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Kunst

US-Milliardär Kaplan und seine Leidenschaft für Rembrandt

US-Milliardär Thomas Kaplan besitzt die weltweit größte private Rembrandt-Sammlung. In seinem Zuhause verzichtet er darauf, sie aufzuhängen. Dafür sind seine Meisterwerke gerade in einer Ausstellung im Louvre zu sehen.

Vor dem Pariser Museum Louvre stehen derzeit Kunstfreunde an beliebigen Wochentagen zwei Stunden Schlange, um Gemälde des Niederländers Jan Vermeer ansehen zu können. Ein Meisterwerk in der Ausstellung rund um das Goldene Zeitalter der Niederlande ist das Bild "Dienstmagd mit Milchkrug". Das aus dem 15. Jahrhundert stammende Meisterwerk ist das einzige Gemälde des Künstlers, das sich in Privatbesitz befindet. Es ist Teil der weltweit größten privaten Sammlung von Thomas S. Kaplan.

In nur 14 Jahren haben Thomas S. Kaplan und seine Frau Daphne Recanati Kaplan über 250 Werke von fünf Generationen niederländischer Meister zusammengetragen, darunter befinden sich auch elf Gemälde von Rembrandt. 40 Institutionen weltweit durften die Werke bereits ausstellen. Als "Sammlung Leiden" - benannt nach dem Geburtsort Rembrandts - haben die Kaplans bislang ihre Werke anonym verliehen.

"Es ist eher selten, dass sich ein Sammler so spezifisch auf alte Meister konzentriert", erklärt Taco Dibbits, Direktor des Rijksmuseum in Amsterdam. "Es ist eine großartige Entwicklung, dass alte Meister relevant bleiben, weil junge neue Forscher und Sammler ihr Vermächtnis bewahren."

Eine "Leihbibliothek" für Kunst

Der Milliardär Thomas S. Kaplan (55) lebt in New York. Sein Vermögen hat er durch den Handel mit Silber- und Gold verdient. Erstmals spricht er über seine Sammlung. Ziel sei es, Kunst aus verborgenen, privaten Sammlungen herauszuholen und sie mit Hilfe einer Art "Leihbibliothek" wieder für die Öffentlichkeit frei zugänglich zu machen. "Ich glaube nicht, dass das Sammeln von Kunst alleine eine ehrenwerte Angelegenheit ist", sagt er. "Wichtiger ist es, die Werke öffentlich zu zeigen."

Vermeer Young Woman at Virginal (Leiden Collection/T. Kaplan)

Vermeers "Junge Frau am Virginal" ist Teil von Kaplans Sammlung niederländischen Meister

Um das Wissen und die Forschungsergebnisse rund um seine Sammlung möglichst vielen Wissenschaftlern und Institutionen zugänglich zu machen, würden sie im Internet veröffentlicht und nicht in dicken Büchern, die nie jemand lesen würde, sagt Kaplan. 

Davon kann man sich schon jetzt einen Eindruck verschaffen: Kunstwerke, Aufsätze und Dokumente sind online einsehbar. Damit stehen die Werke einem noch breiterem Publikum zur Verfügung, das sie vielleicht nie in einem Museum ansehen würde.

Gerade in Zeiten wie diesen, in denen rechtsextremer Nationalismus und islamistischer Terrorismus Aufwind haben, halte er das Teilen seines Besitzes mit anderen für nötig, um universale Werte zu stärken.

Kunst als Brückenbauer

"Wir möchten Brücken bauen und Mauern niederreißen", sagt Kaplan. Dann hält er inne und blickt ernst: "Und nicht so sehr Mauern bauen." Auch wenn er Donald Trumps Namen im Interview nie erwähnt, wird unterschwellig deutlich, dass der Sammler die Rhetorik und Politik des US-Präsidenten ablehnt.Als Amerikaner, Europa, China und den Golf-Staaten die Hand zu reichen, biete eine wichtige Gelegenheit, etwas zu verändern, erklärt er.

Malerei - Rembrandt Shaded Eyes (Leiden Collection/T. Kaplan)

Kaplan entwickelte früh seine Leidenschaft für Rembrandt van Rijn

Von Paris wandert die Sammlung im Juni weiter ans National Museum in Peking. Dort verdoppeln sich die Exponate der Leiden-Sammlung auf knapp 70. Im September folgt dann eine Ausstellung im Long Museum in Shanghai und anschließend eventuell im Louvre Abu Dhabi.

