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Aktuell Amerika

US-Gericht spricht Boston-Attentäter schuldig

Die Geschworenenjury war sich relativ schnell einig: Sie sieht es als erwiesen an, dass Dschochar Zarnajew den Bombenanschlag auf den Marathonlauf in Boston verübt hat. Dem Angeklagten droht die Todesstrafe.

Schuldig in allen Anklagepunkten. Das Bundesgericht in Boston (Artikelbild) lässt keinen Zweifel, dass sie den überlebenden Attentäter von Boston in vollem Umfang für den tödlichen Terroranschlag auf den Marathonlauf für verantwortlich hält. Dschochar Zarnajew hatte vor knapp zwei Jahren gemeinsam mit seinem später getöteten Bruder Tamerlan zwei Sprengsätze zur Explosion gebracht. Drei Menschen wurden getötet, unter ihnen ein achtjähriges Kind. 264 Menschen wurden verletzt, viele verloren Arme oder Beine. Es war der schwerste Terroranschlag in den USA seit dem 11. September 2001. In einem zweiten Prozessabschnitt geht es nun darum, ob der 21-jährige Angeklagte zum Tode verurteilt wird oder lebenslang ins Gefängnis muss.

Die sieben Frauen und fünf Männer der Jury hatten elf Stunden beraten, ehe sie Zarnajew in allen 30 Anklagepunkten für schuldig befanden - darunter der Einsatz einer "Massenvernichtungswaffe", Waffengebrauch mit Todesfolge und Geiselnahme. In blauem Pulli und dunkler Jacke verfolgte Zarnajew die Verlesung des Urteils weitgehend regungslos. Mehrere Überlebende sowie Angehörige von Opfern saßen zur Urteilsverkündung im Gerichtssaal.

Nach dem Anschlag am 15. April 2013 hatten die Zarnajew-Brüder auf der Flucht einen Polizisten erschossen und einen Autofahrer entführt. Dschochar war vier Tage nach dem Anschlag festgenommen worden, Tamerlan wurde bei einer Verfolgungsjagd von der Polizei erschossen.

Mitschuld eingeräumt

Die Verteidigung hatte die Beteiligung ihres Mandanten an der Bluttat eingeräumt. Zarnajews Anwältin Judy Clarke argumentierte allerdings, dass der junge Student unter dem Einfluss seines sieben Jahre älteren Bruders gestanden habe. Tamerlan habe die Tat geplant und die Bestandteile der Bomben gekauft. Clarkes Strategie zielte darauf ab, die Todesstrafe zu verhindern, die auf 17 der 30 Anklagepunkte steht.

Die Ankläger hatten Zarnajew im Prozess als gewissenlosen islamistischen Terroristen dargestellt. "Das war eine kalte, kalkulierte terroristische Tat", sagte Staatsanwalt Aloke Chakravarty im Schlussplädoyer. Dschochar habe sich als "Gotteskrieger" gefühlt und die USA "bestrafen" wollen. Er habe zudem bewusst kleine Kinder ins Visier genommen.

Tschetschenische Immigranten

Die Zarnajew-Brüder stammen aus einer tschetschenischen Familie und waren als Kinder in die Vereinigten Staaten eingewandert. Dschochar Zarnajew ist seit 2012 US-Staatsbürger und studierte an der University of Massachusetts in Dartmouth Meeresbiologie.

Der US-Bundesstaat Massachusetts hat Exekutionen in den 1980er Jahren abgeschafft. Die letzte Hinrichtung fand dort 1947 statt. Da Zarnajew sich in einem Bundesverfahren verantworten muss, gilt für ihn Bundesrecht, das die Todesstrafe erlaubt.

kle/qu (afp, dpa, rtr, ape)