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Nahost

US-Angriff auf irakische Führung

Mit einem gezielten Luftangriff haben die Alliierten erneut versucht, die irakische Führungsspitze zu treffen. Derweil wurden bei anhaltenden Gefechten im Zentrum Bagdads auch mehrere Journalisten getötet.

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Straßenkampf in Bagdad

Zum zweiten Mal seit Beginn des Irak-Krieges vor fast drei Wochen hat die US-Luftwaffe versucht, mit einem so genannten "Enthauptungsschlag" die irakische Führung um Präsident Saddam Hussein auszuschalten. Fernsehbilder zeigten am Dienstag (7.4.2003) den Schauplatz des Bombenangriffs auf den mutmaßlichen Aufenthaltsort Saddams im dicht besiedelten Wohnviertel El Mansur von Bagdad vom Vortag.

Der US-Geheimdienst CIA hatte nach Berichten der "Washington Post" Informationen, dass sich dort irakische Führungsmitglieder, darunter möglicherweise auch Saddam und zwei seiner Söhne, treffen wollten. Der Angriff habe nur 45 Minuten später stattgefunden. "Ich weiß nicht, ob er (Saddam) überlebt hat", sagte Präsident Bush dazu. "Ich weiß nur, dass er dabei ist, die Macht zu verlieren."

"Glaubwürdige Informationen"

General Vincent Brooks vom US-Zentralkommando in Katar sagte am Dienstag, die USA hätten "glaubwürdige Informationen" über ein Treffen wichtiger Führer in dem Gebäude gehabt und es daraufhin zerstört. Bisher könne das Zentralkommando aber noch nicht sagen, wer bei dem Angriff getötet worden sei. Nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN sollen neun Menschen getötet und 13 verletzt worden sein.

Der Angriff fand nach US-Angaben am Montagnachmittag um 14 Uhr Ortszeit (12 Uhr MESZ) statt. Ein B-1-Langstreckenbomber habe vier 900 Kilogramm schwere, bunkerbrechende Präzisionsbomben abgeworfen. Die Schadensbewertung dauere noch an.

Gefechte im Regierungsviertel

Erstürmung einer Brücke in Bagdad

US-Marines überqueren eine Brücke in Bagdad

Die Kämpfe in Bagdad konzentrierten sich am Dienstag erneut auf das Regierungsviertel, wo US-Truppen am Vortag unter anderem den Hauptpalast des irakischen Machthabers besetzt hatten. US-Einheiten waren erstmals auch die Nacht über im Stadtzentrum geblieben. Zwei US-Panzer vom Typ Abrams bezogen auf einer der großen Tigris-Brücken
Stellung, wie dpa-Korrespondent Carsten Hoffmann aus Bagdad berichtete.

Die US-Verbände bauten nach eigenen Angaben ihre Positionen im Zentrum aus. US-Einheiten arbeiteten sich außerdem von Südosten in die Stadt vor. Zum ersten Mal setzten die Amerikaner auch Kampfhubschrauber über dem Stadtgelände ein. Außerdem flogen Kampfflugzeuge vom Typ A-10, so genannte Panzerknacker, Angriffe auf Stellungen der irakischen Verteidiger. Augenzeugen berichteten, irakische Soldaten seien geflüchtet. Das US-Oberkommando meldete den Absturz einer A-10 in der Nähe des Bagdader Flughafens. Der Pilot konnte gerettet werden.

Dagegen sagte der irakische Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf die nach Bagdad eingedrungenen US-Soldaten säßen nun in der Falle. "Wir haben sie in ihren Panzern gefangen", sagte er Reportern vor dem "Palestine"-Hotel, kurz nachdem das Hotel beschossen worden war. Die US-Soldaten würden von den Irakern "in sehr passender Art und Weise behandelt werden".

Einschlag in Journalistenhotel

Bei zwei schweren Zwischenfällen sind am Dienstag in Bagdad drei Medienvertreter getötet worden. Das zentrale Journalistenhotel "Palestine" wurde mutmaßlich von einer amerikanischen Panzergranate getroffen. Ein spanischer Kameramann kam dabei ums Leben, mehrere Mitarbeiter der britischen Nachrichtenagentur Reuters wurden verletzt. Am frühen Dienstagmorgen war ein Reporter des arabischen Fernsehsenders El Dschasira in Bagdad bei einem Angriff auf das Redaktionsgebäude am Tigris-Ufer getötet und ein weiterer Mitarbeiter verletzt worden. Damit wurden seit Kriegsbeginn nach Angaben von "Reporter ohne Grenzen" mindestens neun Journalisten getötet. (Hören Sie dazu auch den Radiobeitrag am Ende dieses Textes).

Rolle der Vereinten Nationen

Tony Blair und George Bush in Belfast

Tony Blair (l.), George Bush (r.)

US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair haben sich am Dienstag nach
ihrem Treffen in der Nähe von Belfast zuversichtlich gezeigt, dass die Herrschaft des irakischen Präsidenten Saddam Hussein bald zusammenbrechen werde. Die Macht von Saddam Hussein neige sich dem Ende zu, sagte Blair. Bush teilte diese Einschätzung mit den Worten, in den Irak "bricht ein neuer Tag an". Er schränkte jedoch zugleich ein, dass noch schwierige Kämpfe zu erwarten seien. Am Ergebnis gebe es aber keinen Zweifel. "Irak wird frei sein", sagte
Bush.

In einer gemeinsamen Erklärung bekräftigten Bush und Blair die Bedeutung der Vereinten Nationen bei der Neuordnung des Irak nach Beendigung des Krieges. "Die Vereinten Nationen haben beim Wiederaufbau des Irak eine entscheidende Rolle zu spielen." Die USA und Großbritannien wollten sich um die Annahme einer neuen UN-Resolution bemühen, die unter anderem "eine angemessene Nachkriegs-Verwaltung für den Irak bestätigen" solle. (mas/mik)

Hinweis: Angaben zu Truppenbewegungen, Opfern und Schäden basieren zumeist auf Informationen der Kriegsparteien und können in der Regel nicht unabhängig überprüft werden.