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Deutschland

Unzufrieden: Deutsche haben kein Verständnis für Israels Politik

In Deutschland verschieben sich die Sympathien: Die Hisbollah wird zwar abgelehnt, in zunehmendem Maße aber auch die israelische Kriegsführung. Peter Stützle bewertet die Folgen deutscher Außenpolitik.

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Zerstörung im Südlibanon - zu viel, findet die Mehrheit der Deutschen

In ihrer ersten Stellungnahme nach dem israelischen Angriff auf den Libanon hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel noch den Nerv der deutschen Bevölkerung getroffen: Israel müsse darauf achten, dass es den Libanon nicht destabilisiert. Eine Woche später schon waren Volk und Kanzlerin aber ein gutes Stück weit auseinander. Drei Viertel der Bundesbürger hielten da laut einer repräsentativen Umfrage die israelische Militäroffensive für unangemessen, nur zwölf Prozent billigten sie, der Rest war unschlüssig.

Die Kanzlerin mahnte zwar die Israelis, auf die Verhältnismäßigkeit der Mittel zu achten - gleichzeitig aber forderte sie, die Hisbollah müsse zuerst die entführten israelischen Soldaten freilassen und den Raketenbeschuss auf Israel einstellen, bevor Israel seine Operationen stoppen müsse. Da klar war, dass eine Terrororganisation wie die Hisbollah eine solche Forderung ignorieren würde, lief das auf einen Freibrief für die israelische Kriegsführung hinaus.

Hisbollah wirkt abstoßend

In der deutschen Öffentlichkeit herrscht weitestgehender Konsens, dass die Raketenangriffe auf Israel inakzeptabel sind. Finstere Hisbollahkämpfer und ihre iranischen Hintermänner, die Israel von der Landkarte tilgen wollen, wirken auf Deutsche nur abstoßend. Der gelegentlich zu hörende Vorwurf, die Deutschen sähen nur das Leid der libanesischen Zivilbevölkerung, nicht aber das der israelischen, geht völlig ins Leere. Seit Jahren findet jedes einzelne Terroropfer in Israel breiten Raum in den deutschen Medien - einen breiteren oft als tausende Opfer afrikanischer Kriege.

Auch jetzt zeigen die Nachrichten das Elend auf beiden Seiten. Aber die Deutschen legen an den Staat Israel höhere moralische Maßstäbe an als an eine Terrororganisation. Das ist nicht ungerecht, es ist vielmehr Zeichen der Wertschätzung. Als Israel im Sechs-Tage-Krieg 1967 um sein Überleben kämpfte, wurde es in Deutschland von einer Welle der Sympathie getragen. Wenn es aber auf Terroranschläge gegen Zivilisten mit Gegenschlägen antwortet, die ein Zehnfaches an Opfern fordern, fehlt dafür das Verständnis.

Ablehnung der israelischen Politik

Politisch interessierten Deutschen ist zudem wohlbekannt, dass der Libanon gerade dabei war, sich aus der syrischen Umklammerung zu lösen - schließlich hatte der deutsche Oberstaatsanwalt Detlev Mehlis mit seinen Ermittlungen im Fall des Mordes an dem früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri im Februar 2005 wesentlichen Anteil daran. Dass der jetzige Krieg die Demokratisierung des Libanon und damit auch die Aussicht auf Frieden an Israels Nordgrenze zerstören könnte, verbittert viele.

Und selbst wer die Dinge nicht so differenziert betrachtet, spürt zumindest, dass Israel auf Provokationen durch Terroristen in einer Weise reagiert, die Friedenschancen zunichte macht. Die wachsende Ablehnung der israelischen Politik in der deutschen Öffentlichkeit zeigt sich in dem immer stärker werdenden Widerspruch gegen die deutsche Beteiligung an einer Nahost-Friedenstruppe. Fast zwei Drittel sind Umfragen zufolge inzwischen dagegen. Unter diesen Umständen wird die Bundesregierung kaum Soldaten entsenden, sollte es zu einer internationalen Friedenstruppe kommen.

Und es sollte auch niemanden wundern, wenn die Bundesregierung allmählich ungeduldiger gegenüber Israel wird. Auch in der Außenpolitik kann sie schließlich die Stimmung im Lande nicht ganz außer Acht lassen.

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