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Amerika

US-Erfolge im Anti-Terrorismus-Kampf

Die Aufdeckung eines mutmaßlich geplanten Anschlags gegen den saudiarabischen Botschafter in Washington ist der jüngste Coup der US-Strafverfolgungsbehörden im Kampf gegen den Terrorismus. Hat man seit 9/11 dazu gelernt?

US-Präsident Barack Obama am 13.10.2011 (Foto: pa/dpa)

Obama: Helfen ihm im kommenden Wahlkampf die Erfolge gegen Terroristen?

2. Mai 2011: Osama Bin Laden wird von einer US-Spezialeinheit in seinem Versteck in Pakistan aufgespürt und getötet. 30. September 2011: Der Al-Kaida-Prediger Anwar al-Awlaki stirbt, gemeinsam mit einem weiteren Mitglied der Terrorgruppe durch eine amerikanische Drohne im Jemen. 11. Oktober 2011: Justizminister Eric Holder erhebt Anklage gegen Manssor Arbabsiar, einen Iraner mit US-Pass, weil er, mutmaßlich im Auftrag Irans, ein Attentat gegen den saudiarabischen Botschafter in Washington plante.

Der frühere Chef des Terrornetzwerks Al-Kaida, Osama bin Laden (Foto: AP)

Ein US-Spezialkommando tötete Osama Bin Laden im Mai in Pakistan

Diese Erfolge der US-Strafverfolgungsbehörden, der Inlands- und Auslandsgeheimdienste, seien kein Zufall oder pures Glück, sagt Ken Gude, Terrorismusexperte des liberalen "Center for American Progress", in Washington, D.C. Allerdings müsse man differenzieren. Für die Erfolge im Kampf gegen die Al-Kaida-Terroristen gilt: Präsident Barack Obama, so Gude, "hat mit seinem Amtantritt den Schwerpunkt darauf gelegt, den Kampf direkt vor Al-Kaidas Haustür auszutragen, gleichgültig, ob das in Afghanistan, in der Grenzregion von Pakistan oder in Jemen gegen die dortige Al-Kaida-Gruppierung ist." Und das zeitige jetzt Erfolge.

Bush-Regierung legte Grundlagen

Allerdings weist Gude auch auf die Vorgänger-Regierung hin: "Es gibt keinen Grund, nicht anzuerkennen, dass die Bush-Regierung während der zweiten Amtszeit die Grundlagen für die Erfolge geschaffen hat, die wir in den letzten Jahren gesehen haben."

Auch Jim Carafano, Terrorismusexperte der konservativen "Heritage Foundation", sieht den Erfolg gegen Bin Laden als Fortsetzung der Politik unter Präsident George W. Bush. Bin Ladens Ergreifung, sagt er, sei das Ende einer "zehnjährigen Aktion gewesen, ihn in die Ecke zu treiben und zu kriegen". Er warnt jedoch davor, sich zu sehr auf die gezielten Schläge gegen die führenden Figuren etwa von Al-Kaida zu konzentrieren. Die jüngst von der US-Regierung vorgestellte Strategie, die sich verstärkt auf solche Anschläge stützt, hält er für falsch.

Bush und Obama gedenken am zehnten Jahrestag gemeinsam der Opfer des 11. Septembers (Foto: pa/dpa)

Bush und Obama: Vereint am zehnten Jahrestag in der Trauer um die Terroropfer des 11. Septembers

Bisher hat der amtierende Präsident aus den Erfolgen im Kampf gegen die Terroristen nicht allzu viel Kapital schlagen können, im Gegensatz zu seinem Vorgänger. Während Bushs Image eines entschlossenen Kämpfers gegen den Terror ihm zur Wiederwahl verhalf, hielt der Anstieg von Obamas Popularitätskurve nach dem Tod Bin Ladens nicht lange an. Allerdings hält sich Obama mit entsprechenden Bemerkungen auch zurück, er vermeidet jegliches Triumphgeschrei. Im kommenden Präsidentschaftswahlkampf werde er, vor allem im Kontrast zu allen zur Auswahl stehenden republikanischen Kandidaten, eindeutig derjenige sein, der Erfolge im Bereich der nationalen Sicherheit aufweisen kann, so Gude. Er ist sich sicher: "Jeder wird sich daran erinnern können, wer Präsident war, als Osama bin Laden getötet wurde."

