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Kultur

US-Autorin Susan Sontag gestorben

Eine der bekanntesten Schriftstellerinnen der Gegenwart ist tot. Susan Sontag beschäftigte sich mit praktisch allen Problemen des Jahrhunderts und scheute keine Kontroverse - Grande Dame und enfant terrible zugleich.

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Susan Sontag, 1992 in New York

Die US-Autorin Susan Sontag, die am Dienstag (28.12.2004) 71-jährig in New York gestorben ist, brillierte gleichermaßen als Autorin eines Liebesromans, trat als Essayistin hervor und war als Denkerin anerkannt. Sie beschäftigte sich mit praktisch allen Problemen des Jahrhunderts und scheute keine Kontroverse - Grande Dame der zeitgenössischen amerikanischen Literatur und ihr enfant terrible zugleich.

Sontag, die im Oktober 2003 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt, war eine Meisterin von Unabhängigkeit und Provokation. Schon in den 1960er-Jahren trat die Autorin ihren Landsleuten auf die Füße, als sie erklärte, die "weiße Rasse" sei der Krebs der Geschichte und Amerika "auf Völkermord gegründet".

Doch am lautesten war der Aufschrei, den ihre Äußerungen zu den tieferen Ursachen der Terroranschläge am 11. September 2001 auslösten. Die Anschläge seien nicht, wie die Bush-Regierung behauptete, gegen die Zivilisation und die Freiheit im allgemeinen gerichtet, sondern Folge der Supermacht-Außenpolitik der USA, erklärte Sontag nach dem Sturz der Zwillingstürme, den sie in Berlin verfolgen musste. Dass sie sich später mit einer "Überdosis CNN" und der Entfernung von New York für ihre Kritik entschuldigte, half nur bedingt. Sie hatte sich viele Sympathien verscherzt.

Die Intellektuelle hatte es all die Jahre verstanden, sich ihre
Unabhängigkeit zu bewahren. Sie galt als Ikone von Amerikas Linken, setzte sich aber bewusst von ihnen ab. Sie sah sich nicht als Pazifistin, den Bosnien-Krieg fand sie "überfällig". Beim Empfang des Jerusalem-Preises im Mai 2001 scheute sich die streitbare Amerikanerin nicht, Kritik am Gastgeber Israel zu üben.

Das Wunderkind

Schon im Alter von 14 Jahren wurde die als Susan Rosenblatt in eine bürgerlich-jüdische Familie in New York geborene Frau von Thomas Mann zum Tee geladen. Zu jener Zeit verschlang sie Enzyklopädien und las mit Vorliebe Edgar Allan Poe. Mit 16 Jahren besuchte sie die Universität von Chicago, an der sie Philosophie, Französisch und Literatur studierte. Ein Jahr später heiratete sie und wurde Mutter. Ihr Sohn David ist inzwischen selbst Autor mehrerer Bücher.

Es folgten Studien an den Universitäten Oxford, Berkeley und Harvard. Dort schrieb sie ihre Doktorarbeit in Philosophie bei Paul Tillich. Dann ging sie nach Paris, um sich mit dem französischen Existenzialismus zu beschäftigen. Bald darauf ließ sie sich scheiden, kehrte nach New York zurück, unterrichtete an der Columbia University und schrieb ihr erstes großes Werk.

Für ihren jüngsten Roman "In Amerika" erhielt Sontag im Jahr 2000 den National Book Award, einen der höchsten Buchpreise der USA. 2003 erschien in Deutschland auch ihr Fotoband "Das Leiden anderer betrachten". Ihr erster Roman, "The Benefactor" ("Der Wohltäter") war 40 Jahre zuvor erschienen. Doch er fand weniger Beachtung als Sontags Essays, die von 1962 an in avantgardistischen Kunst- und Literaturzeitschriften erschienen.

Sie selber sah sich vor allem als Romanautorin - im Gegensatz zu vielen ihrer Kritiker. Diese betrachteten Essaybände wie "Against Interpretation" (1966), "Styles of Radical Will" (1969) oder auch "Krankheit als Metapher" (1978) als ihre größte Stärke.

1967 lag ihr zweiter Roman, "Death Kit", vor. 1992 folgte der dritte, "The Volcano Lover". Zwischendurch drehte Sontag Filme wie "Duet for Cannibals" in Schweden oder auch "Brother Carl" und inszenierte Theaterstücke, darunter Samuel Becketts "Warten auf Godot" im zerstörten Sarajewo von 1992.

Susan Sontag starb an den Folgen einer Krebserkrankung. (kas)

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  • Datum 28.12.2004
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  • Permalink http://p.dw.com/p/63KI
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