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Wirtschaft

US-Investor steigt bei Commerzbank ein

Die Commerzbank hat einen neuen Großaktionär. Der US-Finanzinvestor Cerberus meldet einen Anteil von 5,01 Prozent an Deutschlands zweitgrößter Privatbank. Das Paket ist fast 700 Millionen Euro wert.

Der Mehrheitseigentümer der österreichischen Bank Bawag P.S.K. wird damit zum zweitgrößten Aktionär der Commerzbank nach dem deutschen Staat, der das Institut in der Finanzkrise gerettet hatte und nach neun Jahren immer noch gut 15 Prozent der Anteile hält. An einen Ausstieg denkt der Bund offenbar noch nicht.

Der als aggressiv geltende Investor äußerte sich nicht dazu, was er mit dem Einstieg bezweckt. Eine Sprecherin der Commerzbank wollte nicht sagen, ob Cerberus im Vorfeld des Einstiegs wie üblich Kontakt mit der Bank aufgenommen hatte. Deutschland und seine Banken stehen allerdings seit einiger Zeit strategisch im Fokus der Bawag und ihres Mehrheitseigentümers. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte Anfang Juli berichtet, Cerberus wolle mit dem Einstieg vom Aufschwung in der deutschen Finanzbranche profitieren.

Bundesregierung wertet Einstieg positiv

Der Kurs der Commerzbank-Aktie hat in den vergangenen Monaten kräftig angezogen. Seit dem Tiefststand von 5,16 Euro im August 2016 hat er sich mehr als verdoppelt. Am Mittwoch legte die Aktie 2,8 Prozent auf 11,12 Euro zu und war damit der größte Kursgewinner im Leitindex Dax.

Die Bundesregierung bewertete den Einstieg des US-Investors positiv. "Steigendes Investoren-Interesse ist positiv für die Commerzbank und deren Aktienkurs", sagte eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums. Damit der Bund ohne Verlust bei der Commerzbank aussteigen kann, müsste die Aktie noch etwas weiter steigen.

Finanzkreisen zufolge liegt die Schmerzgrenze von Finanzminister Wolfgang Schäuble bei etwa 16 Euro. "Wir haben unsere Position zur Commerzbank nicht geändert", sagte seine Sprecherin. "Wir wollen für den Steuerzahler ein gutes wirtschaftliches Ergebnis erzielen."

"Deutschland ein attraktiver Markt"

Vor kurzem hatte Cerberus die Übernahme der kleinen Regionalbank Südwestbank aus Stuttgart perfekt gemacht. Schon damals hatte Bawag-Chef Anas Abuzaakouk klargemacht, dass er größere Ambitionen im Nachbarland hat: "Deutschland ist ein sehr, sehr attraktiver Markt für uns", sagte er Reuters. "Wir sehen uns einige Möglichkeiten an, die eine Ergänzung für die Südwestbank wären." Bawag macht sich gerade schick für einen Börsengang, der laut Finanzkreisen ab Herbst über die Bühne gehen könnte. Laut der "Süddeutschen Zeitung" sind Bawag und ihr Großaktionär auch an der Wüstenrot Bank interessiert, an der der Stuttgarter Finanzkonzern W&W das strategische Interesse verloren hatte.

Auch mit einer Übernahme der Postbank hatte sich Cerberus schon beschäftigt: Die Pläne hatten sich allerdings zerschlagen, weil die Deutsche Bank einen zu hohen Preis gefordert hatte. Eine Komplettübernahme der Commerzbank wäre für einen Finanzinvestor wie Cerberus allerdings zu teuer: Ihr Börsenwert liegt bei fast 14 Milliarden Euro.

Der Investor hat den Einstieg bei der Commerzbank - zumindest teilweise - über die gleiche Holding mit den Namen Promontoria bewerkstelligt, die auch die Bawag-Anteile hält. Firmen mit dem gleichen Namen waren in Europa auch schon als Investoren in Einzelhandelsimmobilien und als Käufer fauler Kredite aufgetreten.

wen/ww (dpa, rtrd)