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Politik

Unzurechnungsfähigkeit statt Todesstrafe

Der Fall des zum Christentum übergetretenen Afghanen Abdur Rahman scheint jetzt psychiatrisch gelöst zu werden: Falls er für unzurechnungsfähig erklärt wird, kann die Anklage abgewendet werden.

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Unzurechnungsfähig?

Ein Gericht hatte nach Justizangaben vom Sonntag angeordnet, den 41 Jahre alten Rahman wegen mangelnder Beweise bald freizulassen. Die Staatsanwaltschaft könne aber trotz vorläufiger Einstellung des Verfahrens weiter ermitteln. Rahman droht bei einer Verurteilung wegen Abtrünnigkeit vom Islam die Todesstrafe. Er war am Freitag nach Todesdrohungen von Mithäftlingen aus einem überfüllten Untersuchungsgefängnis in eine Hochsicherheitsanlage bei Kabul verlegt worden.

Der Richter des Oberstes afghanischen Gerichts Ansarullah Mawlavezada hält eine Bibel Fall Abdul Rahman der zum Christentum übergetreten ist

Der Richter des Oberstes afghanischen Gerichts Ansarullah Mawlavezada hält eine Bibel, die Abdul Rahman gehören soll.

Der Geisteszustand Rahmans werde am Montag (27.3.) untersucht, sagte Staatsanwalt Semarai. "Eine Entscheidung wird auf Grundlage dieser Untersuchung getroffen." Beobachter erwarten, dass Rahman für unzurechnungsfähig erklärt wird und eine Anklage damit abgewendet werden kann, die die Todesstrafe zur Folgen haben könnte. Rahman selbst hat allerdings bestritten, unzurechnungsfähig zu sein.

Am Sonntag hatte der zuständige Richter das Verfahren wegen Formfehlern an die Staatsanwaltschaft zurückgegeben. Ein Gerichtssprecher sagte dabei, es sei auch zu klären, ob Rahman eine weitere Staatsangehörigkeit besitzt. Einzelheiten nannte er dazu nicht.

Karsai an zwei Fronten

Der Fall hat im westlichen Ausland teils heftige Kritik erregt. Mehrere Staaten, darunter auch Deutschland, schalteten sich ein. Sie forderten Afghanistan auf, die Religionsfreiheit zu wahren und Rahman freizulassen. Die Regierung von Präsident Hamid Karsai bemüht sich um einen Ausweg aus der brisanten Situation. Einerseits will sie die Forderungen ihrer westlichen Verbündeten erfüllen. Andererseits will sie nicht die einflussreichen Moslem-Geistlichen verprellen.

Rahman, der viele Jahre in Deutschland lebte, war vor 16 Jahren vom Islam zum Christentum übergetreten. Der Fall stieß international auf scharfe Kritik, westliche Regierungen setzten sich beim afghanischen Präsidenten Hamid Karsai für Rahman ein.

Proteste gegen Freilassung

In Afghanistan haben am Montag hunderte Menschen gegen die Entscheidung der Justiz protestiert, den zum Christentum übergetretenen Abdul Rahman freizulassen. An einer Kundgebung in Masar-e-Scharif nahmen nach Polizeiangaben rund 700 Demonstranten teil, darunter islamische Geistliche. Sie riefen "Tod Bush" und andere antiwestliche Parolen. Die Sicherheitskräfte griffen zunächst nicht ein. (sams)

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