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Alltagsdeutsch – Podcast

Urlaub

"Erlaubnis, sich zu entfernen" – das ist die ursprüngliche Bedeutung des Wortes "Urlaub", das in seinen Vorformen seit dem 8. Jahrhundert bekannt ist. Gerade in ökonomischen Zusammenhängen trifft das auch heute noch zu.

Sprecherin:
"Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen." Schon der Volksdichter Matthias Claudius wusste 1786 um das Ergebnis einer spannenden Reise: Neues erfahren zu haben und vielen Menschen von diesen Erlebnissen zu berichten. Die meisten Deutschen wollen auf ihren Urlaub nicht verzichten. Deshalb ist die Nachfrage nach günstigen Angeboten besonders groß, meint Monika Schmitz, Reiseverkehrskauffrau im Reisebüro von Thomas Cook auf dem Köln-Bonner Flughafen."

Monika Schmitz:
"Im Moment fliegen alle auf günstige Angebote. Da ist es im Grunde dann schon egal, wo. Aber Griechenland wird im Moment sehr gut gebucht, Kroatien ist auch sehr günstig immer noch, so einigermaßen wenigstens, die Kanaren, Mallorca immer sowieso und auch die Türkei. Also, die Türkei läuft doch sehr gut."

Sprecher:
Das nur umgangssprachlich gebrauchte Bewegungsverb auf etwas fliegen meint, von einer Sache oder einer Person begeistert zu sein, von ihr stark angezogen zu werden. Der moderne Sprachgebrauch hat diesen Ausdruck nahezu vollständig verdrängt und durch das statische Verb auf etwas stehen ersetzt. Man steht heute auf kurze Röcke oder auf lange Beine, wobei der Gebrauch des Akkusativs so manchem Sprecher wehtut.

Sprecherin:
Jahrelang galt Mallorca als das beliebteste Reiseziel der Deutschen. Die Flüge dorthin sind günstig, das Wetter ist selten schlecht, und von Deutschland aus ist man innerhalb von zwei Stunden bereits am Urlaubsziel. Doch seit einiger Zeit bleiben viele Hotel-Betten auf der balearischen Insel frei.

Monika Schmitz:
"Mallorca kennen so viele. Ist ein alter Hut, ja. Und das Wetter ist ja jetzt auch woanders schön. Zum Beispiel auf den Kanaren. Viele möchten dahin, weil es da ja nie so richtig heiß wird. Der Atlantik ist im Sommer zwar etwas kühler, aber der sorgt dann wenigstens für Abkühlung. Das Mittelmeer ist ja auch im Sommer viel wärmer geworden, und was ist dann noch Abkühlung, wenn das Wasser 25 Grad warm ist?"

Sprecher:
Kulturgeschichtlich bedeutsam waren – und sind es teilweise noch heute – Kopfbedeckungen und die Funktionen, die man ihnen beimisst. Im öffentlichen wie privaten Leben ist der Hut ein Zeichen von Herrschaft und sozialem Prestige. Eine Fülle von Redensarten hat sich um ihn entwickelt. Oft steht dabei der Hut bildlich für den Kopf, etwa, wenn man jemandem was auf den Hut oder Deckel gibt, er also eins auf den Hut kriegt, das heißt getadelt wird. Ein alter Hut ist etwas Altbekanntes, das als Neuigkeit vorgebracht wird.

Sprecherin:
Etliche Touristen verbinden mit Mallorca aber auch nur den berühmten Ballermann sechs, also eine Reihe von Kneipen, in denen viel spanischer Wein aus Eimern getrunken und dazu Sauerkraut mit Wurst konsumiert wird. Hier tanzen deutsche Touristen ausgelassen auf den Tischen. Eine Art der Erholung, die nicht jedem Reisenden zusagt. Peter Ossendorf hat vor einigen Jahren seinen Urlaub auf Mallorca verbracht und wird es wohl kein zweites Mal tun.

