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Wissen & Umwelt

US-Forscher entdecken neue Lebensform

In einem Salzsee haben US-Forscher eine völlig unbekannte Art Lebewesen entdeckt: Bakterien, die von dem für Menschen hochgiftigen Arsen leben. Der Fund stellt bisherige Erkenntnisse der Biologie auf den Kopf.

GFAJ-1-Bakterien (Foto: AP)

Unscheinbares Aussehen, aber spektakuläre Eigenschaften: GFAJ-1

Die Wissenschaftler sind ziemlich überrascht: Bislang galten Bakterien, die sich von Arsen ernähren, als biologisch unmöglich. Doch jetzt wurden solche Kleinstlebewesen gefunden - in Sedimenten des kalifornischen Salzsees Mono Lake. Ihr Name: GFAJ-1.

"Es handelt sich um irdisches Leben, aber nicht um Leben, wie wir es bisher kennen", sagte die Astrobiologin Mary Yoytek am Donnerstag (02.12.2010) in Washington. Und ihr Forscherkollege Ed Weiler geht noch weiter: "Die Definition von Leben hat sich erweitert." Denn die Folgen der Entdeckung sind noch kaum absehbar. Der Bakterien-Fund regt zu Spekulationen über mögliche völlig neue Lebensformen an - vor allem auch außerhalb der Erde. Weiler sagte, es gelte nun Lebensformen in Erwägung zu ziehen, "wie man sie nicht kennt".

Auswirkungen auf mögliches Leben im Weltall

Künstlerische Darstellung eines Planenten nahe des Sterns Beta Pictoris (Foto: dpa)

Die Frage nach außerirdischem Leben wird neu aufgeworfen

Ähnlich äußerte sich Felisa Wolfe-Simon vom Astrobiologie-Institut der US-Raumfahrtbehörde Nasa: "Wir haben die Tür einen Spalt weit geöffnet und sehen, was auch andernorts im Universum möglich ist. Und das ist entscheidend." Der US-Wissenschaftler James Elser ist sogar der Auffassung, dass Teile der bisherigen Forschung über Lebensformen neu geschrieben werden müssen.

Das Bahnbrechende der Entdeckung: Bisher gingen die Biologen fest davon aus, dass das Leben auf der Erde aus lediglich sechs chemischen Elementen besteht: Phosphor, Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Schwefel und Sauerstoff. Das für Menschen hochgiftige Arsen zählte nicht zu diesen Stoffen.

Arsen kann Phosphor ersetzen

Begonnen hatte die Entdeckung mit einer rein theoretischen Überlegung: Im Jahr 2009 hatten Ariel Anbar, Felisa Wolfe-Simon und Paul Davies einen wissenschaftlichen Aufsatz mit der Hypothese veröffentlicht, dass Arsen in Lebensformen auf der Erde das chemisch ähnliche Element Phosphor ersetzen könnte. Der prakische Nachweis für die Hypothese stand zunächst aber noch aus. "Wir nahmen an, dass sich solche Organismen in den Urzeiten der Erde entwickelt haben könnten und noch heute in ungewöhnlichen Umgebungen existieren", erklärte Wolfe-Simon.

Das Forscherteam machte sich auf die Suche im kalifornischen Mono Lake, der für seinen hohen Salz- und Arsengehalt bekannt ist. In den Ablagerungen des Sees fanden sie schließlich das so genannte GFAJ-1-Bakterium aus der Familie der Gamoproteobakterien, das von Arsen lebt. "Dieser Organismus kommt direkt aus der Natur", erklärte Anbar. "Das Bakterium war zwar schon bekannt, aber niemand wusste, dass es diese Fähigkeiten besitzt."

Autor: Martin Muno (dpa, dapd, ap)

Redaktion: Dirk Eckert