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Kultur

Urteil im Eissporthallen-Prozess

Wer war schuld am Einsturz der Eissporthalle Bad Reichenhall im Januar 2006? Der Urteilsspruch des Landgerichts Traunstein: Bewährungsstrafe für den Statiker, Freisprüche für Architekt und Gutachter.

Bild: AP

Das Dach der Eissporthalle in Bad Reichenhall war unter der Last schwerer Schneemassen zusammengestürzt

Knapp drei Jahre nach dem Einsturz der Eissporthalle von Bad Reichenhall ist ein Bauingenieur wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen worden. Das Landgericht Traunstein verurteilte den für die Statik des Gebäudes zuständigen Konstrukteur am Dienstag (17.11.2008) zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung.

Ein mitangeklagter Gutachter, der den Gebäudezustand drei Jahre vor dem Einsturz als unbedenklich eingestuft hatte, wurde dagegen freigesprochen. Auch ein am Bau beteiligter Architekt bekam einen Freispruch.

In der Urteilsbegründung führte das Gericht aus, der 68jährige Bauingenieur habe eine falsche statische Berechnung des Daches erstellt. Zudem habe er die Dachbalken höher als ursprünglich genehmigt errichten lassen und die beteiligten Baufirmen bei der Montage der Balkenteile nicht ausreichend kontrolliert.

Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung

Im Laufe des Prozesses war immer wieder von den Verteidigern, aber auch von Nebenklägern gefordert worden, auch Verantwortliche der Stadtverwaltung zur Rechenschaft zu ziehen. Gegen den einzigen angeklagten Beamten im Rathaus war das Verfahren aber aus gesundheitlichen Gründen zu Prozessbeginn abgetrennt worden. Es ist mittlerweile unwahrscheinlich, dass gegen den inzwischen 72 Jahre alte ehemaligen Leiter des Hochbauamtes noch einmal verhandelt werden kann.

Der Anwalt des verurteilten Statikers kündigte nach dem Urteilsspruch umgehend an, in Revision zu gehen. Die Staatsanwaltschaft wiederum hält die beiden Freisprüche für "unerfreulich" und prüft ihrerseits, Revision einzulegen.

Bild : AP

Rettungskräfte bei den Bergungsarbeiten in Bad Reichenhall

Bei dem Unglück am 2. Januar 2006 waren 15 Menschen ums Leben gekommen, darunter zwölf Kinder und Jugendliche. Weitere 34 Menschen waren verletzt worden, sechs von ihnen schwer. Das Dach der Eissporthalle, eine Holzkonstruktion, war nach tagelangen Schneefällen kurz vor Ende des öffentlichen Eislaufens eingestürzt.

Nach dem Unglück waren bundesweit Hallen mit ähnlicher Dachkonstruktion überprüft worden. Allerdings ergaben die Gutachten für die Eissporthalle Bad Reichenhall, dass nicht die Schneelast allein, sondern auch Mängel beim Bau und der späteren Wartung des Gebäudes ursächlich für den Einsturz waren. (MG)

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