Peter Ossendorf:
"Vor zwei Jahren bin ich nach Mallorca geflogen und wollte da vor allen Dingen Land und Leute auch ein bisschen kennenlernen. Das ist 'ne sehr schöne Insel, die ist bei den Deutschen ja sehr beliebt, aber die meisten Deutschen, die lassen wirklich die Sau raus, also kriegen eigentlich von Land und Leuten gar nichts mit und von der Landschaft, sondern kippen sich einen hinter die Binde und hängen da voll ab und haben überhaupt nichts von den Schönheiten der Insel. Und das fand ich also ganz schrecklich, denn das hinterlässt doch auch ein schlechtes Bild von Deutschen im Ausland, und das prägt eigentlich auch das Bild des Deutschlandsurlaubers grad in Spanien, glaube ich."

Sprecher:
Schon in der Antike und auch Mittelalter hat man sich der Sau als dem Haustier, das in der Rangstufe am untersten steht, bedient, um schlechte Handlungsweisen der Menschen zu illustrieren. Martin Luther verband drastische Redewendungen mit dem Wort "Sau", und selbst Goethe bediente sich der Sau als Bild für unkultiviertes Wohlbefinden betrunkener Studenten in Auerbachs Keller: "Uns ist ganz kannibalisch wohl als wie fünfhundert Säuen." Auch im heutigen Sprachgebrauch ist der Ausdruck "Sau" wegen seiner Derbheit noch sehr beliebt. Jemand benimmt sich wie eine Sau, das heißt, er verhält sich ohne alle Umgangsformen oder hinterlässt viel Schmutz; er fährt wie eine Sau, also viel zu schnell und rücksichtslos; er macht den anderen zur Sau, weist ihn scharf und grob zurecht; oder er lässt die Sau raus, er wird unanständig, führt unflätige Reden. Sich einen hinter die Binde gießen bedeutet, Alkohol, insbesondere Schnaps, trinken. Es meint im Allgemeinen, ohne Rücksicht auf die Mengen trinken. Hat sich jemand zu viel hinter die Binde gegossen, ist er betrunken. Diese Redensart, die erst um 1850 aufgekommen ist, geht davon aus, dass Männer eine Halsbinde tragen. Ersetzt man das Verb hinter die Binde gießen durch das Verb "kippen", ist ein schnelles Trinken gemeint. Den Zustand des Betrunkenseins verbildlicht auch die Redewendung einen hängen haben. Dieser Ausdruck ist eine Verkürzung der Vollform: "einen Zopf hängen haben" und bezieht sich auf die männliche Haartracht des Zopfes im 18. Jahrhundert. Nach einem Zechgelage war es nicht mehr möglich, den falschen Zopf in akkurater Position zu halten. Voll abhängen ist dagegen eine Redensart aus neuester Zeit, die den Zustand des absoluten Nichtstuns widerspiegelt.

Sprecherin:
Nicht alle Urlauber wollen in ihren Ferien nur laute Musik und ausgelassene Stimmung um sich haben. Peter Reuschenbach fährt zwar auch häufig nach Mallorca, allerdings hat er dort ein eigenes kleines Haus mit Garten, in dem er Ruhe und das mediterrane Wetter genießt.

Peter Reuschenbach:
"Ich bin an sich immer gut beschäftigt. Wir haben da ein kleines Anwesen. Und Sie sehen es an meinen Händen, die sehen fürchterlich aus, so zerschunden, nicht? Ja, so Haus und Hof muss auch gepflegt werden, nicht? Das ist ein guter Ausgleich. Ja, da kann man seine Seele bei baumeln lassen, seinen Gedanken freien Lauf lassen."

