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Wirtschaft

US-Finanzbranche verhalten optimistisch

Zwei Jahre nach der historischen Pleite der Investmentbank Lehman Brothers überwiegt an der Wall Street die Zuversicht. Doch in den USA häufen sich die Probleme - vor allem der Schuldenberg wächst.

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"Ich bin ziemlich optimistisch für 2011", sagt Alan Valdes. Der Händler ist ein Veteran der Wall Street, mit über 30 Jahren Erfahrung. Es werde kein großartiges Jahr – aber die Richtung stimme. Beispielsweise werde die Verlängerung der Steuererleichterungen kleinen und mittelständischen Unternehmen durch die kommenden Jahre helfen.

Auch die jüngsten Konjunkturdaten lassen ihn hoffen. Die Konsumenten seien wieder zuversichtlicher und der Einzelhandel habe moderate Zahlen verzeichnet. Der Optimismus ist an die New Yorker Börse zurückgekehrt. Dabei ging im Sommer vergangenen Jahres noch das Schreckgespenst "Double Dip" um: die Angst vor einem zweiten Abschwung. Daran denkt Ende 2010 scheinbar keiner mehr. Was den Händlern hingegen Sorge bereitet, sind Schulden – nämlich die Schulden der europäischen Staaten.

"Dann werden chaotische Zustände ausbrechen"

Die Euro-Krise drückt auf den Euro, der Dollar steigt und ausländische Investoren ziehen sich von der Wall Street zurück. Wirtschaftliche "Zwerge" wie Griechenland und Irland haben schon für Aufruhr in New York und an den weltweiten Börsen gesorgt. Alan Valdes will nicht daran denken, was passiert, wenn stärkere Länder wie Spanien oder Portugal Pleite gehen. "Dann hängt alles an Deutschland. Wenn Deutschland irgendwann nicht mehr den Zahlmeister spielen will, werden in Europa chaotische Zustände ausbrechen."

BdT USA New York Schuldenuhr mit Extra Nul

Zahlen schießen in die Höhe: Schuldenuhr in New York

Dabei werden die eigenen Schulden in den USA konsequent ignoriert - sowohl auf nationaler als auch auf bundesstaatlicher Ebene. Allein seit Beginn der Krise haben die US-Staaten rund eine halbe Billion Dollar mehr ausgegeben, als sie eingenommen haben. "Das Alarmierende ist die Gleichgültigkeit, mit der damit umgegangen wird", meint Meredith Whitney im US-Fernsehen. Die Finanzanalystin hält die amerikanischen Haushaltslöcher nach dem - immer noch - problematischen Immobilienmarkt für die nächste große Bedrohung der US-Wirtschaft.

Alle müssen Federn lassen

Der bekannteste Pleitestaat ist Kalifornien mit einem Haushaltsdefizit von rund 19 Milliarden Dollar. Auch Illinois steht mit dem Rücken zur Wand: dort werden Ausgaben für Krankenhäuser oder Universitäten schon mit Schuldscheinen statt mit Bargeld beglichen. "Wir müssen zugeben, dass wir mehreren zehntausend, wenn nicht hundertausend Menschen Geld schulden", sagte Daniel Hynes, Finanzminister in Illinois, in einem TV-Interview.

Chris Christie

Der Republikaner Chris Christie, Gouverneur von New Jersey

Ähnlich sieht die Lage auch im Staat New Jersey aus. Hier klafft ein Loch von 10 Milliarden US-Dollar in der Bilanz. Der dortige Gouverneur Chris Christie ist bekannt für seinen harten Sparkurs. Er streicht millionenschwere Bauprojekte, entlässt tausende Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und kürzt Renten. Sein Credo: Alle müssen Federn lassen. Und Kalifornien, Illinois und New Jersey sind nur drei von 50 Bundesstaaten.

Haushaltsdefizit erreicht Rekordwerte

"Der Tag der Abrechnung ist gekommen" sagte Chris Christie einem amerikanischen Fernsehsender. "Wir können ihn nicht mehr aufhalten. Er ist jetzt da und wir wissen es". Alle seien betroffen, manche Staaten früher, andere später. Mit insgesamt mehr als einer Billion US-Dollar stehen die amerikanischen Bundesstaaten in der Kreide – auf ein Rettungspaket aus Washington zu hoffen, wagt keiner. Dort kämpft man mit dem eigenen staatlichen Haushaltsdefizit von knapp 1,3 Billionen US-Dollar und einem gigantischen Schuldenberg von rund 14 Billionen US-Dollar.

Dass die Aktienmärkte 2010 florieren konnten, lag vorwiegend an den Rettungsgeldern aus Washington. Doch jetzt sind die Haushaltskassen leer. Um den Aufschwung auch im neuen Jahr weiter zu treiben, wird es Zeit, dass die US-Unternehmen wieder investieren. Denn die verfügen über Kapitalreserven von geschätzten zwei Billionen Dollar.

Autorin: Miriam Braun
Redaktion: Klaus Ulrich