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Geschichte

Unterwegs in der Heimat

Der Eiserne Vorhang zwischen Ost und West war für die DDR-Bürger unüberwindbar. Aber ihre Reiselust haben sie sich davon nicht verderben lassen – eher im Gegenteil.

FDGB-Erholungsheim Frieden Zempin 1988 (Foto: Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR e.V. Eisenhüttenstadt)

Urlaubsgrüße aus Zempin

Auch wenn Urlaub nur im eigenen Land und in den sogenannten sozialistischen Bruderländern wie Ungarn, Polen oder der Tschechoslowakei möglich war: Rund 80 Prozent der DDR-Bevölkerung sind in die Ferien gefahren – deutlich mehr als in Westdeutschland.

Bis Ende der 1970er-Jahre machten die meisten DDR-Bürger mit Staatshilfe Urlaub, entweder über den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) oder über ihren Betrieb. Dank hoher staatlicher Subventionen war der Urlaub sehr günstig. Doch spätestens in den 80ern ist rund die Hälfte der Urlauber trotzdem lieber auf eigene Faust unterwegs: Mit dem voll gepackten Trabi geht’s dann zum Zelten an die Ostsee, nach Polen oder an den ungarischen Plattensee. Ein Vorteil: Ruhe vor dem Staat.

Hamburg statt Hawaii

Nach dem Fall der Mauer steht den ehemals Eingesperrten plötzlich die ganze Welt offen. Doch statt die Flieger in Richtung Rio, New York oder Tokio zu stürmen, entscheiden sich viele für ganz nahe liegende Ziele: Es geht nach Hamburg oder Heidelberg, in die Alpen oder nach Paris. Dafür gibt es einen guten Grund: "Keiner wusste, wie es genau weitergeht. Und in solch unsicheren Zeiten, in denen keiner weiß, ob es den eigenen Arbeitsplatz nächste Woche noch gibt, macht niemand eine weite Reise", so der Soziologe Harald Schmidt. Er erforscht seit 20 Jahren das Reiseverhalten der Ostdeutschen.

Hauptsache Erholung

Möwen sitzen auf Strandkörben an der Ostseeküste (Foto: AP)

An der Ostseeküste

Die Zurückhaltung schwindet Mitte der 1990er-Jahre. Mehr Menschen reisen auch zu fernen Zielen auf anderen Kontinenten. Am liebsten ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten – in die USA. Aber auch jetzt unternehmen deutlich weniger als zehn Prozent der Ostdeutschen einen Trip in weit entfernte, exotische Länder. Und das liegt nicht nur daran, dass sich längst nicht jeder eine so teure Reise leisten kann. Viele haben dazu nach Ansicht von Harald Schmidt einfach keine Lust. Für sie ist die Reise zu strapaziös, sind die Vorbereitungen zu aufwändig, und das Fremde in der Ferne interessiert sie einfach nicht. Die meisten wollen im Urlaub vor allem Sonne, Strand und Erholung. Und schöne Badestrände findet man eben auch an der spanischen Costa Blanca oder der italienischen Adria.

Deutschland auf Platz Eins

Viele Ostdeutsche verbringen ihren Urlaub heute tatsächlich im Ausland, doch auf Platz Eins der Reiseländer steht nach wie vor mit deutlichem Abstand: Deutschland. Und hier entscheiden sich die meisten für ein Ziel, das schon vor der Wende zu den beliebtesten zählte: die weißen Strände der Ostseeküste.


Autor: Axel Primavesi
Redaktion: Claudia Unseld