Sprecher:
Eine große Anzahl von Redewendungen rankt sich um den Begriff "Seele". Ganz offensichtlich sah man früher im Herzen den Sitz der Seele. Ja, man setzte beide Begriffe gleich, galten beide doch als Sitz des Fühlens und Denkens. Dies erklärt die Auswechselbarkeit der beiden Begriffe, zum Beispiel etwas auf dem Herzen, auf der Seele haben oder sich etwas vom Herzen, von der Seele reden. Die Redensart die Seele baumeln lassen ist dagegen neuen Datums und meint sich durch pures Nichtstun zu erholen. Dann kann man den Gedanken freien Lauf lassen.

Sprecherin:
Anstatt in die weite Ferne zu fahren, zieht es Manfred Schlinge für ein paar Tage nach Königswinter an den Rhein.

Manfred Schlinge:
"Hier kann man 'ne Menge sehen, hier fahren Schiffe an, Schiffe ab, Menschen drauf und so weiter, Frachtschiffe fahren auf und ab, so, da denkt man, wo fahren die jetzt hin, was haben die da drin. Dann betrachte ich die Menschen, die hier auf und ab gehen und auf der Kolonnade sich bewegen. Hier kommt so 'n Wanderbursche mit Wanderstiefeln, Wanderstock hat der auch bei, so 'n Aktiver, der hier herumwandert, phantastisch, ja, herrlich. In Bad Oeynhausen leben wir auf dem Lande, quasi, nix zu hören, nix zu sehen, siehste kaum mal 'nen Nachbarn. In Berlin – quirliges Leben vor der Haustür, große Straßen mit viel Verkehr, viel los, tausend Kunstausstellungen, tausend Theater, also, man muss das auspendeln so ein bisschen, nicht, aber eigentlich gefällt's mir überall."

Sprecher:
Die Tür als Zugang zum Wohn- und damit zum privaten Bereich kann einem geöffnet oder auch verschlossen werden. Beide Aktionen sind Grundlage für bildliche Wendungen. So können für jemanden alle Türen offen stehen, dann ist er überall gern gesehen. Es sei denn, er fällt mit der Tür ins Haus wie einer, der, anstatt erst an die Tür zu klopfen und dann erst einzutreten, unvermittelt hineingeht. Ungeschickter noch verhält er sich, wenn er jemandem die Türen einrennt, ihn mit seinem Anliegen allzu sehr bedrängt. Was vor der Haustür geschieht, spielt sich in unmittelbarer Nähe ab. Häufig wird diese Redewendung zum Vergleich herangezogen, so beispielsweise, wenn man darauf hinweist, dass Verarmung nicht nur irgendwo anders, sondern auch in Deutschland vorkommt. Das Adjektiv "los" oder "lose" bedeutet im eigentlichen Sinne: etwas ist nicht fest, sondern locker. Viele Wendungen bedienen sich dieser Bedeutung, wobei diese sowohl positiv als auch negativ gewertet wird. Die Frage: Was ist los? meint, was ist geschehen, ist irgendwo etwas los? Ist dagegen nichts los, herrscht Langeweile. Wer viele gleich gute Möglichkeiten vor sich sieht, muss auspendeln, für welche er sich entscheiden soll. Die wenig geläufige Redewendung hat ihren Ursprung wohl in dem Pendel der Wahrsagerin, das sie über Karten oder schicksalsträchtigen Zeichen schwingen lässt, bis es von selbst zur Ruhe kommt. Geläufig dagegen sind die Wörter "pendeln" und "Pendler". In der heutigen Zeit müssen viele Menschen zwischen ihrem Wohnsitz und ihrer Arbeitsstelle hin- und herfahren, pendeln.

Manfred Schlinge:
"Wir sind immer ganz gut drauf und meine Frau genauso. Die ist ja noch wesentlich jünger als ich. Sie ist ein Energiebündel. Sie hat sehr schwere Krankheiten überstanden, ist sehr lebensfroh und ein Jungbrunnen. Alles, was der Mensch mit seinen Aktivitäten macht, selber, und Freude dran hat, denk' ich, ist gut für ihn. Dass er also etwas macht. Ich denke, der Mensch ist ein tätiger Mensch, also keiner, der dasitzt."

