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Kultur

Urbaner Sound der weiten Welt

Der Latin-Pop scheint sich weltweit durchzusetzen. Doch ist diese Latino-Welle ein erstzunehmender Trend oder nur ein cleverer Marketingtrick? "Zurück zum Ursprung" lautet die Devise.

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Buena Vista Social Club - nur eine Rentnerband?

Buenavista sei Dank. Seit Wim Wenders als musikalischer Entwicklungshelfer in Kuba eintraf, erfreuen wir uns an der Musik der lebenslustigen Senioren von der Perle der Karibik. In Ricky Martin sehen wir unser Vorurteile vom sexy Latin-Lover bestätigt und an Stars wie Jenifer Lopez und Christina Aguilera bewundern wir die laszive südländische Schönheit. Ihre heißen Tanzrhythmen versprechen uns sommerliche Frische garniert mit einem Glas Rum und einer guten Zigarre.

Wider die Vorurteile!

Doch langsam schwant dem aufmerksamen Betrachter, dass diese Abziehbilder wenig mit den wirklichen Verhältnissen in Lateinamerika gemein haben. In Kuba beispielsweise hört kein Jugendlicher den hundert Jahre alten Sound der Buenavista-Greise. Sie gilt als Musik für Touristen. Die in den USA gefeierten Latino-Stars wie Enrique Iglesias oder Jon Secada sind alle mit US-Pop aufgewachsen. Der Latin-Touch ihrer Musik ist zumeist Dekor, der sich in hohen Chartplazierungen auszahlt.

In einem Gespräch mit DW-ONLINE erklärt Hans Ploenes, Beauftragter der Musikmesse Popkomm für den Bereich Latino-Musik, seine Bedenken. "Der sogenannte ‚Latino-Boom‘ war im wesentlichen eine am US-Markt orientierte, amerikanisierte Latino-Musik. Ihre bekanntesten Vertreter sind Marc Antony, Ricky Martin und Jennifer Lopez. Ich bin überzeugt, dass es immer noch ein großes Interesse für Latino-Musik gibt. Wir müssen nur unsere Ohren aufsperren und die ‚wahre‘ Musik aus Lateinamerika entdecken".

Meltingpot Barcelona

Zu den lateinamerikanischen Highlights der diesjährigen Popkomm gehörten die Bands Macaco und der Ausnahmekünstler Wagner Pa, die in Barcelona beheimatet sind. Die Mitglieder der bunten Truppe Macaco stammen aus Argentinien, Kolumbien, Kuba, Venezuela und nicht zuletzt aus Katalonien. In ihrer Musik und in der des Brasilianers Wagner Pa treffen Samba-Rhythmen auf Rockelemente, fusionieren Bossa-Anklänge von der Copacabana bestens mit Discobeats aus dem Drumcomputer.

Der wilde Stilmix in Barcelona steht beispielhaft für eine Entwicklung die sich in Lateinamerika schon längst durchgesetzt hat und nun auch Deutschland erreicht. In Mexiko zum Beispiel mixen DJs einen Cocktail aus Mariachi-Musik (Norteña) und Techno. Das Resultat nennen sie "Nortec" und ist auf einem kürzlich in Deutschland erschienen Sampler zu bestaunen.

Grenzüberschreitungen

Mit dem Begriff "Wordbeat", mit dem der angelsächsische Markt mit seinen eurozentristischen Parametern derlei Musik zu etikettieren pflegt, ist das alles nicht zu fassen. Hier sind die Fusionen nicht das Produkt einer Marketing-Strategie, die sich einzig am englischsprachigen Rock ausrichtet. Vielmehr entstehen sie aus der tagtäglichen Koexistenz lokaler Klänge und internationaler Popmusik.

Die Globalisierung ist also nicht nur eine Entwicklung auf der Ebene des Finanzkapitals, sondern auch ein Werk der Kulturen. Lateinamerikanische Musik schielt nicht mehr nur auf den angelsächsischen Markt. Immer mehr sucht sie den Dialog "nach innen", mit den eigenen regionalen Traditionen, wie auch "nach außen" mit dem Rest der Welt.

"Ich glaube schon, dass das Interesse an neuer lateinamerikanischer Musik weiterhin sehr hoch ist, und sogar noch zunehmen wird. Ich stelle dies gerade in diesem Jahr an der großen Neugier der Medien in Deutschland fest", betont Hans Ploenes optimistisch. Sein Wort in des Käufers Ohr ...