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Wirtschaft

US-Immobilienkrise dämpft Konjunkturerwartungen

Finanzmarktprofis sorgen sich wegen der Turbulenzen an den Börsen um den deutschen Aufschwung. Sie beurteilten die Aussichten für die Wirtschaft so schlecht wie seit Dezember nicht mehr.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück ist optimistischer als die Finanzprofis, Quelle: AP

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück ist optimistischer als die Finanzprofis

Vor der Immobilienkrise war lange gewarnt worden, Quelle: AP

Vor der Immobilienkrise war lange gewarnt worden

Die US-Immobilienkrise hat die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexperten für Deutschland deutlich nach unten gedrückt. In der am Dienstag (21.8.07) veröffentlichten Konjunkturumfrage des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter Analysten und institutionellen Anlegern sank der Index im August um satte 17,3 Punkte. Damit rutschte er in ein Minus von 6,9 Punkten und lag deutlich unter dem historischen Mittelwert von 32,6 Punkten.

Die vom ZEW 291 befragten Experten fürchten demnach aus der Krise Gefahren für die realwirtschaftliche Entwicklung in den USA, die auch auf Deutschland übergreifen können. Auch auf die Eurozone bezogen sanken die Konjunkturerwartungen laut ZEW, hier rutschte der Indikator um 13,3 Punkte gegenüber dem Vormonat ab und lag nun bei minus 6,1 Punkten.

"Robuste Weltkonjunktur"

Finanzminister Peer Steinbrück, das ifo-Institut und auch ZEW-Präsident Wolfgang Franz betonten am Dienstag dagegen abermals, die US-Hypothekenkrise werde die Konjunktur höchstens geringfügig belasten. Franz räumte allerdings ein, dass deutsche Exporte von einer schwächeren Kaufkraft der US- Verbraucher beeinträchtigt werden könnten.

Das vom Münchner ifo-Institut unter 1003 Konjunkturexperten aus 91 Ländern ermittelte Weltwirtschaftsklima verbesserte sich ungeachtet der US-Krise im dritten Quartal deutlich. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Lage als auch die Aussichten auf die nächsten sechs Monate hätten sich weiter aufgehellt, erklärte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. "Diese Datenkonstellation deutet auf eine robuste Weltkonjunktur im zweiten Halbjahr 2007 hin." Die erwartete Besserung betreffe alle drei großen Wirtschaftsregionen: Westeuropa, Nordamerika und Asien. In Nordamerika bewerteten die Experten ebenfalls sowohl die Lage als auch die Aussichten besser. Die ifo-Umfrage fand im August statt.

Optimistische Bundesregierung

Bundesfinanzminister Steinbrück (SPD) betonte, nach Aussage aller Experten seien keine Übersprungeffekte der Kreditkrise "auf die Realwirtschaft" erkennbar. Die vom amerikanischen Hypothekenmarkt "herübergeschwappte Krise" könne gut gemanagt und bewältigt werden. Auch Franz, der zugleich einer der "Wirtschaftsweisen" ist, zeigte sich optimistisch: "Mögliche Rückwirkungen auf die deutsche Konjunktur werden sich nach derzeitigen Kenntnissen in engen Grenzen halten." Eventuelle Kreditengpässe fielen in Deutschland "in ein Umfeld sehr guter Unternehmensbilanzen".

China rechnet ebenfalls nicht mit einer Abkühlung der Konjunktur durch die Krise an den Kreditmärkten und erhöhte am Dienstag bereits zum vierten Mal in diesem Jahr die Zinsen. Der Zinssatz für einjährige Kredite stieg von 6,84 auf 7,02 Prozent, während die Zinsen für einjährige Einlagen von 3,33 auf 3,6 Prozent stiegen. Die Inflation hatte im Juni mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 5,6 Prozent den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren erreicht.

Die massiven Zahlungsausfälle auf dem US-Hypothekenmarkt hatten in den vergangenen Wochen eine Liquiditätsklemme auf dem Geldmarkt ausgelöst. Da die faulen Kredite in Anleihen verpackt und weltweit verkauft wurden, liehen die Banken aus Angst vor Zahlungsausfällen einander kein Geld mehr. Notenbanken pumpten hunderte Milliarden Euro in den Geldmarkt, um die Liquidität der Banken zu sichern. Inzwischen hat sich die Lage beruhigt. Auch die Aktienkurse steigen nach Tagen der Talfahrt wieder, nachdem die US-Notenbank Ende vergangener Woche den Diskontsatz gesenkt hatte. (stu)

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