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Alltagsdeutsch – Podcast

Unterwegs mit dem Wohnmobil

Zur Sommersaison tummeln sich Reisende aus allen sozialen Schichten auf den Campingplätzen; einige zelten, andere leben dort in ihren Wohnwagen - und wieder andere ziehen, bei ausreichendem Kleingeld, das Wohnmobil vor.

Sprecherin:

Familie Betz aus Nürnberg reist meistens mit dem Wohnmobil. Alle Versuche, irgendwo hinzufliegen und im Hotel Urlaub zu machen, haben den Eltern, ihren drei Kindern und Schäferhund Benno bei Weitem nicht so gut gefallen. Bernd Betz erzählt, warum.

Bernd Betz:

"Für mich beginnt der Urlaub da ja bereits, wenn wir uns ins Auto reinsetzen und losfahren, egal ob man jetzt früh um fünf losfährt oder ob man nachmittags um drei losfährt, das ist egal. Man kann 'nen Kaffee kochen auf die Schnelle oder mal ein Stückerl Kuchen essen oder sich einmal Suppe warm machen oder was in die Pfanne hauen, ja, also so was rausbrutzeln, ja, und das ist schon was Schönes, ja. Und ja, da geht eigentlich der Urlaub schon richtig los."

Sprecher:

Bernd Betz gefällt es, unabhängig zu sein, für sich und seine Familien zu kochen, wann immer er möchte. Auf die Schnelle einen Kaffee kochen soll heißen, dass er ihn in ganz kurzer Zeit zubereiten kann. Jemanden auf die Schnelle besuchen zum Beispiel heißt, ihn nur für einen Augenblick sprechen. Etwas auf die Schnelle erledigen dagegen bedeutet meist, eine Arbeit ungern, unzuverlässig und flüchtig auszuführen. Der Nürnberger sagt, man kann was in die Pfanne hauen. Er meint damit, irgendwelche Lebensmittel in der Pfanne braten. Jemanden in die Pfanne hauen dagegen bedeutet, ihn gänzlich vernichten; auch: ihn im Wortgefecht gründlich besiegen. Familie Betz bereist mit ihrem Wohnmobil auch andere Länder. Gaby Betz erinnert sich an die letzte Spanienreise.

Gaby Betz:

"Wir waren in der Nähe von Barcelona. Man ist ins Innere vom Land von Spanien gekommen; Lokale und Kneipen, wo man eigentlich als Tourist nicht hinkommt. Und das Essen ist 'ne Wucht – und vor allem die Erdbeeren."

Sprecherin:

Auch sie ist begeistert vom Leben auf vier Rädern, denn bei einer Pauschalreise mit Flug und Hotel hätte sie viele einheimische Plätze und Lokale gar nicht erst gesehen, denn beim Hotelurlaub sei man einfach zu sehr an den Ort gebunden, so die 37-jährige Mutter. Sie schwärmt und sagt, unter anderem sei besonders das Essen in Barcelona eine Wucht. Wucht wurde aus dem Niederdeutschen übernommen. Wucht ist eine Nebenform zu "Gewicht". Gaby Betz will sagen, dass sie das Essen in Spanien besonders gerne mag, es von Gewicht ist. Ihr Sohn Martin dagegen isst gerne bei den Großeltern in Kärnten. Da die Wohnung der Großeltern sehr klein ist, reist Familie Betz natürlich im Wohnmobil an. Martin erinnert sich an anstrengende, aber auch sehr schöne Tage.

Martin Betz:

"Also, wir waren in Österreich in Kärnten bei meiner Oma und beim Opa, und mit denen sind wir jeden Tag also den Berg rauf gelaufen, runter gelaufen, dann sind wir ins Bett. Und am nächsten Tag sind wir wieder gewandert, und dann sind wir an der Gail entlang gelaufen. Ja, also abends waren wir jetzt fix und fertig, dann sind wir halt in die Falle gegangen."

Sprecher:

Martin hat mit seinen Großeltern die Berge in Kärnten bestiegen und war danach fix und fertig. Der Vierzehnjährige will damit sagen, dass er nach dem Bergsteigen völlig erschöpft war. In der Jugendsprache ist die Redensart auch abgewandelt zu fix und foxi sein. Man kann sie sogar bis in die Goethe-Zeit zurückverfolgen. "Dazu sind wir fix und fertig, unsere Leute wollen längst rebellieren." Danach seien sie in die Falle gegangen, so Martin. Damit meint der Junge, er sei in sein Bett und schlafen gegangen. Für Vater Bernd Betz steht die Freiheit, die ihm sein Wohnmobil verspricht, an allererster Stelle, besonders im Urlaub.

Bernd Betz:

"Die Anschaffung ist also erst mal der große Brocken, aber die Freiheit ist mir das eigentlich schon wert. Man kann sich also frei bewegen, man kann also hier locker in der kurzen Hose sitzen, ja, man kann also mit nacktem Oberkörper frühstücken, was man also in 'nem Hotel nicht tun kann. Und beim Campen sind einem die Hände also net gebunden, sondern wir sind da wirklich locker."

