden Jahren langsamer ausfallen als bisher erwartet, hieß es in einer am Mittwoch (20.06.2012) in Washington veröffentlichten Prognose der Federal Reserve (Fed).

Auch die hohe Arbeitslosigkeit gehe nur im Schneckentempo zurück. Schuld an der Lage sei auch die Krise in Europa, sagte Fed-Chef Ben Bernanke vor der Presse in Washington. Der verschlechterten Prognose zufolge wird die US-Wirtschaft in diesem Jahr lediglich zwischen 1,9 und 2,4 Prozent wachsen. Im April war die Fed noch von 2,4 bis 2,9 Prozent ausgegangen. Für 2013 senkte sie den Ausblick von 2,7 bis 3,1 Prozent auf einen Wert zwischen 2,2 und 2,8 Prozent.

Zu optimistisch

Man sei bislang zu optimistisch gewesen, räumte Bernanke ein. Vor allem die Lage in Europa sei eine Belastung für die Konjunktur. Die Regierungen dort müssten ihre Staatshaushalte in Ordnung bringen und ihr Finanzsystem auf sichere Beine stellen. Aber auch der schwache US-Immobilienmarkt bereite Kopfschmerzen.

Als Konsequenz weitet die Zentralbank ihre jüngste Konjunkturmaßnahme deutlich aus. Um den "bedeutenden Abwärtsrisiken" für die Wirtschaft zu begegnen, will sie bis Ende 2012 kurzfristig fällige Anleihen aus ihrem Bestand im Wert von weiteren 267 Milliarden Dollar, rund 210 Milliarden Euro, gegen langlaufende Papiere umtauschen. Das soll die Zinsen etwa für Unternehmenskredite oder Immobiliendarlehen senken. Bislang hatte der Anleihentausch, der diesen Monat auslaufen sollte, ein geplantes Volumen von 400 Milliarden Dollar.

Konjunkturspritze ohne Notenpresse

Anders als bei der zweimaligen "Quantitativen Lockerung" (Quantitative Easing oder QE), die von 2008 bis in den Juli letzten Jahres lief, pumpt die Fed bei der "Operation Twist" aber kein neues Geld in den Kreislauf. Damals hatte sie versucht, mit milliardenschweren Anleihekäufen die damit verbundenen Zinsen zu drücken und so die Nachfrage anzukurbeln.

Kritiker fordern wegen neuer Konjunktursorgen eine QE-Neuauflage. Doch Bernanke will vorerst sein Pulver trocken halten. Er sagte dazu: "Wir sind - falls notwendig - bereit zu handeln und denken auch über erneute Anleihenkäufe nach."

Den ultraniedrigen Leitzins beließen die Notenbanker in einer Spanne von null bis 0,25 Prozent. Zugleich erneuerte die Fed ihre Absicht, den Schlüsselzins bis mindestens Ende 2014 auf sehr niedrigem Niveau zu belassen. Die Fed setzt einstweilen darauf, dass sich durch die nun ergriffenen Maßnahmen das auch von der Euro-Krise verdüsterte finanzpolitische Umfeld aufhellt. "Wir sind bereit mehr zu tun, müssen aber mehr über den Zustand der Wirtschaft erfahren und was sich in Europa tut", fügte Bernanke hinzu.