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Amerika

US-Extremisten als Boston-Bomber?

Nach den Bomben von Boston fragen sich viele Amerikaner, ob islamistische Terroristen hinter den Anschlägen stecken. Experten halten jedoch einheimischen Terrorismus für die wahrscheinlichere Erklärung.

Mitten im Chaos des Bombenattentats von Boston hat der live berichtende CBS-Reporter John Miller einen Verdacht: Er erzählt dem Fernseh-Publikum von einem Mann, den Zuschauer direkt nach der ersten Explosion an der Ziellinie angehalten hatten. Fernsehbilder zeigen ihn, wie er vor der Explosion davonläuft. Miller berichtet davon, dass einer der Zuschauer den verletzten Mann überwältigt und der Polizei in Boston übergeben habe.

Später stellt sich heraus, dass der Mann aus Saudi-Arabien kommt. Der 20-Jährige wird festgehalten und noch im Krankenhaus von der Polizei befragt. Ruhig weist er jede Mitwirkung am Anschlag von sich. Andere Medien berichten sogar von einer Razzia in der Wohnung des Mannes, in einem Vorort von Boston. Der zunächst Verdächtige wird aber nicht verhaftet, ihm wird nichts angelastet, und Reporter John Miller gibt zu: "Es war zu früh, ihn als Verdächtigen zu bezeichnen." Der Vorfall verdeutlicht aber die Frage, die sich jeder Amerikaner stellt: War der Anschlag das Werk islamischer Extremisten?

Der Tatort aus der Luft (Foto: Reuters)

Der Tatort aus der Luft

Kein Bekennerschreiben

Bisher hat noch keiner die Verantwortung für den Anschlag übernommen. "Wenn überhaupt, deutet das auf die Möglichkeit hin, dass es eher ein einheimischer als ein internationaler Terrorist war", meint Paul Rogers, Sicherheitsberater der Oxford Research Group, einem britischen Think-Tank. "Vielleicht ist der Fall ähnlich wie das Attentat im Centennial Park bei den Olympischen Spielen in Atlanta 1996. Auch die "New York Times" stellt fest, dass die Sprengsätze von Boston in ihrer Größe der Rohrbombe von Atlanta ähnelten. Bei dem Bomben-Attentat in Atlanta wurden zwei Menschen getötet und mehr als 100 verletzt.

Unabomber Ted kaczynski (r.) (Foto: AFP/Getty Images)

Ted Kaczynski, der sogenannte "Unabomber", wurde im Jahr 1996 verhaftet

Es sei unwahrscheinlich, dass eine ausländische Terroristengruppe involviert sei, meint auch Adam Montella. "Alles deutet darauf hin, und mein Bauchgefühl sagt mir das auch", erklärt der Experte für innere Sicherheit aus Virginia im Gespräch mit der Deutschen Welle. In der Vergangenheit hätten ausländische Gruppen schnell Verantwortung für eine Tat übernommen, so Montella. "Für etwas, das sie nicht getan haben, würden sie nie die Verantwortung übernehmen. Sie haben eine PR-Maschinerie wie jede andere Firma auch." Einzeltäter wie der berüchtigte "Unabomber" Ted Kaczynski dagegen neigten dazu, sich bedeckt zu halten und keine Verantwortung zu übernehmen. "Trotzdem werden sie meistens gefasst, hoffentlich wird das hier auch so sein", meint Montella. "Es war eine große Sportveranstaltung. Es gibt viele Videos und Bilder von Überwachungskameras der umliegenden Gebäude."

Viele mögliche Motive

Wenn es aber nicht Al-Kaida war, wer war es dann? "Es gibt viele einheimische Terroristengruppen in den Vereinigten Staaten", meint Montella. "Alles von religiös-motivierten Organisationen bis hin zu politischen und soziologischen Gruppierungen." Früher habe man sich mehr auf diese Menschen mit ihrer fast sektenhaften Anhängerschaft konzentriert, aber in letzter Zeit habe sich die Aufmerksamkeit eher in Richtung internationaler Terrorismus verlagert. "Die einheimischen Idioten hat man vergessen."

Mögliche Anknüpfungspunkte für die Tat gebe es viele, meint Montella. "Am 15. April waren die Einkommensteuererklärungen in den USA fällig, und Boston war natürlich der Ort der Boston Tea Party." Außerdem sei es ein Feiertag gewesen, Patriots' Day, also der Anfang des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, auch in der Nähe von Boston. Es gebe viele unterschiedliche Aspekte, die man heranziehen könne.

Verbesserte Einsatzfähigkeit seit 9/11

Einsatzkräfte in Boston auf der Straße (Foto: AP)

Einsatzkräfte waren schnell zur Stelle

Obwohl Regierung und Behörden viele Stunden lang das Wort "Terrorismus" vermieden, reagierten die Einsatzkräfte vor Ort direkt so, als ob die USA attackiert würden. Der Luftraum über den Unglücksort wurde gesperrt und kurzzeitig wurden sogar Flüge auf dem Weg zu Bostons Logan Airport umgeleitet oder am Boden gehalten. In der Zwischenzeit wurden Einsatzteams rund um New York in Aufstellung gebracht und die Sicherheitsvorkehrungen in Hotels und öffentlichen Plätzen verstärkt.

"Ich denke, dass ist eine ganz normale Reaktion, besonders in großen Städten", so Rogers. "Es gibt seit 9/11 eine koordinierte Planung wie Städte in solchen Fällen reagieren sollen. Man ergreift Sofortmaßnahmen, selbst wenn es keine Hinweise auf weitere Anschläge gibt. Die Einsatzfähigkeit hat sich verbessert, sowohl in den USA als auch weltweit", erklärt Montella. "Hier in den USA haben wir sogenannte Fusion Centers entwickelt, in denen nicht nur Gesetzeshüter sondern auch Feuerwehr und Gesundheitswesen alle Daten auf täglicher Basis miteinander austauschen."

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