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Politik

US-Bürger soll für Israel spioniert haben

Spionage unter Freunden? In den USA ist ein früherer Ingenieur der Streitkräfte unter Spionageverdacht festgenommen worden. Er soll Anfang der 80er-Jahre Geheimnisse über US-Atomwaffen an Israel verraten haben.

Titan-II-Rakete (Quelle: AP)

Anscheinend waren Nuklearwaffen Ziel der Spionage-Attacke

Vor einem Gericht im New Yorker Stadtteil Manhattan wurde am Dienstag (22.04.2008) gegen den 85-jährigen US-Bürger Ben-Ami Kadish in vier Punkten Anklage erhoben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte der Verdächtige im Militärforschungszentrum Picatinny Arsenal im Bundesstaat New Jersey gearbeitet. Zwischen 1979 und 1985 soll er wiederholt geheime Dokumente mit nach Hause genommen und im Keller seines Hauses einem israelischen Konsularbeamten gezeigt haben. Dieser habe Fotos von den Papieren gemacht und sie an die israelische Regierung weitergereicht.

Ein junger Mann fotografiert mit einem Foto-Handy durch eine Büro-Gardine.

Foto-Handys erleichtern heute die Arbeit von Spionen

Die Dokumente enthielten nach Angaben der Staatsanwälte Informationen über Atomwaffen, eine modifizierte Version des Kampfflugzeugs F-15 und das Raketenabwehrsystem "Patriot". Der Verdächtige habe dem Israeli nach eigener Aussage zwischen 50 und 100 Dokumente gezeigt, so die Staatsanwaltschaft.

Ausforschung war anscheinend systematisch geplant

Die Anklageschrift, die beim Gericht in Manhattan eingereicht wurde, enthält weitere pikante Einzelheiten. Diese erscheinen umso brisanter, als die USA ja seit langem als engster Verbündeter Israels gelten. So soll Kadish sogar von 1979 bis 2000 als Agent Israels tätig gewesen sein. Der ehemalige Ingenieur habe von dem israelischen Beamten regelmäßig eine Aufstellung von Dokumenten erhalten, zu denen Israel Zugang wünsche, heißt es in der Klageschrift. Zu den gelieferten Unterlagen zähle eine Akte, die "als geheim klassifizierte Informationen über Nuklearwaffen" enthalten habe. Der namentlich nicht genannte israelische Verbindungsmann habe die USA 1985 verlassen und sei nie wieder eingereist. Kadish sei 2004 in Israel mit ihm zusammengetroffen.

US-Regierung ist enttäuscht von Israel

Das US-Außenministerium in Washington zeigte sich verstimmt über Israels Vorgehen. Der Sprecher des Außenamts, Tom Casey, sagte: "Diese Art von Aktivitäten sind nicht das, was wir von einem Freund und Verbündeten erwarten würden." Er kündigte an, der Fall werde vor israelischen Vertretern zur Sprache gebracht - "wenn wir das nicht schon längst getan haben".

Israel wies unterdessen jegliche Beteiligung an dem Fall zurück. Das Außenministerium in Jerusalem teilte mit, es habe keinerlei Informationen zu dem Fall und habe davon nur durch die Medien erfahren.

Ähnlichkeiten mit Spionagefall Pollard

Der Fall erinnert an Jonathan Pollard, der als US-Staatsbürger 1987 wegen Spionage für den israelischen Geheimdienst Mossad zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Pollard hatte als Nachrichtenoffizier für die amerikanische Marine gearbeitet. Die Affäre belastete damals die engen Beziehungen zwischen Washington und Jerusalem. Das US-Justizministerium teilte nun mit, Kadish habe den gleichen israelischen Kontaktmann gehabt wie der verurteilte Spion Pollard. Das US-Justizministerium nannte allerdings nicht den Namen des Israeli, der damals Mitarbeiter der Konsular-Abteilung für wissenschaftliche Zusammenarbeit gewesen sei.

Gegen den Verdächtigen Kadish wurde insgesamt in vier Punkten Anklage erhoben. Nach Justizangaben muss sich der Festgenommene wegen "Verschwörung zur Weitergabe von Dokumenten über die nationale Sicherheit der USA an die Regierung Israels" verantworten. Weitere Anklagepunkte lauten auf "Verschwörung zum Dienst als Agent der Regierung von Israel", Falschaussage gegenüber einem Justizermittler und Behinderung der Kommunikation mit der Justiz. (kle)

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