Bessere Zusammenarbeit der Behörden

An der zweiten Front des Kampfes gegen den Terrorismus, der auf heimischem Boden, spielen Kooperation und Informationsaustausch eine zentrale Rolle. Janet Napolitano, die Chefin der Heimatschutzbehörde, hatte erst Anfang September bei einer Veranstaltung des "Center for Strategic & International Studies" in Washington erklärt, die USA seien wesentlich besser geschützt als vor dem 11. September 2001: "Bundesbehörden wie das Büro des Direktors für nationale Geheimdienste (DNI), das Nationale Anti-Terrorismus Zentrum (NCTC), das Terrorismus-Selektionszentrum (TSC) und eine gesunde Atmosphäre des Informationsaustausches haben unsere Analysen gestärkt, unsere Fähigkeit verbessert, korrekte Warnlisten und Datensammlungen anzulegen, und haben von einer Kultur des Wissens zu einer Kultur des Informationsaustausches geführt."

2004 stellte eine Untersuchungskommission fest, dass die Anschläge vom 11. September auch deswegen nicht vereitelt wurden, weil es zu wenig Datenaustausch zwischen den vielen US-Behörden gab. Einen Informationsverlust werde man nie ganz vermeiden können, sagt Ken Gude, aber die Zusammenarbeit habe sich verbessert und würde jetzt Früchte tragen. Jim Carafano von der "Heritage Foundation" hat gezählt: Der aufgedeckte Attentatsplan gegen den saudiarabischen Botschafter ist der 42. vereitelte Anschlag auf US-Boden. "Wenn Sie sich die Zahlen der Anschläge gegen US-Einrichtungen weltweit ansehen, nicht nur hier in den USA", sagt er, "dann können Sie seit 2005 einen kontinuierlichen Rückgang feststellen." Das spiegele die Tatsache wider, dass die USA es geschafft hätten, ein zunehmend schwieriger zu treffendes Ziel abzugeben.

Ein "zweites 9/11" unwahrscheinlicher

Das World Trade Center in New York steht am 11. September 2001 in Flammen, nachdem zwei Flugzeuge in die Tower geflogen sind (Foto: AP)

Anschläge wie die vom 11. September wären heute unwahrscheinlicher, meinen Experten

Wäre ein Anschlag wie vom 11. September jetzt also nicht mehr möglich? Beide Experten sind vorsichtig mit einer solchen Formulierung, aber einig darin, dass er auf jeden Fall schwieriger wäre. Ken Gude vom "Center for American Progress": "Terrorgruppen wie Al-Kaida fehlt der Spielraum, so einen durchdachten Angriff zu planen und zu organisieren." Denn so ein Angriff wie am 11. September brauche Zeit, Training und Organisation. "Der Druck, der von den USA und unseren Alliierten ausgeübt wird, hat diese Fähigkeiten begrenzt."

Eine große Gefahr, so beide Experten, gehe aber nach wie vor von Einzelgängern aus, wie zum Beispiel dem Soldaten Nidal Malik Hassan, der 2009 in Fort Hood um sich schoss und 13 Menschen tötete sowie Dutzende Weitere verletzte. Hassan stand in Email-Kontakt mit Anwar al-Awlaki. Dass der jüngste mutmaßliche Attentäter, Manssor Arbabsiar, Kontakt zu einem mexikanischen Drogenkartell aufgenommen hat, halten sowohl Gude als auch Carafano für kurios, aber nicht für unwahrscheinlich, auch wenn sie sagen, dass die Mexikaner nicht daran interessiert sein dürften, durch terroristische Aktionen die Aufmerksamkeit der US-Behörden mehr als ohnehin schon auf sich zu lenken.

Das ganze Attentat scheint von Arbabsiar ziemlich dilettantisch geplant worden zu sein. Aber, warnt Jim Carafano, deswegen sollte man es trotzdem ernst nehmen: "Bei einem der schrecklichsten Attentate in den USA sind zwei Schüler einfach in eine Schule gegangen und haben um sich geschossen – das war nicht besonders durchdacht, und sie waren nicht besonders ausgebildet, aber sie haben viele Menschen umgebracht." Das war 1999 in der Columbine High School – 13 Menschen kamen dabei ums Leben.

Autorin: Christina Bergmann, Washington
Redaktion: Ursula Kissel

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