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Wirtschaft

US-Firmen loben 'Standort D'

Ford, McDonalds, Exxon, IBM, Hewlett-Packard, General Electric oder Burger King: Die Liste der US-amerikanischen Firmen, die in Deutschland tätig sind, ist lang. Was denken sie über Deutschland?

Ein Mitarbeiter der Ford Werke AG arbeitet in Köln an der Fertigung des Models Fiesta (Foto: dapd)

Schon 80 Jahre hier: Ford in Köln

Ford, Opel, ExxonMobil, das sind die drei größten amerikanischen Unternehmen in Deutschland. Aber wie amerikanisch sind sie eigentlich noch? An ihrer Spitze stehen deutsche Manager, die Geschäftsführung agiert vergleichsweise unabhängig vom Mutterkonzern in den USA, die Unternehmen sind schlank, effizient und gut finanziert. Alles Eigenschaften, die so auch auf deutsche Unternehmen zutreffen.

Die Amerikaner hätten sich inzwischen integriert, meint Lutz Raettig, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Morgan Stanley Bank. "Vieles von dem, was amerikanische Unternehmen früher mal als amerikanische Unternehmen ausgezeichnet hat, ist eigentlich nicht mehr da." Und doch sind diese Unternehmen ausländische Investitionen. Und die würden schnell wieder abgezogen, wenn der Standort Deutschland nicht mehr attraktiv wäre.

Grüner Pfeil nach oben

'Coca Cola'-Abfüllanlage in Genshagen (Foto: dapd)

Coca Cola Abfüllanlage in Genshagen

Wie attraktiv er für US-Unternehmen ist, das erkundet die amerikanische Handelskammer in Deutschland in regelmäßigen Abständen. An der jüngsten Befragung, dem AmCham Business-Barometer 2011, haben 107 Unternehmen mit einem Umsatz von rund 120 Milliarden Euro pro Jahr teilgenommen, die zusammen mehr als 320.000 Arbeitsplätze am deutschen Standort haben. Das Fazit der Befragung: Die Krise in Deutschland ist vorbei, Umsätze, Beschäftigtenzahlen und Investitionen ziehen bei den US-Unternehmen wieder deutlich an.

Ernst-Wilhelm Frings von der AmCham Germany spricht sogar von einem Boom. "Das Vertrauen ist wieder da, es ist sogar eine gewisse Aufbruchstimmung zu beobachten, die auf einen weiteren Aufschwung hindeutet." Aber es blieben auch Risiken und Herausforderungen, sagt Frings, "denn viele Unternehmen haben erst jetzt wieder die Auftragslage aus dem ersten Quartal 2007 erreicht."

Breit aufgestellt

Symbolbild Geldscheine und Münzen (Foto: dapd)

Die Schuldenkrise in der Eurozone bereitet Kopfzerbrechen

Immerhin 87 Prozent der befragten Unternehmen rechnen auch 2011 mit einem weiteren Umsatzplus. Aus Sicht der US-Investoren hat Deutschland in der Krise vorbildlich reagiert und ist deshalb als Standort heute attraktiver denn je. Neben China und noch vor Osteuropa ist es der wichtigste Investitionsstandort für amerikanische Unternehmen weltweit - und oft genug auch die Zentrale für das gesamte Europageschäft.

Daniel Stelter von der Boston Consulting Group stimmt geradezu ein Loblied auf Deutschland an: "Die Wirtschaftskraft Deutschlands hat auch viel mit der Vielfalt zu tun. Deutschland ist ein breiter Wirtschaftsstandort mit einem Mittelstand als Rückgrat und vielen 'Hidden Champions', also Firmen, die man gar nicht so kennt, die aber teilweise Milliarden-Umsätze machen." Gelobt werde auch die politische und soziale Stabilität, die gute Zusammenarbeit zwischen den Tarifpartnern, das gute Verhältnis von Forschung und Wirtschaft. "Und wir haben darüber hinaus auch die gezielte Förderung von Zukunftsindustrien, was auch positiv bemerkt wird."

Risiken bleiben

Ein Containerschiff wird am Burchardkai bei der HHLA (Hamburger Hafen und Logistik AG) im Hamburger Hafen abgefertigt (Foto: dpa)

Bisweilen bemängelt: Die Exportabhängigkeit Deutschlands

Gelobt werden auch das Lohnniveau und die Möglichkeit, in Krisen auf Kurzarbeit zurückgreifen zu können. Als Risiken nennen die US-Unternehmen hingegen die hohe Exportabhängigkeit Deutschlands, die steigenden Energiepreise, den drohenden Fachkräftemangel und die Verschuldung in der Euro-Zone. Vor allem die Schuldenkrise bereitet vielen Unternehmen Kopfzerbrechen. Trotzdem lehnen fast alle befragten Unternehmen eine Auflösung oder Aufteilung der Euro-Zone ab. Befürwortet wird stattdessen eine Mithaftung privater Gläubiger.

Autorin: Sabine Kinkartz
Redaktion: Rolf Wenkel