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Handball

Unverdientes Ende für Sigurdsson

Das Aus der deutschen Handballer im WM-Achtelfinale überrascht nicht nur die Fans, sondern auch den Bundestrainer. Dagur Sigurdsson verlässt den DHB mit einem Schockerlebnis - und hinterlässt große Fußstapfen.

Dagur Sigurdsson war bedient. Nach dem überraschenden WM-K.o der deutschen Handball-Nationalmannschaft im Achtelfinale gegen Katar und dem vorzeitigen Heimflug nach Deutschland verließ der Bundestrainer wortlos den Berliner Flughafen Tegel. Am Vortag hatte er die 20:21-Niederlage als die "mit Abstand größte Enttäuschung" seiner zweieinhalbjährigen Amtszeit bezeichnet. Mit Tränen in den Augen stand der 43-Jährige in den Katakomben der Arena in Paris und räumte auch eigene Fehler ein. "Viele haben gedacht, dass wir jetzt richtige Chancen auf das Halbfinale haben", sagte Sigurdsson: "Vielleicht haben wir, auch ich, zu weit gedacht." Das Ende seiner Arbeit als Bundestrainer hatte er sich anders vorgestellt.

Hanning: "Unfassbar dankbar"

"Das tut mir gerade für ihn unglaublich leid, weil wir so eine unfassbare Geschichte mit ihm geschrieben haben", sagte Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB). Der Isländer habe für den deutschen Handball "Herausragendes" geleistet: "Er hat uns ein neues Selbstwertgefühl gegeben. Dafür können wir ihm unfassbar dankbar sein."

Als Sigurdsson im August 2014 den Posten als Bundestrainer antrat, lag der deutsche Handball am Boden. Weder für die Olympischen Spiele 2012, noch für die Europameisterschaft 2014 hatte sich das Mutterland des Handballs qualifizieren können. Das vom DHB ausgegebene Fernziel Olympia-Gold 2020 erschien vor diesem Hintergrund wie ein schlechter Scherz. Doch innerhalb kurzer Zeit gelang es Sigurdsson, eine junge, schlagkräftige Mannschaft zu formen und ihr Selbstvertrauen einzuimpfen. Im Januar 2016 wurde das DHB-Team in Polen sensationell Europameister. Ein halbes Jahr später bei den Olympischen Spielen in Rio verpassten Sigurdssons Jungs nur knapp das Finale und holten Bronze.

Handball EM Finale - Deutschland vs. Spanien (Getty Images/Bongarts/A. Nurkiewicz)

Sein größter Erfolg: Sigurdssons Mannschaft gewinnt sensationell den EM-Titel 2016

Akribische Arbeit

Zur Weltmeisterschaft in Frankreich reiste Deutschland als einer der Top-Favoriten an. Zu gerne hätte sich Sigurdsson mit dem WM-Titel verabschiedet. Schon vor dem Turnier stand fest, dass der Isländer den DHB verlassen würde, um künftig die Japaner zu trainieren, den Gastgeber der Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Seiner akribischen Arbeit bis zur letzten Minute tat das keinen Abbruch. Die Fußstapfen, in die Sigurdssons Nachfolger - Christian Prokop oder Markus Baur - tritt, sind groß. "Sigurdsson hat einen super Job gemacht", sagte Ex-Welthandballer Daniel Stephan: "Er hat ganz viele richtig gute Entscheidungen getroffen. Ich glaube nicht, dass wir jetzt anfangen sollten, bei ihm irgendwelche Fehler zu suchen."

Verabschiedung in Leipzig

Sigurdsson hinterlässt eine junge, hungrige Mannschaft, die ihren Zenit noch nicht erreicht hat. DHB-Viezpräsident Hanning gewann dem überraschenden WM-Aus sogar etwas Gutes ab. "Dass irgendwann so etwas passieren würde, war in der Entwicklung der Mannschaft eingepreist", sagte Hanning. "Mir ist es sogar ganz recht, dass es jetzt mit Dagur passiert ist. Das macht es einfacher für seinen Nachfolger." Die Entscheidung über den neuen Bundestrainer werde bald fallen. Sigurdsson soll am 3. Februar in Leipzig offiziell verabschiedet werden, beim "All Star Game" zwischen dem DHB-Team und einer von den Handballfans online gewählten Weltauswahl.

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