1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Alltagsdeutsch – Podcast

Urlaub daheim

In den Schulferien heißt es meist: Koffer packen und verreisen. Viele Deutsche entschließen sich jedoch – aus verschiedenen Gründen – zuhause zu bleiben. Für Daheimgebliebene gibt es viele Freizeitangebote.

Sprecher:

Sommerzeit ist Reisezeit. Viele fahren oder fliegen in ferne Länder. Andere mieten ein Haus auf dem Lande, doch nicht alle können sich eine Urlaubsreise leisten. Und manche verbringen ihre Ferien aus Prinzip in der heimischen Umgebung. Und was machen sie, die Zuhausegebliebenen? Unsere Reporterin hat sich erkundigt: bei Fachleuten, die Freizeitmöglichkeiten für andere organisieren und bei den Heimurlaubern selbst.

Sprecherin:

Wenn die großen Ferien beginnen, bricht bei vielen große Unternehmensfreude aus. Bei anderen macht sich eher Langeweile breit. Vor allem Kinder in großen Städten brauchen im Sommer eine sinnvolle Beschäftigung, wenn der Kindertreff Schule wegfällt. Die Kinder- und Jugendämter der Städte wissen das und entwerfen daher in den letzten Jahren ein Programm nach dem Motto "Für jeden etwas". Das Kölner Amt für Kinderinteressen zum Beispiel gibt jedes Jahr eine kostenlose Ferienzeitung heraus, die alles zusammenfasst, was Kinder im Sommer in der Stadt machen können. Die Ferienzeitung bietet verschiedene Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche an – egal, ob Malkurs im Zoo oder Plastiken basteln im Museum: Immer geht es darum, die Fantasie der Kinder mit einzubeziehen und deutlich zu machen, dass man nicht immer viel Geld braucht, um tolle Ferien zu verbringen. Besondere Sommerspielplätze gibt 's auch und die haben natürlich mehr zu bieten, als einen Sandkasten und ein paar Schaukeln. Was wären die großen Ferien, was wäre der Sommerurlaub ohne das Freibad. Wenn die Sonne mitspielt, ist das Freibad einer der beliebtesten Aufenthaltsorte derjenigen, die zu Hause bleiben. Allerdings ist es nicht immer das kühle Nass, weshalb die Menschen hierher kommen wie mir der Bademeister eines Freibades in der Kölner Umgebung verrät.

O-Ton:

"Einzig und allein wegen der Sonne, ne. Die Kölner, die einfach keine Gärten haben und sich dahinlegen können und die kommen eben in die Freibäder, um sich dahinzulegen. Weil, wenn man morgens die Leute kommen sieht, so noch relativ weiß und abends gehen sie die knatschrot nach Hause, ne. Aber damit müssen die Leute selber fertig werden."

Sprecher:

Die sonnenhungrigen Städter kommen oft nicht ins Freibad, um sich im Schwimmbad zu erfrischen, sondern um sich auf der Liegewiese die Urlaubsbräune zuzulegen. Damit übertreiben es natürlich manche und die gehen dann nach einem sonnenreichen Tag knatschrot nach Hause. Der lautmalerische, sehr umgangssprachliche Anhang knatsch wird im ganzen Rheinland benutzt und unterstreicht die Auffälligkeit einer Farbe. Ein Auto kann zum Beispiel knatschgrün oder eine Blume knatschgelb sein. Und wer sich mit weißer Haut schon morgens in die pralle Sonne legt, ist abends sicher sonnenverbrannt und eben knatschrot.

Sprecherin:

Das Freibad ist für viele ein rechter Ersatzurlaubsort. Da wird schon morgens mit der Familie der Platz gesichert, Campingtisch und -stühle sorgen für ausreichenden Komfort und natürlich fehlt auch die Kühltasche nicht mit den lebensnotwendigen kühlen Getränken. Wenn dann noch der Sohn das Radio aufdreht, die Kleinsten das Eis auf Papas Bauch tropfen lassen und die Jugendlichen von nebenan mit ihrem Fußball die Salatschüssel treffen, könnte man sich fast wie an der spanischen Küste fühlen. Der Trubel gehört zum Urlaub mindestens genauso wie die Sonnenbräune.

O-Töne:

"Ja, mir gefällt das. Und je mehr los ist, desto besser. / Leute angucken, über Leute lästern, schwimmen, tauchen, in der Sonne liegen, viel Essen, viel rauchen, lesen, ja und das Witzigste ist eben das Lästern. Gibt bestimmt genug Leute, die über mich lästern und deswegen is' mir das wurscht."

