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Politik

Ursache und Wirkung

Perejil gehört wieder den Ziegen. Denn nach der Einigung im Streit um die winzige Mittelmeer-Insel wird dort künftig weder die marokkanische noch die spanische Flagge wehen.

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Die Kriegsschiffe ziehen wieder ab

Nach einer vorläufigen spanisch-marokkanischen
Einigung ist auf der umstrittenen Felseninsel Perejil wieder Ruhe eingekehrt. Die spanischen Soldaten zogen ab, Marokko versicherte, keine Wiederbesetzung des Eilands zu planen. Zwar erheben beide Länder nach wie vor Anspruch auf die spanische Mittelmeerinsel, der Status quo der vergangenen Jahre ist nach Vermittlung der USA jedoch wieder hergestellt: Der Felsblock bleibt unbewohnt, weder Marokko noch Spanien sollen ihre Flagge dort hissen.

Bei dem Perejil-Streit zwischen Marokko und Spanien schien es um Prinzipien und sonst nichts zu gehen. Doch hinter den Kulissen gärt es seit langem.

Das politische Klima zwischen Spanien und Marokko ist schlecht, wie bereits die Abberufung des marokkanischen Botschafters aus Madrid vor rund acht Monaten zeigte. Die Gründe sind vielfältig:

1. Die Nichtverlängerung des Fischereiabkommens

Mit dieser Maßnahme im April 2001 wollte Marokko seine Fischbestände vor seinen über 1.500 Kilometer langen Küsten schützen. Darüber waren aber nicht nur die Zentralregierung in Madrid, sondern auch die Kommunalpolitiker in Südspanien verärgert: Diese Entscheidung hat mehrere Tausend spanische Fischer arbeitslos gemacht hat. Spaniens Ministerpräsident Jose Maria Aznar bezeichnete den marokkanischen Schritt als inakzeptabel.

2. Strittige Territorialfragen

Dabei geht es um die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla und eine Reihe von Zwerginseln vor der nördlichen Küste des Königreiches, darunter eben auch Perejil. Diese Zwerginsel ist nach marokkanischer Auffassung mit dem Ende des spanischen Protektorats und der Unabhängigkeit im Jahre 1956 an Marokko zurückgefallen, auch wenn dies nicht ausdrücklich erwähnt wurde. Spanien beharrt seinerseits auf einem spanisch-portugiesischen Abkommen von 1668, in dem Spanien die Felseninsel gemeinsam mit der zwanzig Kilometer entfernten Stadt Ceuta überlassen wurde.

Bereits Anfang Juli 2002 hatte das marokkanische Außenministerium den spanischen Botschafter in Rabat einbestellt und gegen Aktivitäten von fünf spanischen Militärschiffen vor der marokkanischen Stadt Al Hoceima protestiert. Die Schiffe befanden sich in der Nähe einer von Marokko beanspruchten Insel, die sich unter spanischer Herrschaft befindet - ein ähnlicher Fall wie Perejil.

3. Spaniens Parteinahme im Westsahara-Konflikt

Ein weiterer Streitpunkt zwischen beiden Ländern - der allerdings schon seit Jahrzehnten besteht - ist die Parteinahme Spaniens zugunsten der marokkanischen Polisario-Front im Westsahara-Konflikt. Der mittlerweile verstorbene marokkanische König Hassan II. bestand darauf, eine Lösung im Westsahara-Konflikt an die vollständige Entkolonialisierung seines Landes zu koppeln: Er äußerte sich immer wieder zuversichtlich, dass spätestens mit der Lösung des Gibraltar-Problems zwischen Spanien und Großbritannien der Weg für die Rückgabe der spanischen Exklaven Ceuta und Melilla freigemacht werden würde.

4. Die illegalen Einwanderer

Ein weiteres Thema, das jüngst immer wieder die marokkanisch-spanischen Beziehungen auf die Probe gestellt hat, ist die Frage der illegalen Einwanderer. Trotz verstärkter Kontrollen des Einwandererstroms von den marokkanischen Küsten aus nach Spanien sehen sich die marokkanischen Behörden Anschuldigungen ausgesetzt. Als im Sommer vergangenen Jahres rund 800 illegale Einwanderer aus Marokko kommend an der spanischen Küste strandeten, führte das zu beißender Kritik des spanischen Außenministers an den angeblich laschen Grenzkontrollen.