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Politik

US-Hubschrauberangriff stößt auf heftige Kritik

Während die US-Militärs den Einsatz auf syrischem Staatsgebiet als Erfolg bezeichnen, kritisieren zahlreiche Staaten den Angriff. Syrien gibt auch dem Irak, von wo aus die Operation gestartet wurde, eine Teilschuld.

Kampfhubschrauber hinter Maschinengewehr (Quelle: dpa)

US-Kampfhubschrauber machten in Syrien Jagd auf Terrorverdächtigen

"Das nennen wir Cowboy-Politik", sagte der sichtlich geschockte syrische Außenminister Walid al-Muallim. Während eines London-Besuchs verurteilte er den Hubschrauberangriff der USA auf Syrien als eine "kriminelle und terroristische Aggression" gegen sein Land. Offiziellen Angaben zufolge flogen am Sonntag (26.10.2008) vier US-Militärhubschrauber aus dem Irak nach Syrien. Die Aktion galt offenbar dem hochrangigen El-Kaida-Mitglied Abu Ghadija. Dieser soll ausländische "Gotteskrieger" und Waffen für die Terrororganisation über Syrien in den Irak geschleust haben.

Zufriedenheit und Kritik

Karte Syrien/Irak (Quelle: DW/Peter Steinmetz)

Der Angriff der USA erfolgte auf syrischem Gebiet, nahe der Grenze zum Irak

Ein US-Vertreter äußerte sich am Montag zufrieden über den Einsatz, der erfolgreich verlaufen sei. "Ich gehe davon aus, dass Abu Ghadija getötet wurde", sagte er. Sein Tod werde das Einschmuggeln von ausländischen Kämpfern in den Irak ohne Zweifel verringern.

Bei dem Angriff sollen die Hubschrauber auch Zivilisten getötet haben. Bewohner des grenznahen Dorfes Al-Sukkarija bestätigten, dass sieben Menschen - darunter vier Kinder - auf einem Bauernhof erschossen wurden; ein weiterer Mann sei von den Soldaten verschleppt worden. Andere Quellen sprechen von acht Todesopfern.

Unterdessen löste die Aktion weltweit Empörung aus. So zeigte sich EU-Chefdiplomat Javier Solana "besorgt" über die Ereignisse am Sonntag und hofft, dass sich die Lage schnell wieder normalisiere. Frankreich forderte, es müssten alle Anstrengungen unternommen werden, um den Vorfall aufzuklären. Die territoriale Integrität von Staaten gelte es zu respektieren, hieß es aus Paris.

Teilschuld des Irak

Ähnlich war die Reaktion des russischen Außenministeriums. "Kein souveräner Staat darf unter dem Deckmantel des Anti-Terror-Kampfes angegriffen werden", verurteilte ein Sprecher die Militäraktion. Weitere Kritik kam inzwischen aus China. Wichtige Akteure müssten Frieden und Sicherheit in der Region fördern, mahnte ein Sprecher des Außenministeriums.

Auch aus dem Irak kam Kritik. Während sich die Regierung noch bedeckt hält, erklärte die Islamische Partei der Angriff belaste die Beziehungen zwischen dem Irak und dem "Bruderland" Syrien, das nach der US-Invasion im Frühjahr 2003 Hunderttausende irakischer Flüchtlinge aufgenommen habe. Ein irakischer Abgeordneter sagte, die Verfassung erlaube nicht, "dass von unserem Staatsgebiet aus Nachbarstaaten angegriffen werden". Damaskus gab nicht nur den USA, sondern auch der irakischen Regierung die Schuld am Tod der Zivilisten.

Warnung aus Damaskus

Walid al-Muallim (Quelle: DW-TV)

Einen zweiten Angriff würde Walid al-Muallim nicht hinnehmen

Syriens Botschafter bei der Arabischen Liga in Kairo, Jussif al-Ahmed, riet der irakischen Regierung unterdessen von dem geplanten Sicherheitsabkommen mit den USA ab. Der völkerrechtswidrige Angriff zeige, wird er zitiert, dass es für den Irak besser wäre, kein Abkommen über eine weitere Stationierung von US-Truppen zu unterzeichnen. "Das ist wohl der Abschiedsgruß der US-Regierung, erst die Finanzkrise und jetzt noch dieses Verbrechen", fuhr er fort.

Für den Fall eines erneuten Angriffs kündigte Außenminister Muallim bereits an, werde Syrien von seinem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch machen: "Wenn sie das wieder tun, werden wir unser Territorium verteidigen." (bs)

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