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Aktuell Afrika

US-Amerikaner sollen Libyen sofort verlassen

Die USA haben ihre Bürger eindringlich vor Reisen nach Libyen gewarnt. Die Sicherheitslage dort bleibe "unberechenbar und instabil", erklärte das Außenministerium. Es empfahl Amerikanern, umgehend auszureisen.

Es bestehe in Libyen die Gefahr, angegriffen, entführt oder getötet zu werden, erklärte das Außenministerium in Washington in seiner jüngsten Reisewarnung für das nordafrikanische Land. Aus Sicherheitsgründen habe das State Department das Botschaftspersonal in Tripolis reduziert und verfüge nur über begrenzte Mittel, um US-Bürgern in Libyen zu Hilfe zu kommen.

Nur Stunden zuvor hatte Washington angekündigt, dass ein Amphibienkriegsschiff mit 1000 Marineinfanteristen an Bord vor die libysche Küste entsandt werde - für den Fall, dass die US-Botschaft geräumt werden müsse. Die "USS Bataan" (im Artikelbild mit Landungsboot) sei auch mit mehreren Hubschraubern ausgestattet, hieß es.

"Vorsichtsmaßnahme" in Sizilien

Mitte Mai hatten die USA zum Schutz ihrer diplomatischen Einrichtungen in Libyen bereits eine Einheit von Marineinfanteristen nach Süditalien verlegt. Die Soldaten könnten von dort aus im Notfall schnell in dem nordafrikanischen Land eingreifen, hieß es zur Begründung. Mit der "Vorsichtsmaßnahme" reagierte das US-Militär auf die schlechter werdende Sicherheitslage in der Region. Zu den insgesamt 250 Marineinfanteristen auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Sigonella im Osten Siziliens gehören drei Tank- und sieben Spezialflugzeuge vom Typ Osprey, die mit ihren Rotoren wie Hubschrauber starten und landen können.

Erst am Dienstag hatten bewaffnete Milizionäre das Haus des umstrittenen libyschen Regierungschefs Ahmed Maitieg in Tripolis angegriffen. Wie die Nachrichtenagentur Al-Tadhamun berichtete, beschossen sie das Gebäude mit Raketenwerfern und anderen Waffen. Wachleute wehrten den Angriff ab und verletzten zwei der Angreifer. Obwohl am 25. Juni Parlamentswahlen anstehen, hatte Maitieg am Sonntag eine neue Regierung gebildet und damit offiziell sein Amt angetreten. Viele Libyer erkennen ihn jedoch nicht als rechtmäßigen Ministerpräsidenten an und werfen ihm Unregelmäßigkeiten bei seiner Wahl vor.

Anhaltender Machtkampf

Nach der Tötung des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi während des NATO-Luftkriegs gegen Libyen 2011 wächst in dem nordafrikanischen Land der Einfluss gewalttätiger islamistischer Gruppierungen. Am 11. September 2012 waren bei einem Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi der Botschafter Chris Stevens und drei weitere US-Bürger getötet worden.

Im April gab Regierungschef Abdullah al-Thinni seinen Rückzug bekannt, weil seine Familie von Milizionären bedroht wurde. Dessen Vorgänger Ali Seidan wurde im Oktober 2013 sogar entführt. In jüngster Zeit startete der ehemalige General Chalifa Haftar eine Offensive gegen islamistische Milizen. Die Übergangsregierung beschuldigte Haftar des "Staatsstreichs". Dem im Juli 2012 gewählten Übergangsparlament wird von großen Teilen der Bevölkerung die Legitimität abgesprochen. Es sollte im Februar durch ein neu gewähltes Parlament abgelöst werden, verlängerte aber sein Mandat bis zum Dezember.

kle/sc (afp, dpa, rtr)