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Amerika

"Unvorstellbare" Lage nach Beben in Haiti

Bei dem verheerenden Erdbeben in Haiti sind möglicherweise Zehntausende Menschen ums Leben gekommen. Regierungschef Bellerive sprach zuletzt sogar von bis zu 100.000 Toten. In Port-au-Prince herrscht das blanke Chaos.

Häusertrümmer in Port-au-Prince (Foto: AP)

Wie viele Menschen liegen noch unter den Trümmern?

"Alle Krankenhäuser und Leichenhallen sind voll", erklärte Haitis Staatspräsident Rene Preval, der am Flughafen der Hauptstadt Port-au-Prince die internationale Hilfe koordinierte. Er selbst habe über Leichen steigen müssen und die Schreie von Menschen gehört, die unter Trümmern begraben seien.

Es ist eine "Apokalypse"

"Das Parlament ist zusammengestürzt. Die Steuerbehörde ist zusammengestürzt. Schulen sind zusammengestürzt. Krankenhäuser sind zusammengestürzt. Es gibt eine Menge von Schulen mit einer Menge von Toten in ihnen", sagte Preval. Die Situation in seinem Land sei "unvorstellbar".

Zerstörte Siedlung in Haiti (Foto: AP)

Ein Bild der Zerstörung: Ganze Siedlungen sind nach dem Beben unbewohnbar

In Port-au-Prince versuchten Überlebende mit bloßen Händen, Verschüttete aus den Trümmern zu retten. Leichen auf den Straßen wurden behelfsmäßig mit weißen Lacken zugedeckt. Eine Augenzeugin berichtete: "Ich war in der Stadt, es ist eine Apokalypse." Rund 40 Prozent der Häuser in der Hauptstadt seien zerstört oder beschädigt, darunter das UN-Hauptquartier.

Auch der Chef der UN-Friedensmission in dem Karibikstaat, Hedi Annabi, sowie etliche weitere Blauhelm-Soldaten sollen tot sein. Die Vereinten Nationen haben derzeit etwa 7000 Soldaten und 2000 Polizisten vor allem aus südamerikanischen Ländern in Haiti im Einsatz. Deutschland beteiligt sich nicht an der Friedensmission.

Jeder dritte Haitianer auf Hilfe angewiesen

Das Rote Kreuz schätzt die Zahl der Betroffenen auf insgesamt drei Millionen Menschen - also etwa ein Drittel der Einwohner Haitis. Ministerpräsident Jean-Max Bellerive erklärte, bei dem Beben der Stärke 7,0 seien nach seinen Informationen möglicherweise hunderttausend Menschen ums Leben gekommen. Zugleich fügte er hinzu: "Ich hoffe, dass ist nicht wahr, und die Menschen hatten Zeit zu entkommen." Viele Schwerverletzte wurden inzwischen in das Nachbarland Dominikanische Republik gebracht.

Zerstörter Präsidentenpalast (Foto: AP)

Auch der Präsidentenpalast in Port-au-Prince hielt dem Beben nicht Stand

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte in New York, die Kommunikation in Haiti sei praktisch völlig zusammengebrochen, die Infrastruktur in und um Port-au-Prince schwer beschädigt. Gemeinsam mit dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton will Ban in das Katastrophengebiet reisen, um sich vor Ort über die Lage zu informieren.

Die Vereinten Nationen haben nach eigenen Angaben etwa 30 internationale Hilfeteams mobilisiert. Die Hilfsprojekte liefen unter großen Schwierigkeiten an, berichtete Elizabeth Byrs vom UN-Koordinationsbüro für humanitäre Angelegenheiten (OCHA).

UN richten Appell an Mitgliedsstaaten

Der Weltsicherheitsrat brachte sein tiefstes Bedauern für die Opfer des Erdbebens zum Ausdruck. "Die Mitglieder des höchsten Gremiums der Vereinten Nationen stehen bei den Nachwirkungen dieses verheerenden Erdbebens hinter der Regierung und der Bevölkerung Haitis", sagte der amtierende Ratspräsident Zhang Yesui aus China. Er forderte alle Mitgliedsstaaten dazu auf, Haiti in den kommenden Monaten beim Wiederaufbau zu helfen.

Obdachlose in Haiti (Foto: AP)

Warten auf Hilfe: Hunderttausende Haitianer wurden obdachlos

Spendenaufrufe von Kriminellen?

Die US-Bundespolizei FBI rief zur Vorsicht bei Spenden über das Internet auf. Wie schon bei Naturkatastrophen in der Vergangenheit müsse mit Betrügern gerechnet werden, die Not und Spendenbereitschaft in krimineller Absicht ausnutzen, erklärte das FBI. Internetnutzer sollten sich bemühen, die Rechtmäßigkeit karitativer Organisationen und deren Spendenaufrufe möglichst genau zu prüfen. Der Internetdienst Twitter etwa war nach dem Erdbeben vom Dienstag (12.01.2010) mit Spendenaufrufen für Haiti regelrecht überschwemmt worden.

Haiti gilt als das ärmste Land des amerikanischen Kontinents und wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach von Naturkatastrophen heimgesucht. Zuletzt kamen bei Wirbelstürmen im September 2008 mehr als 600 Menschen ums Leben. Ein großer Teil der damaligen Schäden ist bis heute nicht beseitigt.

Autor: Christian Walz (dpa, afp, rtr, apn)
Redaktion: Gerhard M Friese

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