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Nahost

US-General: Iraker sollen selbst für Sicherheit sorgen

Der von einem Bürgerkrieg zerissene Irak verliert zunehmend den Rückhalt westlicher Regierungen. Nun erwägen auch die USA den Abzug einer großen Zahl ihrer Soldaten aus dem Land.

General George Casey mit US-Verteidigungsminster Donald H. Rumsfeld

General George Casey mit US-Verteidigungsminster Donald H. Rumsfeld

Die US-Truppen im Irak werden nach den Worten ihres Kommandeurs, General George Casey, in 12 bis 18 Monaten die Verantwortung für die Sicherheit an die irakische Regierung abgeben. Die USA sollten nach seiner Meinung in dieser Zeit versuchen, die Zahl der amerikanischen Soldaten in dem Land zu reduzieren. Am Ende werde es noch eine gewisse Unterstützung von US-Truppen geben, falls die irakische Regierung dies wünsche, sagte Casey am Dienstag (24.10.) in Bagdad. Er kritisierte die irakischen Nachbarn Iran und Syrien, die versuchten, die amerikanischen Bemühungen zur Stabilisierung des Landes zu untergraben.

Die multinationalen Truppen hatten den irakischen Sicherheitskräften in den vergangenen Monaten bereits formell die Kontrolle über einige Städte und Regionen übertragen. Sie blieben jedoch trotzdem vor Ort präsent. Das soll sich nun bald ändern.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte in Washington, man arbeite an einem Zeitplan für die Übernahme von 16 Provinzen durch die irakischen Streitkräfte. Die irakische Regierung werde jedoch nicht bestraft, wenn der Zeitplan nicht eingehalten werde. Das Land ist in 18 Provinzen unterteilt. Welche beiden Provinzen weiterhin von US-Soldaten überwacht werden sollen, teilte Rumsfeld nicht mit.

Verlustreicher Monat für US-Armee

Die amerikanischen Streitkräfte meldeten am Dienstag den Tod zweier weiterer US-Soldaten in der Provinz Anbar. Damit wurden seit Anfang Oktober 89 Amerikaner im Irak getötet - so viele wie noch nie in einem Monat dieses Jahres. Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 wurden laut einer Zählung der Nachrichtenagentur AP 2799 Mitglieder der US-Streitkräfte getötet.

Angesichts der mangelnden Fortschritte bei der Befriedung des Iraks und der bevorstehenden Kongresswahl in den USA hatte Präsident George W. Bush bereits am Wochenende angekündigt, die Taktik des US-Militärs in dem ölreichen Land überarbeiten zu wollen. Ziel bleibe aber weiterhin der Sieg. Einzelheiten nannte der Präsident nicht.

Druck der Opposition

Wegen der Frage nach einem konkreten Zeitplan für einen Truppenabzug gerät Bush innenpolitisch immer stärker unter Druck. Führende Mitglieder der oppositionellen Demokraten forderten Bush auf, einen Zeitplan bereits vor den Wahlen am 7. November vorzulegen. Nach jüngsten Umfragen droht Bushs Republikanern bei der Abstimmung ein Machtverlust in beiden Kammern der Legislative.

Warnung von irakischer Regierung

Die Regierung in Bagdad warnte im Streit über die künftige Sicherheitsstrategie im Irak die Verbündeten vor Panikmache und Defätismus. Bei einem Besuch in Großbritannien ermahnte Vize-Regierungschef Barham Salih den Westen am Montag, sein Land nicht im Stich zu lassen. "Vom Schicksal des Irak hängt die Zukunft des Nahen Ostens und der Weltordnung ab", sagte er in London.

Mehrheit der Briten will Rückzug

Eine deutliche Mehrheit der Briten ist nach einer repräsentativen Umfrage für einen raschen Rückzug der britischen Truppen aus dem Irak. 61 Prozent der Wahlberechtigten würden den Abzug der rund 7000 Soldaten noch bis Ende des Jahres befürworten, berichtete die Zeitung "The Guardian" am Dienstag. Damit sei die Zahl der Rückzugsbefürworter im Vergleich zum September 2005 um zehn Prozent gestiegen, berichtete die Zeitung. Sie hatte die Umfrage beim Institut ICM in Auftrag gegeben. (mas)

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