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Kultur

Urlaubsreisen in den Irak

So groß die kulturellen und landschaftlichen Vorzüge auch sein mögen - davon, ein Urlaubsziel zu sein, scheint der kriegsgebeutelte Irak noch weit entfernt. Ein Franzose tritt jetzt den Gegenbeweis an.

Landschaftsaufnahme im Nordirak (Quelle: dpa)

Landschaftlich hat der Nordirak einiges zu bieten

Weihnachten einmal anders: Nicht unter der Tanne im heimischen Wohnzimmer, sondern im Urlaub - im Irak. 20 Personen haben die ungewöhnliche und nicht ganz ungefährliche Reise gebucht. Es klingt abenteuerlich. Irak. Kann man dort wirklich Urlaub verbringen? Ja, meint Hubert Debbasch: "Bereits vor dem Einmarsch der Amerikaner in den Irak 2003 wollten wir Touristen eine Gelegenheit bieten, den kulturellen Reichtum dieses Landes kennen zu lernen." Wegen des Krieges musste er seine Pläne verschieben, aber er habe seitdem immer auf den richtigen Zeitpunkt gewartet, sagt er.

Wachposten an der assyrischen Hauptstadt Nimrud, Quelle: dpa

Archäologische Stätten müssen im Irak bewacht werden

Hubert Debbasch ist Geschäftsführer der französischen Reiseagentur "Terre Entière“ (Ganze Erde). Das Reiseunternehmen hat sich auf kulturelle und spirituelle Reisen spezialisiert. Der kriegsgeschundene Irak mit seiner Vielzahl an kulturellen und religiösen Stätten ist dabei nur eines von vielen Reisezielen, aber das mit Abstand gefährlichste.

Der Nordirak ist vergleichsweise sicher

Auch wenn sich Sicherheitslage im verbessert hat, kommt es immer wieder zu Anschlägen mit zahlreichen Toten. Europäische Regierungen einschließlich der Regierung in Paris raten daher nach wie vor von allen nicht zwingend notwendigen Reisen in den Irak ab, in den Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts heißt es: "Deutschen Staatsangehörigen wird geraten, das Land zu verlassen", denn: "Bei Anschlägen und Feuergefechten, insbesondere in Bagdad und in den Gebieten nördlich von Bagdad bis nach Mossul und Kirkuk, kommen monatlich immer noch mehrere hundert Menschen ums Leben."

Etwas lockerer formuliert sind hingegen die Hinweise für den Nordirak, da heißt es: "In der Föderalen Region Irakisch Kurdistan mit der Verwaltungshauptstadt Arbil und den beiden großen Städten Sulaymaniya und Dohuk ist die Sicherheitslage demgegenüber vergleichsweise ruhig." Genau dorthin lädt nun das Reiseunternehmen französische Touristen ein. Beworben wird der Trip als christliche Pilgerreise zur Weihnachtszeit.

Anschlag in Kirkuk, nördlich von Bagdad (Quelle: AP)

Anschläge sind im Irak an der Tagesordnung

Hubert Debbasch reiste selbst ins nordirakische Kurdengebiet, um die Reise vorzubereiten, und kehrte mit positiven Eindrücken zurück. Überall habe er Lebensfreude gesehen, sagt er, insbesondere bei jüngeren Menschen. Allerdings gebe es nach wie vor menschliches Leid. Und auch andere Probleme: "Die Infrastruktur reicht leider nicht aus, um Touristen zu empfangen. Deshalb habe ich mich mit Firmen und mit Freunden in Verbindung gesetzt und mit dem Chaldaïschen Patriarchat von Babylon. Das sind Christen, die die Sicherheitslage und die Region sehr genau kennen", so Debbasch. Und diese hätten ihm im Sommer auch bestätigt, das er nun seine Reisen in den Irak anbieten könne.

Tourismus so gut wie nicht vorhanden

Seit mehreren Jahren hat kaum ein westlicher Tourist seinen Fuß in die Region gesetzt. Hotels gibt es kaum und wenn, dann gelten sie oft als unsicher. So hat Hubert Debbasch mit dem Patriarchat von Babylon vereinbart, dass die Reiseteilnehmer im Priesterseminar in der nordirakischen Stadt Erbil übernachten werden. Der Nordirak zählt die größte christliche Gemeinde im Irak, darunter christliche Araber und Kurden, die aus anderen Teilen des Landes in die autonomen Kurdengebiete geflüchtet sind, weil sie sich dort sicherer fühlen.

Minenfeld im Irak (Quelle: picture - allicane / DPA)

In Teilen des Iraks geht immer noch Gefahr von Minen aus

"Terre entière" bewirbt den Irak-Trip als christliche Kultur- und Pilgerreise, die den 20 Teilnehmern im Rahmen ihres achttägigen Aufenthalts zahlreiche Besuche in christliche Stätten verspricht. Den genauen Reiseablauf will Reiseveranstalter Debbasch jedoch nicht preisgeben - aus Sicherheitsgründen. Fest eingeplant ist jedoch der Höhepunkt: eine gemeinsame Weihnachtsmesse mit christlichen Irakern auf Aramäisch, der Sprache von Jesus.

Urlaub als Friedensmission

Der Preis für die abenteuerliche Pilgerreise: über 2100 Euro. Klar, sei das viel, sagt Hubert Debbasch, Grund sei jedoch vor allem der hohe Flugpreis. Der 57-Jährige Irak-Tourist Hervé zahlt dieses Geld freilich gerne und hofft, damit auch Gutes zu tun: "Nicht nur das Militär kann Frieden in die Region bringen. Auch wir Zivilisten können einen Beitrag leisten", sagt er. "Wenn wir dort die Menschen besuchen, dann helfen wir denen auch, wieder ein normales Leben zu führen". Ein Urlaub in Tunesien sei zwar weniger gefährlich, aber er ist sich sicher: "Auch das irakische Kurdistan ist trotz des Krieges relativ ruhig."

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