Sprecher:

Zum süßen Leben im Freibad gehört eben auch ein bisschen Fantasie und sei es, dass man sie auslebt, indem man über andere lästert. Das ist kommunikativ und befreit die Seele von Spannungen. Mit lästern ist hier aber nicht die ernst gemeinte üble Nachrede gemeint, sondern eher das muntere sich lustig machen über Äußerlichkeiten. Des einen Bauch ist da zu dick, des anderen Beine zu dünn. Und was die anderen von ihrem Lästern halten, ist unserer Freibadbesucherin egal, oder wie sie es mit einem sehr verbreiteten umgangssprachlichen Ausdruck sagt: Es ist ihr wurscht.

Sprecherin:

Das große Freizeitangebot könnte oft gar nicht genutzt werden, gebe es nicht die professionellen Planer im Hintergrund. Friedhelm Ernst, Organisator von Freizeitvergnügen, kennt sich mit den großen und kleinen Wünschen der Daheimgebliebenen gut aus.

Friedhelm Ernst:

"In Wirklichkeit ist die häufigste Beschäftigung das Spazierengehen. Man sucht eine intakte Landschaft. Man möchte aus den Häusermeeren, aus der bekannten Umwelt heraus, man möchte mal nicht den Mieter von drüber, drunter oder den Nachbarn sehen, sondern man möchte einen Tapetenwechsel haben. Insofern: Wald- und Flusslandschaften sind bevorzugte Ziele derer, die zu Hause bleiben, und zwar direkt vor der Haustür."

Sprecher:

Wer einen Tapetenwechsel möchte, will nicht gleich die ganze Wohnung renovieren, sondern ganz einfach manchmal etwas anderes sehen. Der Tapetenwechsel kann ein Sonntagsausflug sein oder eine Wanderung durch den Wald. Das Wichtige ist eben, dass man einmal etwas anderes als die eigenen Tapeten sieht.

Sprecherin:

Friedhelm Ernst organisiert nicht nur Schiffsfahrten und Übernachtungen. Er versucht durch die Information über Freizeitmöglichkeiten im Rheinland zu zeigen, dass für jeden etwas dabei ist. Für Kleine und Große, für Leute mit schmalen Geldbörsen wie für solche, die auf das Geld nicht zu achten brauchen. Vor allem aber will er deutlich machen, dass man Erlebnisse nicht nur in fernen Ländern haben kann.

Friedhelm Ernst:

"Ja und die Frage nach dem Erlebnis, das ist nicht nur das Schiff auf der großen Fahrt, das kann auch die nostalgische Eisenbahntour sein mit einem Dampflok bespannten Zug, bis in das späte Jahr hinein. Das Erlebnis findet man auch in der Vielzahl der Spaßbäder, die überhaupt nicht mehr vergleichbar sind mit den Hallenbädern früher oder funktionsbezogenen Hallenbädern früherer Jahre. Nein, ich glaube Sport ist heute ein wesentlicher Erlebnisfaktor."

Sprecher:

Spaßbäder sind in den letzten Jahren in Deutschland immer beliebter geworden. Im Erlebnisbad gibt es Becken mit Wellengang, Düsen, die einem den Rücken massieren, und natürlich große Rutschbahnen. Meistens wird auch mit Pflanzen und verzweigter Architektur eine natürliche Landschaft nachempfunden.

Sprecherin:

Erlebnis ist bei der Freizeitgestaltung wahrscheinlich das wichtigste Wort der letzten Jahre. Wer eine Alpenwanderung macht, unternimmt heutzutage einen Erlebnisurlaub. Der Sonntagsausflug wird vom Erlebniswochenende verdrängt und das Einkehren im gemütlichen Gasthof ist längst der Erlebnisgastronomie gewichen. Beruhigend zu sehen, dass es Menschen gibt, die ihr Freizeiterlebnis im ganz und gar Unspektakulären suchen und finden, etwa ein mußevolles Angeln oder begeistertes Drachen steigen lassen. Für einige ist auch die geschäftige Atmosphäre auf dem Trödelmarkt genau das Richtige, um sich zu entspannen.