"Wir sind nur einen Katzensprung von Mossul und Aleppo entfernt", sagt Kaplan. "Wie könnte es eine bessere Antwort auf den kulturellen Genozid in Palmyra geben, als ein Bündnis zwischen Zivilisationen zu schaffen, das darauf hinweist, dass die Kultur bedroht ist."

Kaplans "Rembrandt Raubzug"

Kaplan hat zwar erst 2003 angefangen, niederländische Meister zu sammeln, doch seine Begeisterung für Rembrandt ist schon viel älter. Sie begann, als er gerade mal sechs Jahre alt war: Um sein Wissen über Kunst auszubauen, nahm ihn seine Mutter nach einem Besuch im Metropolitan Museum in New York, wo er seinen ersten Rembrandt sah, mit ins Museum of Modern Art. "Ich habe wohl gesagt, 'bring mich wieder zum Wem-bwandt'", erinnert sich Kaplan und ahmt seine kindliche Stimme nach.

Sein Enthusiasmus für Rembrandt und niederländischen Meister lässt ihn über die Jahre immer wieder Pilgerreisen zum Rijksmuseum nach Amsterdam unternehmen. Aber Kaplan dachte nicht im Geringsten daran, Sammler zu werden. 

Seine Ablehnung scheint vielleicht noch ein bisschen durch, weil er nicht mit seiner Sammlung lebt. Das liegt auch daran, dass er nicht einmal weiß, wohin er eins dieser Meisterwerke hängen könnte. Es passt nicht gerade zu seiner Sammlung Modernen Designs aus dem 20. Jahrhundert.

Anfangs wusste Kaplan auch gar nicht, dass es möglich ist, einen Rembrandt zu kaufen. Erst durch ein Gespräch mit dem ehemaligen Direktor der Royal Academy of Arts in London, Norman Rosenthal, erfuhr er, dass Rembrandt Werke manchmal auf den Markt kommen.

Über einen Zeitraum von fünf Jahren kauften Kaplan und seine Frau durchschnittlich ein Gemälde pro Woche. Ihren Kaufrausch nennen sie scherzhaft einen "Rembrandt-Raubzug", erzählt er.

Kunst für den Preis eines Autos

Dass Kaplan so lange unbekannt geblieben ist, verdankt er wohl der Tatsache, dass der zeitgenössische Kunstmarkt die Preise für alte Meister überflügelt hat. "Wir kauften das wichtigste historische Gemälde Rembrandts in Privatbesitz, die 'Minerva in ihrem Studierzimmer', für weniger als Andy Warhols 'Green Car Crash'", erzählt Kaplan. "Es gibt 70.000 Warhols und nur 350 Rembrandt Gemälde." Rund 30 bis 40 dieser Werke befinden sich in privater Hand, inklusive der elf in Kaplans Besitz. 

Malerei - Rembrandt Minerva (Leiden Collection/T. Kaplan)

Rembrandts "Minerva in ihrem Studierzimmer" (1635)

"Viele Leute gehen in Museen und lieben diese Werke, aber wissen nicht, dass man sie immer noch kaufen kann und sie nicht immer sehr teuer sind", sagt Museumsdirektor Dibbits. "Sammler können manche dieser Werke für weniger Geld erstehen als ein Auto – Kunst überdauert, Autos gehen kaputt."

Die Ausstellung im Louvre bedeutet auch, dass sich Kaplan dauerhaft von einem Werk aus der Leiden-Sammlung trennt. Er findet, dass Ferdinand Bols Gemälde "Elieser und Rebecca am Brunnen", dazu bestimmt sei, für immer in Frankreich zu verbleiben. Er und seine Frau träten auf Auktionen niemals gegen Museen an. Als sie herausfanden, dass sie den Louvre überboten hatten, verliehen sie das Gemälde zunächst für längere Zeit und spenden es nun dauerhaft an das Museum.

"Ich war nie stolz darauf, ein Sammler zu sein. Dafür muss man kein Genie sein", meint Kaplan. "Um Rembrandt zu sein dagegen, muss man ein Genie sein."

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