Sprecherin:

Ein Wohnmobil sei nicht günstig, meint Bernd Betz, aber es lohne sich. Er spricht von einem großen Brocken und meint damit eine große Anschaffungssumme. Dafür seien ihm die Hände nicht gebunden. Ursprünglich bezog sich diese Redensart auf die Gebärde der Andacht. Auch Herbert Kramm macht seit 30 Jahren Urlaub mit dem Reisemobil. Der flexible Rentner hat die Liebe zu dieser Art des Reisens auch schon an die nächste Generation weitergegeben.

Herbert Kramm:

"Das Campen hat eigentlich so viel Spaß gemacht, die Kinder haben in der Zeit Schwimmen gelernt, sie waren natürlich im Element. Das hat sich auch weiter fortgesetzt, dass sie heute, wo sie selbst schon 'ne Familie haben, beim Campen geblieben sind."

Sprecher:

Herbert Kramm sagt, seine Kinder waren im Element. Dies bedeutet, sie haben sich wohlgefühlt. Die Redensart knüpft an die alte Lehre des griechischen Philosophen Empedokles von den vier Elementen an, aus denen sich alles – auch der Mensch – zusammensetzt, wobei in jedem Menschen das eine oder andere überwiegen kann. Vor Reisebeginn gibt es allerdings einiges zu beachten, weiß Herbert Kramm.

Herbert Kramm:

"Es ist natürlich sinnvoll gerade im Ausland, dass man sich in den Ferienzeiten Plätze reserviert. Sonst kann es einem passieren, dass man ankommt, keinen Platz bekommt, und damit hat man sein Fett weg. Aber es gibt auch Leute, die campen und sagen: 'So, jetzt feiere ich die Nacht durch, mich juckt das gar nicht, was die anderen auf dem Campingplatz machen'. Wenn man natürlich mal 'ne Nacht nicht zum Schlafen kommt, dann hat man schon 'nen Rochus auf den Nachbarn, die dort die ganze Nacht dann feiern."

Sprecherin:

Herbert Kramm versucht immer, großen Staus auszuweichen. Er fährt grundsätzlich nie zu Ferienbeginn los. Und nach einer schlechten Erfahrung reserviert er seinen Platz auf dem Campingplatz früh genug, denn damals hatte er sein Fett weg, er musste zwei Tage auf einen Platz warten, und das bei 30 Grad im Schatten. Sein Fett kriegen oder weghaben heißt, die verdiente Schelte oder Strafe erhalten. Dieser Redewendung liegt wohl ein Vergleich aus gemeinsamer Wirtschaftsgebarung zugrunde, etwa beim Schweineschlachten oder Buttermachen. Das Fürwort "sein" weist auf eine bestimmte zu erwartende Menge hin. Die Redensart: Mich juckt das gar nicht, die Herbert Kramm erwähnt, bedeutet‚ es ist mir vollkommen egal, es berührt mich überhaupt nicht. Auf die rücksichtslosen Nachbarn auf dem Campingplatz habe Kramm manchmal einen Rochus. Das soll heißen, er hat einen Groll, Zorn auf sie. Das Wort Rochus kommt aus dem Jiddischen: "rochus", "rauches". Aber oft hat der Kölner im Urlaub auch sehr nette Nachbarn.

Herbert Kramm:

"Man sieht die Leute, man grüßt sich, und im Laufe der Zeit kommt man sich auch näher, man spricht: 'Ja, was machst du beruflich?'. Und dann stellt man fest, da hat man plötzlich neben sich jemanden: Staatssekretär aus Österreich, völlig unbedarft – ein Mann so mitten aus dem Leben. Genauso 'nen Chefarzt von der Uniklinik in Neapel – Leute wirklich mitten aus dem Leben. Also, die sich gar nichts auf ihren Beruf oder irgendwie ihre Stellung einbilden, sondern mit denen man ganz normal umgehen konnte. Das ist eigentlich das Schöne am Campen."

Sprecher:

Menschen mitten aus dem Leben, so beschreibt Herbert Kramm den Staatssekretär und den Chefarzt aus Neapel. Er will sagen, dass diese Menschen trotz hoher sozialer Stellung ganz einfach geblieben sind. Immer mehr Menschen mit viel Geld, so Kramm, seien mit komfortablen Reisemobilen unterwegs. Die Zeit, dass nur mittellose Menschen campten, sei lange vorbei. Rolf Scheurer, Reisemobil-Händler und privater Besitzer eines Wohnmobils, nutzt seinen Wagen in den verschiedensten Situationen.

Rolf Scheurer:

"Mein Reisemobil nutze ich auch nicht nur privat, sondern auch beruflich, zum 'Caravan Salon' in Düsseldorf hat er mich aus der Schlinge gezogen, weil eben kein Hotel mehr verfügbar war. Ich fahr' sehr gerne Reisemobil, weil ich damit wirklich unabhängig bin, fast vogelfrei, kann man sagen. Ich muss mich nach niemandem richten im Reisemobil, kann nach der eigenen Pfeife tanzen."