Sprecher:
Wird ein Mensch mit einem Energiebündel verglichen, so sieht man in ihm jemanden, der mit voller Tat- und Willenskraft seine Aufgaben angeht. Verliert man seine Energie, kann ein Jungbrunnen vielleicht helfen, also etwas, das wieder neue Kraft und neuen Schwung verleiht. Mythologisch wird der Jungbrunnen von einer Wasserquelle gespeist, die ewige Jugend verspricht. Ein Bad in ihm, so die alte Vorstellung, schenkt neue Kraft und macht selbst Alte und Gebrechliche wieder jung.

Sprecherin:
An einem sonnigen Tag im Juni sitzen Wilma und Heinz Möller aus dem Sauerland auf einer Parkbank in Königswinter und schauen auf den Rhein. Wilma Möller ist mit einem Kreuzworträtsel beschäftigt, und Heinz Möller blättert in einem bunten Magazin. Sie sind beide über 80 Jahre alt und fahren schon seit mehr als 40 Jahren jeden Sommer nach Königswinter.

Wilma Möller:
"Der Rhein ist genauso nass und feucht geblieben wie vor 40 Jahren, will ich mal sagen. Nur, ich muss ihn ab und zu mal wieder sehen, dann muss ich mal wieder hier an den Rhein."

Heinz Möller:
"Wir sind jeden Tag auf Achse, von wegen faule Haut. Auch zu Hause nicht. Wir haben Eigentum, das Haus und der Garten."

Sprecher:
Auf Achse sein
bedeutet, unterwegs zu sein, zugleich auch, immer beschäftigt, immer in Aktion zu sein. Auf Achse ist eigentlich eine saloppe Umschreibung für die Fahrt in der Eisenbahn oder im Auto. Auf der faulen Haut liegen sagt man umgangssprachlich für müßiggehen oder faulenzen. Die Haut als Körperhülle des Menschen dient von alters her als Vorlage für zahlreiche Charakterzüge und Verhaltensweisen. Geht jemandem etwas unter die Haut, so berührt es ihn stark. Hat er eine dünne Haut, ist er sensibel, auch leicht aus der Fassung zu bringen; hat er hingegen eine dicke Haut, kann ihn nichts aufregen. Findet er sich in einer Situation unbehaglich, fühlt er sich nicht wohl in seiner Haut. Ist er aber mit heiler Haut davongekommen, hat er die heikle Situation gut überstanden. Ist jemand wütend und verzweifelt, könnte er aus der Haut fahren und würde am liebsten in eine andere Haut schlüpfen, das heißt an der Stelle eines anderen sein.

Sprecherin:
Die Zeiten, in denen die meisten Menschen von Deutschland aus vielleicht gerade mal nach Holland fuhren, um dort Urlaub zu machen, sind lange vorbei. Es soll sogar einige Leute geben, denen kein Reiseziel mehr einfällt, weil sie schon so viele Länder gesehen haben. So wird der Trend zum Außergewöhnlichen beim Urlaubs- und Reiseangebot weiter zunehmen. Inzwischen gibt es schon Reiseveranstalter, die zum Regenwürmeressen nach Lappland einladen oder auch ein Rockkonzert in der Antarktis stattfinden lassen. Eine Kurzerholung am Baggersee wird man allerdings wohl auch in Zukunft noch genießen.


Fragen zum Text:

Benimmt sich jemand sehr übermütig und unanständig, so lässt er …
1. den Gedanken freien Lauf.
2. die Sau raus.
3. die Seele baumeln.

Welche Wendung drückt nicht aus, dass jemand betrunken ist?
1. sich zu viel hinter die Binde gekippt haben
2. voll abhängen
3. einen hängen haben

Jemand, der unterwegs oder viel beschäftigt ist, …
1. fährt aus der Haut.
2. ist auf Achse.
3. rennt offene Türen ein.


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