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Europa

Unterwegs in den "Schwarzen Dörfern"

Das Dorf Campillo de Ranas hat nur 50 Einwohner, doch ganz Spanien kennt es. Zum einen liegt das an der Schönheit des "Schwarzen Dorfes", zum anderen an dem Bürgermeister, der homosexuelle Pärchen traut.

Blick auf die Straße in einem Dorf, an der Häuser aus schwarzem Stein stehen (Foto: Cornelia Derichsweiler)

In den Dörfern ist alles schwarz

Im winzigen Rathaus von Campillo de Ranas wird gerade eine Hochzeit gefeiert. Zwei Männer geben sich das Ja-Wort. Das ist keine Seltenheit in Campillo: Der Ort ist in ganz Spanien als "Mekka" für schwule Hochzeitspärchen bekannt. Das liegt auch daran, dass Bürgermeister Francisco Maroto selbst schwul ist. Als in Spanien ein Gesetz eingeführt worden sei, das die Homo-Ehe legalisierte, hätten viele Bürgermeister gesagt: "Wir trauen keine Schwulen Paare", erzählt er. Er sah das anders. Inzwischen habe er mehr als 100 Paare getraut - aber nicht alle seien schwul gewesen, fügt er hinzu.

Wohlstand und Berühmtheit

Ein Mann lehnt in seinem Haus an der Fensterbank (Foto: Cornelia Derichsweiler)

Bürgermeister Francisco Maroto wohnt im "Schwarzen Dorf"

Neben diesen Hochzeitsfeiern locken aber auch die Dörfer selbst. Ihr Anblick ist bemerkenswert, denn alles hier ist schwarz, aus dunklem Schiefer gebaut: Dächer, Mauern, Straßenpflaster. Bürgermeister Francisco Marato ist vor mehr als 20 Jahren als einer der ersten hergekommen. Damals waren die Dörfer jedoch halb verfallen. Gemeinsam mit Freunden hat er die Orte restauriert.

Unter der Woche herscht in Campillo ländliche Ruhe. Am Wochenende aber füllen sich die "Schwarzen Dörfer" mit Ausflüglern und Hochzeitsgästen. In einer der rustikalen Herbergen wird gerade eine Hochzeitstafel gedeckt. "Das Besondere dieser Hochzeiten in Campillo ist, dass es keine Express-Hochzeiten sind, sondern solche, die man ein ganzes Wochenende lang feiert", erklärt Geschäftsführer José Antonio Reig. Pro Hochzeitspaar reisen zwischen 50 und 100 Gäste mit in die "Schwarzen Dörfer". Das sei gut fürs Geschäft, sagt Maroto.

Ein Dorf im See

Ein Wasserfall stürzt einen schwarzen Berg hinunter (Foto: Cornelia Derichsweiler)

Nicht nur die Dörfer, auch die Natur um sie herum beeindruckt

Auch viele gestresste Großstädter suchen in den "Schwarzen Dörfern" die Ruhe. "Je weiter du diese winzige Landstraße ins Tal hineinfährst, desto mehr lässt du die Welt der großen Städte hinter dir. Denn jedes Dorf ist kleiner als das vorherige. Und in jedem Dorf gibt es weniger als im vorherigen", sagt Carlos, der mit seiner Familie aus Madrid gekommen ist. Geschäfte gibt es in den "Schwarzen Dörfern" nicht, nur einen Laden für Kunsthandwerk und ein paar Tavernen.

Dafür aber gibt es ringsherum jede Menge Natur mit mächtigen Bergen und rauschenden Wasserfällen. Hinter einem der Wasserfälle liegt der einsamste Ort der "Schwarzen Dörfer": La Vereda. Man erreicht ihn nur über eine holprige Schotterpiste. Der Ort sei schon seit Jahrzehnten verlassen, sagt Maroto. Das Dorf bestehe eigentlich nur noch aus Ruinen. "Aber es liegt in einer großartigen Landschaft. Um dorthin zu gelangen, muss man an einem See entlanggehen. Und auf dem Grund dieses Sees siehst du ein weiteres versunkenens Dorf, das da unten im Wasser ruht."

Autorin: Cornelia Derichsweiler

Redaktion: Julia Kuckelkorn

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