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Aktuell Welt

US-Geheimdienst NSA betreibt "Google-ähnliche" Suchmaschine

Die US-Geheimdienste speisen eine riesige Datenbank mit Milliarden von Kommunikationsdaten. Nach einer neuesten Enthüllung des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Snowden greift die NSA auch auf Daten von US-Bürgern zu.

Der US-Geheimdienst NSA betreibt nach Angaben der US-Enthüllungs-Webseite "The Intercept" eine Suchmaschine mit über 850 Milliarden Datensätzen. Die US-Webseite veröffentlichte in der Nacht zum Dienstag einen entsprechenden Bericht, wonach die Mitarbeiter mehrerer US-Geheimdienste und Ermittlungsbehörden die riesigen Datenbanken des US-Geheimdienstes durchsuchen können. "The Intercept" beruft sich dabei auf Unterlagen des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden.

Die "Google-ähnliche" Suchmaschine stellt demnach den Behörden Informationen zu Verfügung wie etwa E-Mail-Kommunikationen, SMS, Chat-Nachrichten und Aufenthaltsorte, die von der NSA gesammelt werden. Die Suchmaschine namens ICREACH bietet den Nutzern ähnlich wie Google einen einfachen Suchschlitz zur Eingabe. Geheimdienstler und Ermittler können so eine E-Mail-Adresse oder eine Telefonnummer von Verdächtigen eintippen und erhalten dann beispielsweise eine Übersicht der Telefonate, die von dieser Nummer aus getätigt wurden.

Im Gegensatz zu Google sammelt die NSA aber die Informationen nicht durch Softwareroboter, die sich durch das öffentliche Netz bewegen. Nach Angaben von "The Intercept" speisen sich die Datensätze aus den Datenbanken ausländischer Überwachungsprogramme der NSA, sowie den Kommunikationsdaten von Millionen US-Bürgern. Diese befinden sich in der Datenbank, auch wenn sie nicht von den Behörden irgendeines Fehlverhaltens verdächtigt werden. Der Grund: ICREACH greift auch auf Datensätze der Bundespolizei FBI und der Drogenfahndung DEA zu. Die Mitarbeiter von insgesamt 23 US-Behörden hätten Zugang zu ICREACH, so "The Intercept".

Datensätze aus den "Five Eyes"-Ländern

Ein Sprecher der Geheimdienste erklärte, mit der Suchmaschine solle der Informationsaustausch zwischen den Behörden befördert werden. Der Kommunikationsfluss zwischen den Diensten geriet nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 besonders ins Visier der Kritiker. Dementsprechend gab es den ersten Prototypen bereits im Jahr 2007. "The Intercept" berichtet jedoch, dass die ersten Pläne für die Suchmaschine bereits Anfang der 1990er Jahre entworfen wurden.

NSA-Hauptquartier in Fort Meade (Maryland) (Foto:dpa)

Das NSA-Hauptquartier in Fort Meade, im US-Bundesstaat Maryland

Die Datenmenge von ICREACH ist gewaltig. Während Google im Monat 100 Milliarden Suchanfragen erhält, übertrifft der Datensatz von ICREACH mehr als 850 Milliarden Einträge. Ein veröffentlichtes Diagramm legt nahe, dass auch Informationen durchsucht werden können, die von den Geheimdiensten aus Großbritannien, Australien, Kanada und Neuseeland gesammelt wurden. Mit diesen vier englischsprachigen Länder arbeiten die USA im Geheimdienstbündnis "Five Eyes" eng zusammen.

In den USA könnte diese Nachricht besonders brisant werden. Der Auslandsgeheimdienst NSA darf seine Informationen eigentlich nicht ohne weiteres mit nationalen Behörden teilen. Die nationalen Ermittler müssen nämlich strengere Vorgaben erfüllen, wenn sie Beweise vor Gericht vorlegen wollen. Suchanfragen dürften nur die Geheimdienst-Mitarbeiter stellen, die auf Dokumente der Sicherheitsstufe "streng geheim" zugreifen dürfen. Sie müssten vorher für die NSA-Suchmaschine freigeschaltet werden.

zam/mak (dpa, firstlook.org/theintercept)