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Wissen & Umwelt

Urzeittiere - Leben am Great Barrier Reef

Für Forschungsexpeditionen ist es immer wieder ein attraktives Ziel: Das Great Barrier Reef vor der Ostküste Australiens bietet nicht nur Tauchern Einblicke in eine spektakuläre Lebensgemeinschaft.

Nautilus (Foto: AP)

Lebendes Fossil - der Nautilus

30. November 2009: Von der australischen Küstenstadt Townsville aus startet ein Forschungsschiff in Richtung Great Barrier Reef. Der Name der Expedition: Deep Down Under. 15 Wissenschaftler aus Deutschland und Australien sind an Bord. Sie wollen im Meer vor der australischen Küste, an den Riffen des Queensland Plateaus und des Great Barrier Reef, nach besonderen Meeresbewohnern suchen - nach "lebenden Fossilien", wie sie sagen:

"Die Ökosysteme der Tiefsee am Queensland Plateau haben sich in den letzten Millionen Jahren fast nicht verändert“, erklärt Gert Wörheide. Der Geobiologe aus München leitet die Expedition. In dieser Meeresregion, sagt er, gebe es noch Tiere und Pflanzen, die andernorts schon seit dem Mesozoikum vor 65 Millionen Jahren ausgestorben sind.

Green Island im Great Barrier Reef bei Cairns (Foto: AP)

In der Nähe des Great Barrier Reef fanden die Forscher Tiere, die sich seit Jahrmillionen kaum verändert haben

Faszinierende Kopffüßer

Für die Forscher, deren Arbeitsplatz sich sonst vor allem im Labor befindet, ist so eine Expedition eine spannende Angelegenheit. Sie hätten sich gefühlt wie früher die großen Entdecker, schwärmt Wörheide. "Und wir waren sehr glücklich, als wir entdeckt haben, was wir erwarteten."

Erwartet und entdeckt haben sie zum Beispiel Nautilus, das Perlboot: ein exotisches Tier, handtellergroß, das aussieht wie eine Kreuzung zwischen Tintenfisch und Garnele - ein sogenannter Kopffüßer. Nautilus lebt in einem spiralförmigen Gehäuse wie die Schnecke in einem Schneckenhaus; er hat große Ähnlichkeit mit seinen Vorfahren, den Ammoniten. Wie die einst aussahen, weiß man von ihren versteinerten, oft metergroßen Überresten.

exotisches Meerestier, Weichtier (Foto: Marum)

Korallen, Schwämme, Weichtiere: eine Fundgrube für die Wissenschaft

Ein Roboter in der Tiefsee

Dank Deep Down Under haben die Forscher jetzt die Möglichkeit, lebende Nachfahren der Ammoniten zu studieren. Wörheide: "Dadurch können wir Rückschlüsse darauf ziehen, wie die Organismen damals ausgesehen haben und unter welchen Bedingungen sie im Meer gelebt haben." Mehr Verständnis für die Artenvielfalt auf der Erde: Das ist ein Nutzen, den sich die Forscher letztlich von ihrer Arbeit versprechen.

Einen Teil ihrer Entdeckungen machen sie im flachen Gewässer der Korallenriffe. Für tiefere Regionen kommt ein unbemanntes Tauchboot zum Einsatz: Cherokee, ein Tauchroboter vom Meeresforschungszentrum MARUM in Bremen. Ferngesteurt von Bord des Expeditionsschiffes aus und ausgestattet mit Kameras und Scheinwerfern, kann Cherokee auch in 1000 Meter Tiefe noch im wahrsten Sinne Licht ins Dunkel der Tiefsee bringen.

Gert Wörheide vor Bildschirmen (Foto: Marum)

Nach der Expedition steht den Forschern die meiste Arbeit noch bevor

Die große Arbeit steht noch bevor

21. Dezember 2009: Die Reise endet im Hafen von Cairns, 250 Kilometer nördlich vom Ausgangspunkt der Expedition. Mehr als 150 Exemplare exotischer Lebewesen haben die Wissenschaftler mitgebracht. Nach drei Wochen Aufenthalt auf hoher See wartet jetzt jahrelange Arbeit auf sie, zu Hause in ihren Labors.

Autor: Klaus Dartmann
Redaktion: Judith Hartl

Ein Video zu diesem Artikel sehen Sie in der aktuellen Ausgabe von Projekt Zukunft, dem Wissenschaftmagazin auf DW-TV

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