1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Meilensteine

Unterzeichnung der ersten deutsch-deutschen Städtepartnerschaft zwischen Saarlouis und Eisenhüttenstadt am 19.9.86 - Zwischenbilanz nach 18 Monaten

"Diese Partnerschaft ist nicht auf kurzfristige Dinge angelegt, sondern soll langfristig wirken" - Oberbürgermeister von Saarlouis Richard Nospers beschreibt die Ziele der ersten deutsch-deutschen Städtepartnerschaft

Immer wieder in Ost-Berlin: Der Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzende des Staatsrats der DDR, Erich Honecker, bei einem Essen zu Ehren seines Gastes, des Ministerpräsidenten des Saarlands, Oskar Lafontaine, im Palais Unter den Linden (hier am 12.3.87)

Immer wieder in Ost-Berlin: Der Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzende des Staatsrats der DDR, Erich Honecker, bei einem Essen zu Ehren seines Gastes, des Ministerpräsidenten des Saarlands, Oskar Lafontaine, im Palais Unter den Linden (hier am 12.3.87)

"Zwei Saarländer unter sich" – "Die Zeit" vom 22.11.85 meinte damit die Visite des Saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine bei einem anderem, nicht weniger bekannten Sohn des Saarlands: Erich Honecker. Mitte der achtziger Jahre waren Besuche bundesdeutscher Politiker in der DDR keine Seltenheit mehr, doch das, was Oskar Lafontaine damals aus Ost-Berlin mitbrachte, sorgte auch international für eine kleine Sensation. Denn bisher bemühte sich das SED-Regime, Kontakte der DDR-Bürger mit der Bevölkerung der BRD möglichst zu beschränken, und nun eine "Wende": die Saarländische Stadt Saarlouis sollte die Möglichkeit erhalten, eine Städtepartnerschaft mit einer DDR-Stadt einzugehen. Wohl die erste deutsch-deutsche! Die Stadtväter Saarlouis’ liebäugelten schon seit längerer Zeit mit einer Partnerschaft mit Halberstadt im Harz, doch es sollte nach dem Willen des Staatsrats-Vorsitzenden eine andere Stadt diese Pionierarbeit übernehmen.

Stalinstadt wurde in der DDR als Modell für sozialistischen Städtebau gelobt, Ansichtskarte um 1960

Stalinstadt wurde in der DDR als Modell für sozialistischen Städtebau gelobt, Ansichtskarte um 1960

Zuerst Stalinstadt genannt

Die "erste sozialistische Wohnstadt", Eisenhüttenstadt - ein Vorzeigemodel der DDR-Machthaber - wurde hierfür auserkoren. Entstanden war diese "Retortenstadt" auf Beschluss des 3. SED-Parteitages vom 1.7.50. Ursprünglich hieß sie Stalinstadt (bis 1961) und war als Schlaf- und Wohnstätte für das neuzubauende Hüttenwerk geplant, denn "durch die zielgerichtete Spaltungspolitik der Imperialisten Westdeutschlands und des kapitalistischen Auslandes, besonders der USA-Imperialisten, wurde das Potsdamer Abkommen völkerrechtswidrig gebrochen. Mit ihrer Embargopolitik verfolgten sie das Ziel, eine gesunde ökonomische Entwicklung unseres Landes unmöglich zu machen" – so die offizielle Darstellung in einem Flyer zum 10jährigen Bestehen des sozialistischen Eisenhüttenkombinats.

Die ersten Schritte mit einem DDR-Touristenvisum garniert

Den Anfang einer Annährung zwischen den beiden deutschen Städten machten die Vertreter von Eisenhüttenstadt mit einem Besuch in Saarlouis im Januar 1986. Schon bei dieser ersten Reise gab es ein Novum, das die Grenzorgane grübeln ließ: die Pässe der Besucher aus der DDR waren mit dem Vermerk "Touristenvisum" versehen, "ein von den Kennern des deutsch-deutschen Verhältnisses als bemerkenswerter Umstand und Neuigkeit eingestufter Vorgang", wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am 23.3.86 urteilte. Bei diesem Treffen wurden erste Gespräche geführt, die im April in Eisenhüttenstadt fortgesetzt wurden. Der "Kölner Stadt Anzeiger" schrieb am 29.4.86: "Honeckers alte Liebe trägt erste Früchte."

Unterzeichnung der Partnerschaft Saarlouis und Eisenhüttenstadt. v.l.: Reinhard Klimmt, Dr. Christa Bettae, Werner Viertel (sitzend), Oskar Lafontaine (dahinter), Günter Käseberg, Albrecht Herold, Manfred Henrich, Heinz Blatter und Peter Gabges

Unterzeichnung der Partnerschaft Saarlouis und Eisenhüttenstadt. v.l.: Reinhard Klimmt, Dr. Christa Bettae, Werner Viertel (sitzend), Oskar Lafontaine (dahinter), Günter Käseberg, Albrecht Herold, Manfred Henrich, Heinz Blatter und Peter Gabges

Austausch von Jugend- und Berufsgruppen, Vereinen und Delegationen

Schließlich wurde eine Fülle von Formen der Partnerschaft vereinbart, wie etwa der Austausch von Jugendgruppen, gegenseitige Besuche verschiedener Berufsgruppen und Vereine wie auch offizieller Delegationen. Am 19.9.86 wurde es nun amtlich: die erste deutsch-deutsche Städtepartnerschaft wurde in Saarlouis mit den Unterschriften der Oberbürgermeister von Saarlouis und Eisenhüttenstadt besiegelt. Eine zweite Unterschriftszeremonie war für Oktober des gleichen Jahres in Eisenhüttenstadt vorgesehen. In den deutsch-deutschen Beziehungen eröffnete sich ein neues Kapitel: beim innerdeutschen Ministerium lagen zu diesem Zeitpunkt knapp 400 Anträge und Anfragen zu Städtepartnerschaften mit DDR-Städten. Ein Teil von ihnen wurde Wirklichkeit.

Eisenhüttenstadt: Blick über die Lindenallee, frühere Leninallee und auf Kühltürme und Hochöfen des Eisen- und Stahlwerkes, das die wirtschaftliche Struktur der Region bestimmt

Eisenhüttenstadt: Blick über die Lindenallee, frühere Leninallee und auf Kühltürme und Hochöfen des Eisen- und Stahlwerkes, das die wirtschaftliche Struktur der Region bestimmt

18 Monate nach der Besiegelung der ersten deutsch-deutschen Städtepartnerschaft nahm DW-Mitarbeiter Burkhard Birke das bisher Erreichte unter die Lupe.

Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

Audio und Video zum Thema