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Tourismus

Urlaub in Zeiten von Trump und Erdogan

Die Deutschen gehen gerne auf Reisen. Zum Start der Internationalen Tourismus-Börse gehen die Buchungszahlen weiter hoch. Spanien und Griechenland profitieren, in die Türkei zieht es hingegen immer weniger Urlauber.

Sicherheit und Reisefreiheit, das sind in diesem Jahr die großen Schlagworte auf der Reisemesse ITB in Berlin. Reisen, das ist ein Stück Freiheit. Der drohende "Brexit", das britische Votum für einen EU-Austritt des Landes und der "Travelban", das Einreiseverbot der USA für Menschen aus sechs vorwiegend muslimischen Ländern bedrohen diese Freiheit genauso wie die Diskussion über die Visafreiheit zwischen der EU, den USA und Kanada. "Wenn wir Deutsche wieder ein Visum für die USA bräuchten, wäre das ein Alptraum", sagt Michael Frenzel, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft. "Wir sind in der Branche alle elementar darauf angewiesen, dass unsere Kunden ohne Restriktionen, ohne Einschränkungen auf bestimmte Länder, auf Religionen, auf Herkunft, auf Rasse, reisen und einreisen dürfen."

Das Geschäft mit dem Urlaub ist ein sensibles. Schließlich geht es um die sprichwörtlich schönsten Wochen im Jahr, kostbare Ferientage, die der Urlauber unbelastet, ungetrübt und fröhlich verbringen will. Nach diesen Kriterien werden die Urlaubsziele ausgesucht. Und wer das nicht bieten kann, dessen Stern sinkt schnell. Nichts fürchtet die Reisebranche daher mehr als Unsicherheit und politische Krisen. Ägypten und Tunesien haben das in den letzten Jahren schmerzlich spüren müssen, aber auch die Türkei.

Gäste bleiben aus

2015 machten noch 5,6 Millionen Deutsche Urlaub in dem sonnenverwöhnten Land am Bosporus. Abgesehen vom Klima lockte die Türkei mit einem attraktiven Preis-Leistungsverhältnis. Vor allem bei Familien war die Türkei besonders beliebt. Der politische Umschwung im Land ließ die Buchungszahlen im vergangenen Jahr um bis zu 40 Prozent einbrechen. Von dieser Marke ging es in den ersten Monaten dieses Jahres nun noch einmal um 58 Prozent bergab. Nach dem Militärputsch und den Verhaftungen Zehntausender Menschen in der Türkei fällt es immer mehr Deutschen sichtlich schwer, sich einen entspannten Urlaub an der türkischen Riviera vorzustellen.

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Erdogan schadet Wirtschaft der Türkei

Dazu kommt nun noch der aktuelle Streit zwischen der Türkei und Deutschland. "Wir sehen das sehr ungern, dass es jetzt diese sehr deutlich ausgetragenen politischen Spannungen gibt", sagt Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes. "Je stärker das in den Medien behandelt wird, umso stärker prägt sich das in die Köpfe der Kunden ein." Das sei nicht geeignet, den Buchungstrend umzukehren. Allerdings habe er die Hoffnung, so Fiebig weiter, dass die türkischen Anbieter es auch 2017 schaffen würden, mit attraktiven Angeboten zumindest kurzfristig entschlossene Urlauber anzuziehen. 

Geschäft und Moral

Alles eine Frage des Preises? "Wir haben ein ganz hohes Interesse, dass die Türkei wieder zur alten Stärke zurückfindet. Und wir haben ein ganz hohes Interesse daran, dass die politische Großwetterlage das auch hergibt und hier nicht weiter für schwierige Verhältnisse gesorgt wird", führt Fiebig weiter aus, ohne zu präzisieren, wer denn nicht weiter für schwierige Verhältnisse sorgen soll. Zumindest dem türkischen Tourismusminister wird das sicherlich gefallen. Er wird am Donnerstag in Berlin auf der ITB erwartet. 

Mit rund 10.000 Ausstellern aus 184 Ländern, davon 82 Prozent aus dem Ausland, ist die Messe auch in diesem Jahr komplett ausgebucht. Die ersten Wochen und Monate des Jahres sind für die Reisebranche die entscheidende Zeit des Jahres. Jetzt werden Urlaubspläne geschmiedet und der Sommerurlaub, also der größte Urlaub des Jahres gebucht. "Die Deutschen sind und bleiben Reiseweltmeister", so Michael Frenzel. 60 Milliarden Euro gaben die Bundesbürger 2016 für Urlaubs- und Privatreisen aus, das waren zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Babies und Greise eingerechnet, war jeder Deutsche 20 Tage unterwegs. Zahlen, die sich in diesem Jahr weiter steigern dürften.

Griechenland gefragt

Am liebsten machen die Deutschen Urlaub im eigenen Land, vorzugsweise an den Küsten und in den Bergen. Bei den ausländischen Reisezielen liegt Spanien auf Platz eins. Überraschend deutliche Zuwächse erlebt derzeit Griechenland. Um 70 Prozent ist die Nachfrage im Vergleich zum letzten Jahr gewachsen. Damit wird Griechenland nach jetzigem Buchungsstand 2017 zum zweitstärksten ausländischen Urlaubsziel im deutschen Markt aufsteigen. Um jeweils ein Drittel wuchsen die Buchungszahlen für Bulgarien und Kroatien. Auch Zypern und Marokko profitieren.

Deutschland Internationale Tourismus-Börse ITB in Berlin (picture-alliance/dpa/R. Jensen)

BTW-Präsident Frenzel (2.v.l.), DRV-Präsident Fiebig (2.v.r.) und der Tourismusminister von Botswana, Khama (re.) auf der ITB

Positiv schildert Fiebig die Entwicklung für Ägypten, das neben Tunesien im vergangenen Jahr noch empfindliche Einbußen verkraften musste. Die Buchungszahlen nach Ägypten seien in diesem Jahr bislang um 90 Prozent gewachsen, auch wenn damit die alten Bestmarken aus der Zeit vor den Terroranschlägen noch nicht erreicht seien.

Partnerland Botswana

Auf ein wachsendes Stück vom großen Urlaubskuchen hofft auch Botswana, das in diesem Jahr Partnerland der ITB ist. 228.000 Arbeitsplätze hängen in dem südafrikanischen Land vom Tourismus ab, das entspricht zehn Prozent der Bevölkerung. Botswana lockt mit großartiger Natur und wilden Tieren. Ein Drittel der afrikanischen Elefanten lebt in dem Land und steht unter strengem Schutz. "Bewaffnete Wilderer behandeln wir so, wie sie die Tiere behandeln, die sie vor ihre Flinten bekommen", schildert der botswanische Tourismusminister Tshekedi Khama freimütig. Dabei kämen auch Wilderer zu Tode, und dafür werde sein Land oft kritisiert. "Aber wer schützt die Tiere, wenn wir es nicht tun?"

Auch Nashörner werden besonders geschützt. Derzeit werden 220 der gepanzerten Riesen aus umliegenden Ländern nach Botswana umgesiedelt, weil sie dort bessere Überlebenschancen haben. Man werde weiterhin strikt gegen Wilderei und den Handel mit Elfenbein vorgehen, so Khama, der hofft, dass sich die Bemühungen weiterhin positiv auf den Tourismus in Botswana auswirken werden. "Wir haben keinen Erfolg, wenn wir nur nett sind." Allerdings brauche sein Land unbedingt finanzielle Unterstützung, um den Kurs weiter verfolgen zu können. Allein für die Schutzmaßnahmen gegen Wilderer seien pro Jahr fünf bis sieben Millionen Euro nötig.

 

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