Sprecherin:

Während der Caravan-Messe in Düsseldorf sind meistens alle Hotels ausgebucht. Rolf Scheurer erklärt, sein Reisemobil habe ihn aus der Schlinge gezogen, den Gefahren einer schwierigen Lage geschickt entgangen zu sein. Das heißt, den schon in die Schlinge geratenen Kopf noch herausziehen, bevor der Henker sie zuzieht. Diese Redensart ist von der Schlinge des Galgens hergeleitet. Mit vogelfrei will Scheurer sagen, er sei an nichts und niemanden gebunden. Diese Redensart tritt schon 1490 auf und bedeutete, völlig frei von Herrschaftsdiensten und somit frei wie ein Vogel in der Luft zu sein. Auch nach der eigenen Pfeife tanzen bedeutet hier, ganz unabhängig zu sein. Auch Axel Ruge ist begeisterter Reisemobilfahrer und hat – damit verbunden – in vielen Lebenslagen Vorteile.

Axel Ruge:

"Ja, es hat große Vorteile. Wenn man mal ein oder zwei über den Durst getrunken hat, hat man natürlich meist den Effekt, dass man ja alles doppelt und dreifach sieht. Und das Risiko, dass man dann den Lappen verlieren könnte, ist natürlich wesentlich geringer, weil man ja sein Schneckenhäuschen quasi dabei hat. Und die nächste Straße ist ja meist dann schon die richtige, und dann kann man sich gleich aufs Ohr legen."

Sprecher:

Axel Ruge trinkt gerne Rotwein und sagt, wenn er ein oder zwei über den Durst getrunken hat, also zu viel Rotwein getrunken hat, sieht er alles doppelt. Er meint damit, er sei betrunken. Dann ist es natürlich besser, wenn er nicht mehr mit dem Auto nach Hause fahren muss, denn dabei könnte er ja den Lappen verlieren. Mit Lappen ist umgangssprachlich der Führerschein gemeint, den man bei einer Verkehrskontrolle abgeben muss, wenn man zu viel Alkohol getrunken hat. Mit Schneckenhäuschen meint Ruge sein Wohnmobil. Und dort kann er sich dann gleich aufs Ohr legen, also beruhigt schlafen gehen. Falls es doch mal Probleme mit dem Reisemobil gibt, weiß Ruge, wird einem gerne in Werkstätten oder von Campingnachbarn geholfen.

Axel Ruge:

"Es gibt sehr viele helfende Hände. Es gibt erstens mal, sagen wir, die jeweiligen Vertragswerkstätten des jeweiligen Typs, den man gerade fährt, aber auch sonst kommt man da nicht in die Bredouille, weil: das ist 'ne eingeschworene Gemeinschaft. Erst einmal, die Camper untereinander sind sehr flexibel, helfen auch gerne, als auch Werkstätten da jederzeit bereit, mal unter die Arme zu greifen. Das ist also überhaupt kein Problem in dieser Welt. Ja, wenn da wirklich mal ein Problem auftritt, braucht man kein Blatt vor den Mund zu nehmen und kann direkt 'nen Nachbarn fragen, der nebendran steht, um Rat und Tat, und da ist auch jeder dazu bereit."

Sprecherin:

Axel Ruge spricht von helfenden Händen. Gemeint sind Menschen, die ihm bei der Reparatur des Wohnmobils helfen. So kommt man nicht in die Bredouille, sagt der Computerfachmann. Dies bedeutet, in Verlegenheit, in Bedrängnis, in der Patsche sein. Diese Redensart ist zu Beginn des 19 Jahrhunderts aus dem heute allerdings nicht mehr gebräuchlichen französischen "être dans la bredouille" entstanden. Der Ausdruck ist heute noch in der deutschen Umgangssprache geläufig. Ruge erklärt weiterhin, dass er kein Blatt vor den Mund nehmen muss. Er will damit ausdrücken, dass man sich ohne Scheu aussprechen kann, sich gerade heraus und rücksichtslos äußern kann. Diese Redewendung spiegelt eine alte Theatersitte wider. Die Schauspieler machten sich unkenntlich, indem sie Blätter vor ihr Gesicht hielten. Sie konnten dann Anliegen vorbringen, ohne später dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Mit Rat und Tat zur Seite stehen oder helfen heißt, mit allen einem zur Verfügung stehenden Mitteln helfen. Axel Ruge ist so begeistert vom Leben im Mobil, dass er auch zwischen den Urlaubsreisen noch auf Rädern leben möchte.

Fragen zum Text

Etwas, das man ganz besonders toll findet, ist …

1. ein Brocken.

2. eine Wucht.

3. ein Lappen

Was ist kein anderer Ausdruck für "ins Bett gehen"?

1. sich aufs Ohr legen.

2. in die Falle gehen

3. sich ins Schneckenhäuschen zurückziehen

Wer kein Blatt vor den Mund nimmt, der …

1. isst keinen Salat

2. liest nicht gerne

3. spricht ohne Scheu

Arbeitsauftrag

Wie sähe Ihr Urlaub aus, wenn Sie mit dem Wohnmobil unterwegs wären? Erzählen Sie und benutzen Sie dabei den Konjunktiv II.

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