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Nahost

US-Asyl für "Grünen Prinzen"

Jahrelang hatte er für Israel die radikal-islamische Hamas ausspioniert. Nachdem er vor drei Jahren aus dem Westjordanland geflohen ist, bekommt der Palästinenser Mossab Hassan Jusef offiziell Asyl in den USA.

Mossab Hassan Jusef (Foto: AP)

Hamas-Führer und Spion, Muslim und Christ: Mossab Hassan Jusef

Dem ehemaligen Top-Agent des israelischen Geheimdienstes wird in den Vereinigten Staaten von Amerika Asyl gewährt. Das entschied ein amerikanisches Einwanderungsgericht am Mittwoch (28.06.2010). Der unter dem Decknamen "Grüner Prinz" bekannte Spion dürfe im Land bleiben und müsse sich lediglich einer Routineüberprüfung stellen, hieß es. Zunächst hatte das US-Heimatschutzministerium im Februar 2009 einen Antrag auf Asyl mit der Begründung abgelehnt, Jusef stelle eine terroristische Gefahr dar. Die Unterstützung einiger Kongressabgeordneter und eines ehemaligen CIA-Direktor sorgte jedoch dafür, dass der Antrag schließlich positiv beschieden wurde.

Vom Hamasführer zum israelischen Agenten

Shimon Peres, heute israelischer Staatspräsident (Foto: AP)

Jusef behauptet Ex-Außenminister Peres vor einem Anschlag gerettet zu haben

Jusef selbst rechnete nach einer Abschiebung aus den USA mit seiner Ermordung. Schließlich hatte er jahrelang ein Doppelleben als wichtiger Hamas-Führer und israelischer Spion geführt. In seinen Memoiren mit dem Titel "Sohn der Hamas – Mein Leben als Terrorist" beschreibt er sich als einen der wichtigsten Agenten des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet.

Als ältester Sohn von Scheich Hassan Jusef, einem der sieben Mitbegründer der radikal-islamischen Hamas, hatte er zunächst in der "islamischen Widerstandsbewegung" gekämpft. Später ließ er sich heimlich christlich taufen und vom israelischen Geheimdienst anwerben. Als Agent soll er hunderte Terroristen aus dem Verkehr gezogen haben. Nach eigenen Angaben konnte Jusef 2001 einen Anschlag auf den damaligen israelischen Außenminister Schimon Peres vereiteln.

Morddrohungen und Lobeshymnen

Palästinensische Unterstützer der Hamas in Gaza (Foto: AP)

Die Hamas ist aus der Muslimbruderschaft hervorgegangen

Aus Angst vor Rache war Jusuf bereits vor drei Jahren aus dem Westjordanland in die USA geflohen. Die Aufdeckung seiner Spionagetätigkeit und die Veröffentlichung seiner Biografie lösten heftige Reaktionen aus. Während viele Israelis dem "grünen Prinzen" in Internetforen euphorisch für seinen Einsatz dankten, prophezeiten arabische Internetnutzer auf verschiedenen Plattformen dem ehemaligen Agenten ein kurzes Leben. Jusuf selbst reagierte auf die Anfeindungen mit versöhnlichen Worten: "Ich hätte ein Held werden und mein Volk stolz auf mich machen können. Stattdessen wurde ich in den Augen meines Volkes zum Verräter. Bitte versteht, dass ich nicht Euch verraten habe, sondern Euer Verständnis vom Heldentum."

Autorin: Stephanie Gebert

Redaktion: Diana Hodali

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