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Politik

Urlaub auf Djerba – ja oder nein?

Das Auswärtige Amt in Berlin schätzt die Lage in Tunesien als gespannt, aber nicht als gefährlich ein. Es sei zwar erhöhte Vorsicht geboten - vor Reisen in das nordafrikanische Land wird aber nicht abgeraten.

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Die Ghriba-Synagoge - eine der Hauptattraktionen auf Djerba

Auch der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Tourismus, Ernst Hinsken, sah bisher keine Notwendigkeit, grundsätzlich vor Reisen nach Tunesien zu warnen. Es blieb bislang bei dem Hinweis, Touristen sollten größere Menschenansammlungen an öffentlichen Orten meiden. Hinsken forderte zugleich die tunesische Regierung auf, gefährdete Einrichtungen besser zu sichern.

Auch Außenminister Joschka Fischer warnte vor voreiligen Schlüssen in bezug auf Reisen nach Tunesien. Er betonte allerdings, dass in Krisenregionen generell erhöhte Wachsamkeit geboten sei - besonders außerhalb der Hotelanlagen. Ziel der Terroristen sei es, gerade moderate arabische Staaten wie Tunesien politisch zu destabilisieren. Sie wollten diese Länder im Tourismus als ihrer Haupteinnahmequelle treffen. Man müsse also genau abwägen, ob man vor Reisen dorthin warne. Das letzte Wort hätten die Sicherheitsbehörden mit ihren guten Kenntnissen. Deren Ermittlungen müssten jetzt abgewartet werden.

Ungetrübte Reiselust

Seit dem Anschlag auf Djerba am 11. April 2002 konnte der deutsche Reisebüroverband bisher keine Stornierungen feststellen. Die Reiselust der Deutschen scheint ungetrübt. Dennoch fordern Verbraucherschützer, dass Tunesien-Urlauber ihre Reise ohne Mehrkosten umbuchen können. Angesichts der unsicheren Lage in Tunesien sollen die Reise-Unternehmen die Ängste ihrer Kunden ernst nehmen und sich bei Stornierungen kulant zeigen, heißt es in einer Erklärung der Verbraucherzentrale Baden-Würtemberg.

Grundsätzlich können Reiseverträge wegen höherer Gewalt nur gekündigt werden, wenn eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes vorliegt. Da dies derzeit nicht der Fall ist, müssen die Kunden bei einer Kündigung des Reisevertrages mit Stornierungskosten rechnen.

Tunesien lebt vom Urlauberstrom

Karte Tunesien

Tunesien gehört zu den beliebtesten Zielen deutscher Touristen - allerdings mit leicht rückläufiger Tendenz. Waren es im Jahre 2000 noch gut eine Million, reisten vergangenes Jahr rund 935.000 Deutsche nach Tunesien. Ein Rückgang, den der stellvertretende Direktor des tunesischen Fremdenverkehrsamtes in Frankfurt am Main, Mahrez Sassi, auf die Spannungen im Nahen Osten zurückführt. Trotzdem macht der deutsche Touristen-Anteil knapp ein Fünftel der insgesamt über fünf Millionen Besucher jährlich aus. Lediglich aus Frankreich kamen 2001 noch mehr Reisende.

60 Prozent aller tunesischen Arbeitnehmer sind direkt oder indirekt vom Fremdenverkehr abhängig. Der Tourismus ist wichtigste Devisenquelle. Nicht nur ökonomisch, auch politisch steht für Staatschef Sein al-Abidin Ben Ali viel auf dem Spiel. Der Präsident des kleinen Landes hat die islamistische Bedrohung bisher mit radikaler Repression erfolgreich bekämpft. Die Explosion vor der Ghriba-Synagoge könnte das Trugbild vom friedlichen und prosperierenden Tunesien endgültig erschüttern.

Wirtschaft wünscht sich Unfall

Die Bedeutung des Fremdenverkehrs dürfte ausschlaggebend für das anfängliche Beharren der tunesischen Seite sein, die Explosion von Djerba sei ein Unfall gewesen. Fakt ist: Würden die europäischen Großveranstalter den Hahn zudrehen, käme die ganze Ökonomie zum Erliegen. Die Regierung in Tunis hat deshalb großes Interesse daran, die eigenen Bürger und die Gäste des Landes nicht zu beunruhigen. Das erkläre deren vorsichtige Informationspolitik, sagte Rainer Lingenthal, Sprecher des Bundesinnenministeriums. Mittlerweile kommt aber auch die tunesische Regierung nicht mehr umhin, von einem Anschlag zu sprechen.