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"EU zerfällt nicht"

US-Botschafter in Brüssel sieht "Wahnsinn" im Trump-Team

Der US-Vertreter bei der EU räumt wegen des Regierungswechsels in Washington seinen Posten. Mit Kritik am Team des neuen Präsidenten Trump muss er sich deshalb nicht zurückhalten.

Der scheidende US-Botschafter bei der Europäischen Union, Anthony Gardner, hat den künftigen US-Präsidenten Donald Trump davor gewarnt, auf einen Zerfall der EU zu setzen. Mitglieder von Trumps Team hätten bei Vertretern von EU-Institutionen angerufen und gefragt, wer nach Großbritannien die nächsten Austrittskandidaten seien, sagte Gardner vor Journalisten in Brüssel. Dies sei die Hauptfrage der Trump-Mitarbeiter gewesen.

 "EU zerfällt nicht"

"Zu denken, dass wir unseren eigenen Interessen dienen würden, wenn
wir den Zerfall Europas unterstützen, wäre reiner Aberwitz, ein Wahnsinn", sagte der von der Regierung des scheidenden Präsidenten Barack Obama ernannte Diplomat. Mit Trumps Amtsantritt am 20. Januar verliert er seinen Posten. "Die EU ist nicht dabei zu zerfallen", betonte Gardner. Ein geeintes Europa sei zudem für die amerikanische Wirtschaft ein weitaus attraktiverer Handelspartner.

USA Wahlkampf Republikaner Donald Trump & Nigel Farage (picture-alliance/AP Photo/G. Herbert)

Brexit-Anführer Farage (l.) bei einem Wahlkampfauftritt Trumps im August

Der Botschafter machte den Brexit-Wegbereiter und ehemaligen Chef der EU-feindlichen britischen Ukip-Partei, Nigel Farage, für die Herangehensweise des Trump-Teams an die EU verantwortlich: "Das ist eine Wahrnehmung, die vermutlich Nigel Farage in Washington sät."

Farage hatte Trump als erster britischer Politiker nach dessen Wahlsieg getroffen und war schon mehrfach im New Yorker Trump-Tower zu Besuch. Beide Männer verstehen sich offenbar sehr gut:: Trump hatte der Regierung in London vorgeschlagen, Farage zum neuen britischen Botschafter in Washington zu machen. Premierministerin Theresa May hatte diesen Vorstoß zurückgewiesen.

Gardner sagte weiter, er hoffe, dass Trump in der Frage der Sanktionen gegen Russland wegen der Ukraine-Krise hart bleibe. Für ihn sei es "undenkbar und eine Schande", wenn die USA ihre Sanktionen lockern würden, sagte der Diplomat. Er verwies dabei auch auf die Vorwürfe gegen Moskau, die US-Wahlen durch bei Hacker-Angriffen beschafftes Material beeinflusst zu haben. Wer Gardners Nachfolger in Brüssel wird, steht noch nicht fest.

wl/uh (dpa, afp)