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Welt

US-Katholiken sehnen sich nach Modernisierung

Nach dem Mißbrauchs-Skandal laufen der Katholischen Kirche in den USA die Gläubigen weg. Andere hoffen auf Reformen.

In den USA leben rund 68 Millionen Katholiken, das entspricht knapp einem Viertel der US-Bevölkerung. In einigen Großstädten bilden Katholiken erstmals seit Bestehen der USA die Mehrheit. In New York etwa ist heute jeder zweite Einwohner Katholik. Das Erzbistum Chicago gilt neben dem Erzbistum Köln als reichste Diözese der Welt.

Waren es früher die Nachfahren irischer, italienischer und polnischer Katholiken, die die katholische Kirche in den USA prägten, so sind es heute die Einwanderer mit lateinamerikanischen Wurzeln, die dafür sorgen, dass die Zahl der US-Katholiken stetig ansteigt. Ohne diese Zuwanderung sähe das anders aus: Nach Zahlen des Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center in Washington haben rund 22 Millionen frühere Katholiken der Kirche den Rücken gekehrt - sechseinhalb Millionen von ihnen haben sich evangelikalen Kirchen angeschlossen.

Je nach Herkunft und politischem Hintergrund bewerten Amerikas Katholiken Papst Benedikt und sein Pontifikat unterschiedlich. Viele europäisch-stämmige Katholiken unterstützen sein Eintreten gegen Schwulenehe und Abtreibung, lehnen aber seine immigrantenfreundliche Haltung ab. Viele spanisch-sprachige 'Hispanics' schätzen ihn gerade deshalb, halten ihn aber für zu konservativ.

In den USA wird das Pontifikat Papst Benedikts XVI. überschattet vom Missbrauchs-Skandal in der katholischen Kirche. Immer wieder kamen nach Benedikts Rücktrittsankündigung amerikanische Missbrauchsopfer im US-Fernsehen zu Wort, die sich enttäuscht zeigten über die zögerliche Rolle des Vatikan und Papst Benedikts bei der Verfolgung pädophiler Priester. Die juristische Aufarbeitung trieb eine ganze Reihe von Diözesen in die Insolvenz, andere mussten ihre Immobilien verkaufen, um zahlungsfähig zu bleiben. Allein das Erzbistum Los Angeles, das größte der USA, zahlte den mehr als 500 kalifornischen Missbrauchsopfern mehr als 650 Millionen Dollar Schadenersatz in einem außergerichtlichen Vergleich. Insgesamt überwies die katholische Kirche in den USA mehr als zwei Milliarden Dollar an tausende Opfer.

Bei seiner Reise in die USA im April 2008 hatte sich Papst Benedikt XVI. "tief beschämt" über pädophile Priester geäußert, die Kirche zur Reinigung und Erneuerung aufgerufen. In der diplomatischen Vertretung des Vatikan in Washington traf er sich damals mit Missbrauchsopfern.

Innerhalb der Kurie hat Benedikt XVI. die Position der US-Kirche gestärkt. 2012 erhob er drei amerikanische Kirchenmänner zu Kardinälen. Damit ist die Zahl der Kardinäle, die aus den USA kommen, auf 19 gestiegen. An der Wahl des neuen Papstes dürfen jedoch nur elf US-Kardinäle teilnehmen. Acht US-Purpurträger sind über 80 Jahre alt und damit vom Konklave ausgeschlossen. Mit elf Stimmen sind die USA der zweitgrößte Block hinter Italien mit 28 Kardinälen und Deutschland mit sechs Stimmen.

Von seinem Nachfolger erhoffen sich viele Katholiken in den USA Reformen. In einer aktuellen Umfrage des Pew Research Center aus dem Februar waren die drei am häufigsten geäußerten Erwartungen eine Modernisierung der Kirche (19 Prozent), ein härteres Durchgreifen gegenüber pädophilen Priestern (15 Prozent )und die Abschaffung der Ehelosigkeit für Priester (14 Prozent).