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Wirtschaft

US-Leitzinsen auf Rekordtief

Die US-Notenbank senkt ihre Leitzinsen auf ein Prozent und den niedrigsten Stand seit 45 Jahren. Der Euro verliert dadurch weiter an Wert gegenüber dem Dollar. Auch der Abstand zu den europäischen Zinsen wird größer.

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Die New Yorker Börse wartet auf die jüngste Zinsentscheidung

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat ihre Leitzinsen auf den niedrigsten Stand seit 45 Jahren gesenkt. Wie der Offenmarktausschuss der Zentralbank am Mittwoch (25. Juni 2003) mitteilte, verminderte er den maßgeblichen Zinssatz in den Vereinigten Staaten um einen Viertelprozentpunkt auf ein Prozent. Es war die erste Zinssenkung in diesem Jahr. Zuletzt hatte die Fed ihre Zinsen im vergangenen November gesenkt. Die Börsen reagierten mit Schwankungen. Der Euro gab gegenüber dem US-Dollar weiter nach.

Leicht expansive Geldpolitik

Das schon bislang niedrige Zinsniveau und eine höhere Produktivität hätten zwar schon ihre Wirkung auf die Wirtschaft, erklärte der Offenmarktausschuss nach zweitägigen Beratungen. Dies zeige sich in höheren Konsumausgaben und der Stabilisierung auf dem Arbeitsmarkt.

Die Wirtschaft müsse aber erst noch ein nachhaltiges Wachstum zeigen. Für die kommenden Quartale seien die Chancen für eine Besserung oder Verschlechterung der Konjunktur gleich hoch. Angesichts geringer Gefahren steigender Preise habe der Zentralbankrat beschlossen, dass "eine leicht expansivere Geldpolitik" der Wirtschaft weitere Unterstützung geben könne, hieß es aus Washington.

Die Entscheidung des Gremiums fiel mit elf gegen eine Stimme. Die Gegenstimme kam vom Präsidenten der Notenbank von San Francisco, Robert Parry. Er forderte eine stärkere Absenkung des Zinsniveaus um einen halben Prozentpunkt auf 0,75 Prozent.

Vorbeugung gegen Deflation

Zu Befürchtungen einer möglichen Deflationsentwicklung mit stark fallenden Preisen, sinkenden Firmengewinnen und Arbeitsplatzverlusten äußerte sich die US-Notenbank vorsichtig. Die Wahrscheinlichkeit eines "unwillkommenen, deutlichen Falls der Inflation" sei gering, aber auch größer als die deutlich steigender Preise. Beobachter sahen in der Zinssenkung, die höhere Konsumausgaben möglich machen könnte, deshalb auch einen vorbeugenden Schlag gegen mögliche Deflationsgefahren.

An den Märkten war mit einer Zinssenkung gerechnet worden. Offen war nur die Größenordnung. Der US-Leitindex Dow Jones, der vor der Zinssenkung praktisch unverändert gegenüber dem Vortag notierte, fiel zunächst. Binnen einer Dreiviertelstunde erholte er sich aber wieder auf wieder. Auch die Technologiebörse Nasdaq gab kurz nach der Entscheidung einige Punkte ab, fiel aber nicht in den roten Bereich.

Mit dem Beschluss vergrößerte sich der Zinsabstand zur Europäischen Zentralbank (EZB) wieder, was Europa für Anleger attraktiver macht. Die EZB hatte ihren maßgeblichen Leitzins erst am 5. Juni um einen halben Prozentpunkt auf zwei Prozent gesenkt. Er liegt damit jetzt wieder doppelt so hoch wie in den USA. Der Euro verlor nach dem Zinsbeschluss zum US-Dollar allerdings weiter an Boden. (kap)