O-Töne:

"Trödel gucken gehen. Ja, so gucken und dann is' man mal 'n paar Stunden raus. / Jeden Sonntagmorgen, wenn schönes Wetter is'. / Das ist nur Spaß. So mit den Leuten, das ist ganz lustig, ne, auch so die Reaktionen, die so kommen. Es ist hier noch sehr leer, es is' noch was früh. Ich denke, wenn das jetzt noch 'n bisschen voller wird heut' Mittag, dann wird 's auch lustiger. Das ist nur Prüll aus 'm Keller vom Opa und das muss weg, und deshalb macht man sich 'n Spaß dabei. Also, das Standgeld kommt raus und vielleicht für abends 'ne Pizza. Das war 's dann. Ja aus Spaß. Das hat nichts mit Geld zu tun. / Es macht auch 'n bisschen Spaß, gell, man lernt neue Leute kennen, ja schönes Wetter, is' immer 'ne Atmosphäre auf 'm Trödelmarkt. Und ich schau auch gern mal selber rum, dann kauf ich auch mal wieder was Neues, oder was Altes – je nachdem. Ich mein, viel Geld kann man hier wirklich nicht verdienen. Das kann man eigentlich nur aus Spaß an der Freude machen."

Sprecher:

Auf dem Flohmarkt findet sich mancher, der nur seinen Keller aufgeräumt hat und die alten und unnützen Sachen, den Prüll, wie einer der Männer sagte, nicht gerne wegwerfen will. Um viel Geld zu verdienen, sind die wenigsten hier. Die meisten mögen die Atmosphäre und das Plaudern mit den Menschen. Was für einige Urlauber neue Städte und Landschaften sind, ist für Flohmarktbesucher das Umherschauen nach Trödelwaren. Um auszudrücken, dass er den Trödelverkauf nur aus Spaß betreibt, verwendete der letzte Mann die Formel "Aus Spaß an der Freude". Mit dieser Wendung unterstreicht man, dass es wirklich keinen anderen Grund gibt als die Freude an einer Sache.

Sprecherin:

Natürlich sind nicht alle Trödelmarktverkäufer reine Müßiggänger. Aber die Atmosphäre ist doch den meisten, die ich treffe, wichtiger als der Verkauf.

O-Töne:

"Ich bin Schreiner von Beruf, ich bin 'n echter Handwerker. Ich bin zwölf Jahre in der Welt rumgereist, ich kenn' andere Leute genug und ich hab' keine Lust mehr zu reisen. / Ich hab' auch gerne Menschen um mich herum, um mich auch hier so zu unterhalten. / Es ist auch sehr lustig und mit dem Nachbarn unterhält man sich schon mal. Also ne ganz gewisse Atmosphäre is' wirklich, das macht auch Spaß, so is' es nicht. Aber jedes Wochenende würd' ich es nicht machen. Ich nähe sehr gerne, ich lese, ich mache Sport, tanze Flamenco, also so, all die Sachen, die irgendwie nichts mit Trödel zu tun haben. Ich würde nicht zu Hause rumhängen, das wär' nicht mein Ding."

Sprecher:

Die junge Frau zuletzt findet den Trödelmarkt zwar eine angenehme Abwechslung, aber regelmäßig möchte sie das Geschäft dort nicht betreiben. Dazu hat sie zu viele andere Ideen, mit denen sie ihre Freizeit und auch ihren Urlaub verbringt. Auf keinen Fall kommt für sie in Frage, dass sie zu Hause nur rumhängt, also passiv und ohne Beschäftigung ihre Freizeit verbringt. Das Nichtstun ist nicht ihr Ding, wie sie im jugendlichen Jargon sagt. Es gefällt ihr also nicht.

Sprecherin:

Mit meinem kleinen Rundgang habe ich die sommerlichen Freizeitmöglichkeiten natürlich bei Weitem nicht ausgeschöpft. Aber klar geworden ist mir doch, dass wir es vor allem selber sind, die wir unsere Erlebnisse schaffen. Und das Freibadspektakel mindestens genauso spannend sein kann wie das Treiben an südlichen Sonnenstränden.






Fragen zum Text

Als große Ferien bezeichnet werden in Deutschland die …

1. Osterferien.
2. Sommerferien.

3. Herbstferien.

Ein Freibad wird so genannt, weil …
1. die Badegäste Freikörperkultur betreiben.
2. man freiwillig dort hin geht.
3. es unter freiem Himmel liegt.

Standgeld auf einem Trödelmarkt bedeutet, dass …
1. man für die Stunden, die man dort verbringt, Geld bekommt.
2. Verkäufer dort für ihre Tische mit Trödel bezahlen müssen.
3. Imbissbudenbesitzer Geld für ihre verkaufte Ware verlangen.

Arbeitsauftrag
Viele Leute wollen im Urlaub verreisen, viele möchten aber lieber zuhause bleiben. Diskutieren Sie in der Gruppe die Vor- und die Nachteile beider Varianten. Ernennen Sie einen Protokollführer für jede Variante. Dieser fasst am Ende der Diskussion die unterschiedlichen Argumente zusammen.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads