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Wirtschaft

US-Managergehälter im Kreuzfeuer

Knapp elf Millionen Dollar verdient ein durchschnittlicher Manager in den USA jährlich. Für seine Arbeit bekommt er damit 364-mal mehr als ein normaler Vollzeitarbeiter. Das soll sich nun ändern.

Anzug-Träger mit Geld-Koffern schlendern an der US-Flagge vorbei (Foto: dpa/DW)

Gewinne in die eigene Tasche stecken, Verluste auf die Allgemeinheit abwälzen

"Beschämend" nannte Barack Obama das Verhalten der Manager im Zuge der Finanzkrise. Nur wenige Monate später wird bereits darüber geredet, dass Goldman Sachs Mitarbeitern für dieses Jahr Rekordzahlungen winken. Oder John Hammergren, Chef des Pharmaunternehmen McKesson. Sein Gehalt stieg dieses Jahr um elf Prozent auf 29,7 Millionen US-Dollar – bei einem Aktienkurseinbruch von 33 Prozent. Ein junger New Yorker, merklich aufgebracht, hat für solche Entwicklungen bei Managern kein Verständnis mehr. Seiner Meinung nach geht es den Bossen nur um eines: "Diese Jungs wollen die Verluste sozialisieren und die Gewinne privatisieren. Ich denke, sie sind eigennützig und beschränkt in ihrer Sicht."

Drohgebärden und heiße Luft

Porträts von Barack Obama und seinem Finanzminister Timothy Geithner (AP Photo/Ron Edmonds)

Barack Obama (links) und sein Finanzminister Timothy Geithner

Auch die Regierung sah das Problem und machte große Versprechungen. US-Managern drohte eine Liste der "Grausamkeiten": Politiker forderten strikte Gehalts- und Bonuskürzungen. Sie pochten auf Anreize, die den langfristigen Unternehmenserfolg zum Maßstab nehmen. Sogar von Rückzahlungen der Gehälter war die Rede. Nun liegt der Vorschlag von Finanzminister Timothy Geithner auf dem Tisch – und ist lammfromm. Aktionäre sollen jetzt bei der Festlegung von Gehältern und Bonuszahlungen für Manager ihr Veto einlegen dürfen. Generelle Gehaltsobergrenzen soll es aber nicht geben. Neu ist nur: Aktionäre können über die Gehälter ihrer Topmanager abstimmen. Für den Gehaltsexperten Don Lindner von der Non-profit Personalberatung WorldatWork ist das ein Schritt in die falsche Richtung. Er hält das Gesetz für "überflüssig und kontraproduktiv". Die große Mehrheit der Unternehmen regele die Managergehälter "sehr vernünftig". Sein Fazit: "Das Gesetz hat kaum Bedeutung und wird die Unternehmen eher mit neuer Arbeit belasten. Das wird teuer."

Zudem ist die Aktionärsentscheidung nicht bindend. Wenig konkretes also, dabei sind die sozialen Folgen der Finanzkrise offensichtlich. Seit Ausbruch der Rezession gingen in den USA über sechs Millionen Arbeitsplätze verloren – die meisten seit den 1930er Jahren.

Ein Mann steht mit heruntergelassener Hose vor dem Reichstagsgebäude in Berlin (Foto: Steffen Kugler dpa/lbn)

Die Bundesbürger wünschen eine Begrenzung von Managergehältern

In Deutschland verdienen Manager mit durchschnittlich rund 667.000 Euro jährlich deutlich weniger als ihre US-Kollegen. Mit Großbritannien liegen die deutschen Manager dennoch europaweit an der Spitze. Obergrenzen für Bonuszahlungen sollen in Deutschland nun vom Aufsichtsrat festgelegt werden – und in Zukunft erst nach Vertragsende ausgeschüttet werden. Solche strengeren Regeln wird es in den USA nur fallweise geben – nämlich bei jenen Unternehmen, die durch Steuergelder am Leben gehalten wurden.

Keine Gehaltsobergrenzen

Generelle Gehaltsobergrenzen sind dagegen kein Thema – weder in Deutschland noch in Amerika. Für Lindner sind sie ohnehin unsinnig, dadurch würde die Marktwirtschaft gefährdet: "Wenn wir jetzt anfangen, die Gehälter zu begrenzen, dann bringen wir die Unternehmen um ihre Möglichkeit, nach diesem marktwirtschaftlichen Prinzip Talente und Führungskräfte anzuwerben oder abzugeben. Das wird nicht gut gehen!“ Außerdem widersprechen Gehaltsgrenzen der uramerikanischen Kultur, dass sich Leistung in jedem Fall lohnen muss. An dieser Haltung hat sich trotz Finanzkrise auch nichts geändert.

Strengere Vorgaben zu Managergehältern wären in den USA trotzdem möglich gewesen. Neu sind die Probleme der Gehaltsexzesse jedenfalls nicht, wie Professor Sudhakar Balachandran von der Columbia University meint. Manager sollten in Zukunft Misserfolg auch selbst zu spüren bekommen: "Es gibt schon Anlass zu sagen, dass wir bei schlechter Arbeit mehr Bestrafung brauchen."

So aber bleibt die Gehaltsbestimmung weiterhin unbestimmt. Der Vorstoß von Finanzminister Geithner hat am Ende lediglich Appell- und keinen Gesetzcharakter.

Autor: Jens Korte/New York

Redaktion: Klaus Ulrich

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