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Nahost

US-Militär: Demonstration der Macht

US-Panzerverbände sind am Montag erstmals in die Machtzentren des irakischen Regimes in Bagdad vorgestoßen. Sie griffen unter anderem einen Regierungspalast Saddam Husseins an und beschossen ihn mit Granaten.

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Ein US-Panzer überquert eine Tigris-Brücke nach Bagdad

Nach dem Beschuss besetzten die US-Soldaten nach eigenen Angaben den Hauptpalast von Machthaber Saddam Hussein am Westufer des Tigris. Dort zerstörten sie eine große Saddam-Statue. Dabei kam es zu heftigen Bodenkämpfen mit irakischen Truppen. Die Angaben des US-Militärs wurden erneut von der irakischen Führung bestritten, meldete die Deutsche Presse-Agentur.

Der amerikanische Militärsprecher Frank Thorp sagte dem US-TV-Sender CNN, Ziele des dritten "Vorstoßes" der US-Truppen seien vor allem "Symbole des irakischen Machtsystems" wie die Präsidentenpaläste und das Informationsministerium gewesen. Es gehe darum, dem Regime und dem Volk ein "Signal" der amerikanischen Übermacht zu setzen.

Widersprüchliche Angaben

dpa-Korrespondenten berichteten, US-Panzer hätten an verschiedenen Stellen im Regierungsviertel Position bezogen. Dagegen erklärte der irakische Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf, der Angriff sei blutig zurückgeschlagen worden. "Die amerikanischen Söldner haben damit begonnen, Selbstmord an den Mauern von Bagdad zu verüben", sagte er auf einer Pressekonferenz.

Bagdad, Irak

Rauch über Bagdad - Einige Gräben mit Öl sind nach Angaben von Reportern in Brand gesteckt worden

Der neue amerikanische Angriff auf das Stadtgebiet hatte um 6.00 Uhr Ortszeit begonnen. Daran sollen nach einem Bericht des arabischen Fernsehsenders El Dschasira rund 65 Panzer und zahlreiche weitere gepanzerte Fahrzeuge und Infanterie beteiligt gewesen sein. Sie erhielten Deckung von tief fliegenden Kampfflugzeugen des Typs A-10 Thunderbolt. Die Alliierten haben inzwischen offensichtlich die absolute Lufthoheit über der Hauptstadt.

Heftiger Kampf

dpa-Korrespondenten berichteten von einem dreistündigen heftigen Kampf, der dann abflaute. Es gebe nur noch sporadischen Widerstand. Irakische Milizen hätten aber die meisten Brücken über den Tigris gesperrt.

CNN zitierte US-Militärquellen, nach denen die Amerikaner bei dem Vorstoß ins Stadtzentrum bisher keine eigenen Verluste gehabt hätten. Es war noch unklar, ob sich die Truppen wie an den beiden Vortagen wieder aus der Stadt zurückziehen würden. Über dem Himmel von Bagdad, in der den Menschen zusätzlich hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit zu schaffen machten, standen dunkle Rauchwolken. Sie stammten teilweise von brennenden mit Öl gefüllten Gräben. Trotz der Kämpfe gab es immer noch regen zivilen Autoverkehr auf den Straßen, wie auf Fernsehbildern zu sehen war.

Bagdad im Kessel

Seit Sonntag haben die amerikanischen Streitkräfte die Stadt nach eigenen Angaben praktisch eingekesselt. Alle wichtigen Straßen von und nach Bagdad seien unter Kontrolle. Truppenbewegungen in der Hauptstadt könnten jederzeit unterbunden werden, sagte der amerikanische Vize-Generalstabschef Peter Pace. Erstmals nach der Einnahme des internationalen Flughafens war am Sonntagabend eine Frachtmaschine der US-Truppen in der irakischen Hauptstadt gelandet.

El Dschasira berichtete unterdessen, die alliierten Soldaten hätten inzwischen das Stadtzentrum von Kerbela im Süden von Bagdad unter ihre Kontrolle gebracht. Auch in der südirakischen Großstadt Basra bauten britische Streitkräfte laut CNN ihre Positionen aus. Sie träfen aber immer noch auf vereinzelten Widerstand. Die Alliierten bombardierten auch erneut die nordirakische Stadt Mosul, wie El Dschasira meldete. Kurdische Kreise in Teheran berichteten von der Kapitulation von 128 irakischen Offizieren und Soldaten bei Kirkuk im Nordirak.

Russischer Diplomaten-Konvoi

Der beim Verlassen Bagdads unter Beschuss geratene Konvoi russischer Diplomaten setzte am Montag seine Fahrt in Richtung Syrien fort. Einen verletzten Diplomaten sowie eine Betreuungsperson habe man in der Stadt Falludscha zurückgelassen, teilte das russische Außenministerium mit. Mit dem Botschafter Wladimir Titorenko führen acht Diplomaten und Journalisten nach Syrien.

Condoleezza Rice, die US-Sicherheitsberaterin trifft auf Sergei Ivanow, den russischen Verteidigungsminister

Condoleezza Rice, die US-Sicherheitsberaterin trifft auf Sergei Ivanow, den russischen Verteidigungsminister

In Moskau traf unterdessen die Sicherheitsberaterin von US- Präsident George W. Bush, Condoleeza Rice (Foto), mit Außenminister Igor Iwanow zusammen. Russland hatte nach dem Beschuss des Diplomaten-Konvois scharfen Protest bei den USA und dem Irak eingelegt. Augenzeugen hatten berichtet, die Kolonne sei am Sonntag (6.4.2003) im Westen Bagdads zwischen die Fronten geraten und von amerikanischen Truppen beschossen worden. Das US-Oberkommando bestritt dagegen eine Beteiligung amerikanischer Soldaten.

Bush trifft Blair

Präsident Bush und der britische Premierminister Tony Blair wollen am Montag und Dienstag (8.4.2003) bei einem neuen Gipfeltreffen in Nordirland über das weitere Vorgehen im Irak sprechen. Dabei geht es sowohl um Militärstrategien als auch um ein Programm für den Wiederaufbau des Irak. Blair will Bush nach Londoner Informationen drängen, sich öffentlich für eine Rolle der UN beim Wiederaufbau auszusprechen.

Für die Zeit nach dem Krieg schloss der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, eine führende Rolle der Vereinten Nationen beim Wiederaufbau des Irak aus. Die UN hätten den Krieg nicht verhindern können und damit ihre führende Rolle verloren, sagte Mussa in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen" am Sonntagabend. (mas)

Hinweis: Angaben zu Truppenbewegungen, Opfern und Schäden basieren zumeist auf Informationen der Kriegsparteien und können in der Regel nicht unabhängig überprüft werden.