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Global Ideas

Urlaubsziel Klimaschutz

Massentourismus gefährdet Mensch und Umwelt. Doch in der Reisebranche findet ein Umdenken statt: Ziel des Öko-Tourismus ist es, die ökologische und kulturelle Vielfalt von Reisezielen zu sichern und das Klima zu schonen.

Palmenstrand auf Sri Lanka, Undatierte Aufnahme, Eingestellt 24.01.2013 +++ picture-alliance / Bildagentur Huber

Palmenstrand Sri Lanka

Um acht Uhr morgens sind sämtliche Liegen am Pool demonstrativ mit Handtüchern belegt. Um elf Uhr schlürfen die Ersten einen Eimer Sangria. In der Hotelhochburg wartet derweil das All-you-can-eat-Büffet, das Personal spricht deutsch. So ungefähr sieht ein Urlaub in der Nähe der Party-Meilen auf Mallorca aus, eine Woche für 287 Euro, Flug und Cocktails inklusive.

Lichtblick Öko-Tourismus

Ein derartiges Szenario ist eine günstige Fluchtmöglichkeit aus dem Alltag, aber auch eine enorme Gefährdung für die Umwelt: Massentourismus überlastet eine Region oft maßlos, die Natur nimmt Schaden. Auf Mallorca sind unter anderem Wasserknappheit und die Zubetonierung der Küstengebiete mit Hotelanlagen Folgen der vornehmlich deutschen und englischen Besuchermassen, die seit den 1950er-Jahren die einstmals ruhigen, weißen Sandstrände der Baleareninsel überfluten.

Menschenmassen am Strand (Foto: dpa)

Nicht gerade ein Geheimtipp: Sonnenhungrige Menschenmengen drängen sich an Mallorcas Stränden.

Es gibt eine Alternative zum Gedrängel an den Traumstränden der Welt: den sanften Tourismus. Unter diesen Sammelbegriff fallen viele Unterformen wie grüner, Öko- oder Naturtourismus. Konzepte, die verschiedene Namen, im Wesentlichen aber denselben Kern haben: Reisen soll umwelt- und sozialverträglich sein, das Reiseziel von den Touristen nicht zerstört oder auch nur verändert werden.

Gutes Gewissen inklusive

"Öko-Tourismus ist eine verantwortungsbewusste Form des Reisens, die zum Umweltschutz und dem Wohlergehen der lokalen Bevölkerung beiträgt", erklärt Ayako Ezaki von der International Ecotourism Society (TIES). "Die Reiseziele, Natur wie Menschen, sollen in kultureller, ökonomischer und ökologischer Hinsicht vom Tourismus profitieren." Dafür müssen Touristen zwar mehr Geld ausgeben als für den Pauschalurlaub, ersparen sich aber das schlechte Gewissen. Manch ein Urlauber fühlt sich inzwischen nicht mehr gut bei dem Gedanken, täglich unzählige Liter Wasser beim Duschen zu verbrauchen, während die Einheimischen nicht einmal über sauberes Trinkwasser verfügen.

Ein solches Umdenken ist angesichts des voranschreitenden Klimawandels dringend notwendig. In früheren Zeiten war Reisen mit horrenden Kosten verbunden, so dass nur wenige Menschen dazu in Lage waren, sich in der Welt umzuschauen. In den letzten Jahrzehnten ist Urlaub jedoch zur Selbstverständlichkeit avanciert, zumindest für Einwohner der industrialisierten Welt des Nordens. Rund 900 Millionen Reisende verzeichnet der globale Tourismus jährlich - mit gravierenden Folgen: Durch das Wachstum der Branche steigen die CO2-Emissionen rapide an.

Solarzellen auf Hoteldächern

Mann gleitet an einer Vorrichtung über Urwald (Foto: dpa)

Ein Tourist "zippt" sich durch den Regenwald von Laos

Doch auch die Branche des Öko-Tourismus wächst, seit 1990 laut TIES mit bis zu 34 Prozent pro Jahr. Jonathan Tourtellot vom National Geographic Center for Sustainable Destinations vermutet, dass diese Entwicklung auf das gesteigerte Bewusstsein für Umweltschutz und den Kampf gegen den Klimawandel zurückzuführen sei. "Zudem wird die Nachfrage nach authentischen Reisezielen immer größer", so Tourtellot.

Auch Ökotouristen reisen zumeist mit dem Flugzeug an und sorgen somit für zusätzlichen CO2-Ausstoß. Touristenzentren verbrauchen zudem enorm viel Strom. Poolfilter, Klimaanlagen, nächtliche Beleuchtung - all das wird häufig mit Energie aus fossilen Brennstoffen betrieben. Dennoch lassen sich beim nachhaltigen Tourismus Umweltschäden reduzieren, zum Beispiel durch das Betreiben von Hotelanlagen mit regenerativen Energien.

Andersartigkeit als Anreiz

Die thailändische Insel Kho Khao ist ein Modellprojekt für einen anderen Weg. Das Kho Khao Beach Ressort zum Beispiel deckt bereits einen Großteil seines Energiebedarfs mittels einer Kombination aus Solar- und Windkraftanlage ab. Ziel ist die Verminderung des CO2-Ausstoßes um 20 Prozent. Langfristig soll die ganze Insel ein Vorbild für nachhaltigen Tourismus werden.

Öko-Tourismus setzt im Gegensatz zu klassischen Urlaubssettings auf Authentizität. Die Touristen sollen sich nicht in der klinisch reinen Umgebung eines Hotels erholen, sondern der Andersartigkeit ihrer Umgebung näher kommen - und ihren natürlichen Schönheiten. Die nämlich sind das wohl größte Potential der Insel. Meeresschildkröten, Delphine und seltene Vögel leben hier. Um sie zu schützen, ist eine vorsichtige und umweltgerechte Entwicklung des Tourismus extrem wichtig.

Grüner Tourismus als Entwicklungsmodell

Ein Man und ein Kind vor einem Baumhaus (Foto: AP)

Nah an Mensch und Natur: Öko-Tourismus in der Dominikanischen Republik

Beim Öko-Tourismus geht es nicht allein um Klimaschutz - das Konzept wird auch in entwicklungspolitische Debatten eingegliedert. Ekazi vom TIES erläutert, dass Öko-Tourismus lokale Gruppen dazu befähigen solle, gegen Armut zu kämpfen und sich nachhaltig zu entwickeln. Darüber hinaus sollen im Idealfall auch die Touristen etwas von der Kultur des Landes lernen, das sie bereisen, und sich mit den Einheimischen austauschen.

"Öko-Tourismus ist keine Einbahnstraße", sagt Ezaki. "Obwohl er momentan in vielen Ländern des Südens als Entwicklungsmodell eingesetzt wird, bedeutet das nicht, dass es ihn in wirtschaftlich reichen Ländern nicht gibt."

Das National Geographic Center for Sustainable Destinations arbeitet beispielsweise mit einer Initiative im Douro-Tal in Portugal zusammen, die versucht, sanften Tourismus in der Region zu fördern. Und auch für Mallorca gibt es Hoffnung: Zahlreiche Projekte wollen die Schönheit der Natur abseits des Massentourismus zeigen und erhalten. Die spanische Regierung hat dazu in einigen Regionen bereits einen Baustopp für Hotelanlagen verhängt.