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Wissen & Umwelt

Untersee-Roboter für Suche nach Flug MH370

Drei unbemannte U-Boote sind bestens für die Suche nach dem Malaysia Airlines-Flugzeug gerüstet. 2009 hatten sie bereits einen Air France-Jet im Atlantik gefunden. Einer der Roboter kommt aus Deutschland.

Der Tauchroboter Abyss des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung wird von einem Schiff zu Wasser gelassen (Foto: GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung).

Nachdem der Tauchroboter Abyss das Schiff verlässt, ist er einen Tag auf sich gestellt

Die Hinweise, dass eine Boeing 777 der Malaysia Airlines am 8. März 2014 im südindischen Ozean abgestürzt ist, verdichten sich. Zuerst waren mögliche Wrackteile etwa 2000 Kilometer westlich der australischen Stadt Perth auf Satellitenbildern gesichtet worden. Dann erhärtete die malaysische Regierung am 24. März den bestehenden Verdacht: Sie erklärte, dass die Britische Flugunfalluntersuchungsbehörde AAIB Signale des Unglücksflugzeuges an Satelliten des Betreibers Inmarsat ausgewertet habe. Auch diese deuteten auf einen

Absturzort in der Region

hin.

Ein Modell des Tauchroboters Abyss (Foto: GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung).

Unterhalb des Tauchroboters sind Sonar-Sensoren angebracht, die den Boden großflächig abtasten

Sollten Suchmannschaften jetzt auch noch Wrackteile finden, die eindeutig dem Flug MH370 zuzuordnen sind, könnte der Absturzort weiter eingegrenzt werden. Experten würden zunächst versuchen, herauszufinden, woher die Meeresströmung sie wahrscheinlich seit dem Unglück getrieben hat. Später könnte dann ein weltweit einzigartiges Team

autonomer Unterwasserroboter

vom Typ Abyss zum Einsatz kommen.

Drei Zigarren auf gemeinsamer Suche

Drei dieser zigarrenförmigen Autonomen Unterwasserfahrzeuge (AUVs) gibt es auf der Welt. Eins gehört dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel und zwei der Woods Hole Oceanographic Institution bei Boston (USA). Die drei schwarmintelligenten Roboter sind die einzigen, die gemeinsam bis zu einer Tiefe von 6000 Metern den Meeresboden systematisch absuchen und ihn dabei so detailgenau kartographieren können, dass sogar ein Gegenstand von der Größe einer Schuhschachtel noch sichtbar wird.

Karte des Mittelatlantischen Rückens erstellt mit einem Sidescan Sonar vom Tauchroboter Abyss des IFM Geomar (Foto: GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung).

Der Mittelatlantische Rücken wurde bei der Suche nach dem abgestüzten Air-France -Jet so genau vermessen wie kein anderer Teil der Weltmeere

GEOMAR-Direktor Peter Herzig erklärte gegenüber der Deutschen Welle, dass zwar noch keine Anfrage zur Suche nach MH370 vorliege, er habe aber mit der Leiterin der Partnerorganisation in Boston bereits Kontakt aufgenommen. Beide seien bereit, mit ihren Abyss-Robotern zu helfen.

Ein erfahrenes Team aus Kiel und Boston

Dass sie es können, haben GEOMAR und Woods Hole bereits nach dem

Absturz eines Airbus der Air France

am 1. Juni 2009 bewiesen: Etwa 2000 Quadratkilometer südatlantischen Meeresboden haben die drei AUVs in zwei separaten Suchexpeditionen jeweils in den Monaten März und April der Jahre 2010 und 2011 kartographiert. Ganz am Rande des Suchgebietes fanden die Roboter dann am 4. April 2011 das gesuchte Wrack in gut 4000 Metern Wassertiefe.

Peter Herzig, Direktor des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung vor einem fernsteuerbaren Tauchroboter (Foto: GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung).

