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Sport

Unterwegs in Sachen Lächeln

Deutschland soll zur WM Freundlichkeit lernen. Dafür wurde Anfang März eine Kampagne gestartet. Peter Dambach kämpft schon lange um das deutsche Lächeln. Ein Besuch an der Front.

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Geht doch!

"Wir Deutschen gelten als nicht besonders freundlich", sagte Christoph Bergner, der parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, zum Start einer bundesweiten Service- und Freundlichkeitskampagne zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 am Montag (6.3.) in Berlin. Kaum 90 Tage vor dem Eröffnungsspiel appellieren Bundesregierung und das deutsche WM-Organisationskomitee in Berlin an die Gastfreundschaft der Deutschen. "Diese Kampagne richtet sich nicht nur an professionelle Bereiche, sondern an jeden Einzelnen", sagt Bergmann. Die Zeit drängt - denn Lächeln will in Deutschland gelernt sein.

Kann man Gastfreundschaft lernen?

Goleo fährt Bahn

Der freundliche Goleo fährt Bahn

Wer könnte dies besser wissen als Peter Dambach. Auch er meint: Gastfreundschaft kann man lernen. Der 46-Jährige ist Freundlichkeitstrainer und bringt sogar den als besonders unfreundlich berüchtigten Mitarbeitern der Bahn das Lächeln bei. Gute Freunde für die Gäste aus aller Welt sollen die Bahner während der Fußball-WM sein. "Bis die WM beginnt, wird jeder Bahner mit diesem Fußball-Virus infiziert sein", meint er. "Aha, da kommt ein Großereignis auf uns zu. Wir sind nicht nur nationale Förderer, sondern wir möchten da auch einen guten Job machen."

Aber nicht nur die Eisenbahner können in den Genuss der Charme-Schulung kommen. Für den Confederations Cup schulten Dambach und seine Mitarbeiter 2000 Volonteers, Freiwillige, die rund um die Stadien der WM-Generalprobe Zuschauer, Ehrengäste und Journalisten betreuten. "Und dann schulen wir auch extern viele Menschen, die im direkten Kundenkontakt sind, also Dienstleister bei der WM 2006." Immerhin spricht man von 180.000 Menschen, die bei der WM direkten Kundenkontakt haben. Kann man denen allen Freundlichkeit einbimsen? "Was wir schulen, ist einfach das Motto der WM ´Die Welt zu Gast bei Freunden.´ Ein sehr schönes Motto - aber sie müssen das auch leben."

Eigen- und Fremdwahrnehmung

"Der erste Eindruck entscheidet", ist Dambachs Credo. Um den berühmten ersten Eindruck zu testen, hat der Schulmeister der Freundlichkeit ein Spiel konstruiert. Die Mitspieler, die sich untereinander nicht kennen, müssen sich gegenseitig einschätzen: Wohin fährt der andere in Urlaub, welchen Job hat er, was für ein Auto, welche Hobbys und so weiter. Danach muss jeder schätzen, wie ihn die anderen gesehen haben. Dabei fällt das Ergebnis von Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung mitunter sehr verschieden aus. Dambach hat das auch mitgemacht. Resultat: "Ich dachte, ich sehe dynamischer aus. Scheinbar habe ich gewirkt, als wenn ich im Urlaub in den Bayerischen Wald fahren würde, was ich absolut nicht mache."

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Er kann es

Von der Charme-Offensive soll natürlich auch die Wirtschaft, insbesondere der Tourismus profitieren. Denn: Wer freundlich in Deutschland begrüßt wird, der kommt auch gerne wieder. Für Dambach eine einmalige Chance. Alle, die während der WM mit Gästen zu tun haben, sollen für die Zeit des Turniers einmal über ihren Tellerrand hinausschauen, fordert Dambach. Zugbegleiter, Taxifahrer, Kellnerinnen sollen gemeinsam das WM-Motto mit Leben füllen. Er empfiehlt, sich dafür an der deutschen Nationalmannschaft ein Beispiel zu nehmen: "Der eine spielt bei Dortmund, der nächste bei Bayern. Im Moment spielen die alle noch gegeneinander, aber bei der WM halten sie dann zusammen."

Dass es danach wieder gegeneinander geht - davon muss man ja heute noch nicht reden.