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Deutschlehrer-Info

Unwort des Jahres: „Gutmensch“ ist kein Kompliment

Wer sollte etwas gegen einen „Gutmenschen“ haben? Besser als ein böser Mensch, sollte man meinen. Dennoch wird „Gutmensch“ meist als Beleidigung gebraucht. Eine Jury hat das Wort nun zum Unwort des Jahres 2015 gewählt.

Wer das Wort noch nie in der deutschen Sprache gehört hat, könnte meinen, es handele sich um ein Kompliment. Doch wer jemanden einen „Gutmenschen“ nennt, will in der Regel nicht betonen, dass diese Person ein guter, also z. B. ein liebenswerter, rücksichtsvoller oder hilfsbereiter Mensch ist. Er will sie vielmehr beleidigen oder verspotten. Insbesondere ehrenamtliche Helfer und Helferinnen in der Flüchtlingshilfe wurden in letzter Zeit oft mit dem Begriff „Gutmensch“ belegt – von Rechtspopulisten, Neonazis, aber auch von Teilen der Medien. Am 12.01. wählte eine Jury der „Sprachkritischen Aktion“ in Darmstadt den Begriff nun zum Unwort des Jahres 2015.

„Mit dem Vorwurf ‚Gutmensch‘, ‚Gutbürger‘ oder ‚Gutmenschentum‘ werden Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd, als Helfersyndrom oder moralischer Imperialismus diffamiert,“ begründete die Jury unter Vorsitz der Sprachwissenschaftlerin Nina Janich ihre Wahl. Dabei sei der Ausdruck nicht nur ein Kampfbegriff im rechtspopulistischen Lager, er würde auch in Leitmedien als Pauschalkritik an einem ‚Konformismus des Guten‘ benutzt. Bereits 2011 kam „Gutmensch“ bei der Unwort-Wahl auf den zweiten Platz.

Gerügt wurde dieses Jahr außerdem der Begriff „Hausaufgaben“, den Politiker und Journalisten 2015 im Zusammenhang mit Griechenland gerne verwendet haben. Sie wollten damit ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck bringen, dass Griechenland ihrer Meinung nach nicht das Nötige zur Behebung der Krise getan habe. Das Wort degradiere demokratisch gewählte Regierungen zu unmündigen Schulkindern, so die Jury. Auch das Wort „Verschwulung“, ein Buchtitel des rechtsextremen Autors Akif Pirinçci, wurde scharf kritisiert. Die damit gemeinte „Verweichlichung der Männer“ sei eine explizite Diffamierung Homosexueller.

Seit 1991 wählt eine unabhängige Jury aus Sprachwissenschaftlern und Journalisten das Unwort des Jahres. Die Aktion soll den Blick auf „sachlich unangemessene oder inhumane Formulierungen im öffentlichen Sprachgebrauch“ lenken. Sie will für Sprache sensibilisieren und auf undifferenzierten, verschleiernden oder diffamierenden Gebrauch aufmerksam machen.

ip/mk

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