GEOMAR-Direktor Peter Herzig ist bereit, bei der Suche nach MH370 zu helfen

Die Lehre daraus: Die Suche kann nur dann Erfolg haben, wenn die Forscher eine genaue Vorstellung vom Absturzort entwickeln können. "Wenn die Modellierung zuverlässiger gewesen wäre, hätte man wahrscheinlich auch viel Suchzeit einsparen können", sagt Peter Herzig, "aber es ist immer noch erstaunlich, dass das Suchgebiet am Ende noch so gut eingegrenzt werden konnte".

Dreidimensionale Karten

Ausgestattet sind die drei AUVs mit Sidescan-Sonar. Das sind Echolot Sensoren, die unten rechts und links am Rumpf des U-Bootes angebracht sind, und ein dreidimensionales Bild des Meeresbodens entwerfen. Da die drei Unterwasser-Fahrzeuge miteinander in Verbindung stehen, können sie ihre Routen so legen, dass sie sich gegenseitig ergänzen. Jedes AUV kann pro Tag bei 3,5 Knoten oder fünf Stundenkilometern eine Strecke von etwas über 100 Kilometern zurücklegen. Dabei schwebt es 25 bis 50 Meter über dem Meeresboden.

Den Streifen, den es abscannen kann, ist je nach Topografie bis zu 100 Metern breit. In einem Durchlauf von 24 Stunden schaffen die drei AUVs also etwa 30 Quadratkilometer. Dann steigen sie auf und senden ihren Standort an ein Schiff, das sie einsammelt, die Daten ausliest und es mit frischen Batterien versorgt.

Während der Fahrt, kann das Schiff nur noch im Notfall Steuersignale an das U-Boot schicken. Zum Glück ist das fast nie nötig. "Das ist ein Gerät, das viele Einsätze gesehen hat, und auf das wir uns im Prinzip verlassen können", sagt Herzig, "aber hundertprozentig sicher, dass es immer wieder hochkommt, ist man natürlich auch nicht".

Meeresbodenkarte, erstellt mit einem Sidescan Sonar vom Tauchroboter Abyss des IFM Geomar (Foto: GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung).

Die Karten zeigen nicht nur Höhenprofile, sondern auch die Beschaffenheit des Bodens

Metall, Stein oder Sediment?

Nicht nur die Form des Untergrundes kann der Sidescann-Sonar erkennen. Auch die Dichte der dort vorhandenen Materialien. "Vor allem können wir unterscheiden zwischen Gestein, Sedimentablagerungen, Metall oder Kunststoff", erklärt der Institutsleiter.

Für den Geologen Herzig haben derartige Suchmissionen deshalb auch noch eine Bedeutung die über die Aufklärung der eigentlichen Flugtragödien hinausgeht: "Diese 2000 Quadratkilometer sind das bestkartierteste Stück Meeresboden der Welt." Und das war durchaus ein Gewinn für die Wissenschaft. "Wir haben gesehen, dass es viel mehr kleine Erhebungen gibt: Risse und Klüfte. Alles ist viel differenzierter als es den Anschein hat, wenn man solche Karten von einem Schiff aus macht, das vier Kilometer oberhalb des Meeresbodens fährt."

Hat man dann noch weitere geologische Informationen, können solche Detailkarten auch bei der möglichen Suche nach Rohstoffen helfen. "Zwar kann man auf den Karten nicht direkt sehen, ob dort zum Beispiel ein Gestein oder ein Metallerz vorliegt, aber diese Hinweise ergeben sich oft aus den Rahmenbedingungen, die man hat."

Zunächst wartet der GEOMAR-Direktor aber noch auf einen Auftrag zur Suche nach MH370. Die Zwischenzeit nutzen seine Kollegen, indem sie notwendige Wartungsarbeiten am Abyss-Roboter durchführen - damit er auch sicher einsatzbereit ist, wenn die Anfrage kommt. Zum Beispiel bekommt er nach fünf Jahren im Einsatz erstmals wieder neue Batterien. Und die kommen bei einem Preis von 330.000 Euro nicht gerade billig.

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