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Wirtschaft

Unternehmerinnen sind für die Quote

In deutschen Konzernen sind immer noch mehr männliche als weibliche Führungskräfte zu finden. Im Mittelstand hingegen, der sich überwiegend aus Familienbetrieben zusammensetzt, sind Frauen an der Spitze nicht selten.

Gruppenstrukturen, symbolisch dargestellt mit bunten Spielfiguren: Reihe mit Andersartigem

Eine unter vielen Männern: die Frau in der Chefetage

Printen sind ein Gebäck, das seinen Ursprung in Aachen hat. Die zahlreichen Printen- und Schokoladenhersteller in und um die Domstadt haben im Winter, vor allem in der Weihnachtszeit, besonders viel zu tun. Die würzigen Leckereien sind allerdings das ganze Jahr über zu haben. Auch bei der Bäckerei Bruns, in Baesweiler nahe Aachen, herrscht in diesen Wochen Hochbetrieb.

Martina Bruns mit zwei Verkäuferinnen hinter der Ladentheke (Foto: DW)

Martina Bruns mit zwei Mitarbeiterinnen

Martina Bruns ist erst seit einigen Jahren die Chefin im elterlichen Betrieb, der insgesamt 25 Mitarbeiter beschäftigt. Bruns ist für den Vertrieb und das Marketing zuständig. Die 48-jährige hat mehrere Jahre für international tätige Unternehmen gearbeitet und kehrte mit vielen Erfahrungen in das Familienunternehmen zurück. Seitdem sie wieder da ist, sind Bruns-Printen auch im Onlinehandel zu bekommen. Das Geschäft floriert: "Ich habe sehr viel gelernt in einem amerikanischen Unternehmen, wo es eigentlich fast nur Männer im Management gab", sagt Bruns. Dort war sie Marketingleiterin für die deutschsprachigen Länder und leitete ein europäisches und ein weltweites Projekt. "Da muss man als Frau schon tough und diszipliniert sein", und wie sie schmunzelnd hinzufügt: "ruhig auch ein bisschen frech!" Es sei nicht verkehrt, wenn man als Frau fordernd ist.

Eine Datenbank für Top-Frauen

Dass Frauen die Geschicke von Familienfirmen lenken, scheint heute Normalität zu sein. Die Traditionsunternehmen stehen damit besser da als die Großkonzerne, wo nur wenige Frauen in Spitzenpositionen zu finden sind. Martina Bruns ist Mitglied im Verband deutscher Unternehmerinnen – kurz VdU. Ein Netzwerk, das sie für sehr wichtig hält, um Kontakte aufzubauen und Initiativen zu starten. Eine Initiative "Stärkere Präsenz von Frauen in Aufsichtsgremien" ist gerade angelaufen. Der VdU baut eine Datenbank für Top-Frauen auf und bietet Seminare für angehende Aufsichtsrätinnen an. Mindestens 150 Spitzenkräfte sollen bis 2013 den Personalvorständen großer Konzerne zur Verfügung stehen. Schließlich sind gerade mal knapp 10 Prozent aller Aufsichtsratsmandate der 200 größten deutschen Unternehmen in weiblicher Hand.

Der Spitzenjob fordert Spitzenleistung

Dr. Barbara Deilmann, Gesellschafterin von Baker & McKenzie in Düsseldorf (Foto: Deilmann)

Rechtsanwältin Barbara Deilmann

Führungsstark, krisenerprobt und auslandserfahren, das sind nur einige Kriterien, die große Unternehmen an ihre "Top-Männer" oder "Top-Frauen" stellen. Eine solche ist Barbara Deilmann. Die Rechtsanwältin ist Gesellschafterin von Baker & McKenzie in Düsseldorf. Die Wirtschaftskanzlei agiert weltweit, verfügt über 3.900 Anwälte an 67 Standorten. Öffentliches Recht, Banken- und Finanzrecht sind einige der Arbeitsfelder, wo weltweites know-how gefragt ist: "Man muss schon sehr viel Begeisterung dafür mitbringen, sehr viel Einsatz, weil Frauen doch immer noch mit einer doppelten Belastung, mit Familie und Beruf, zu kämpfen haben. Und sie müssen schon sehr, sehr viel Engagement mitbringen und auch einen gewissen Frustrationsgrad aushalten können, um das zu machen."

Ein gesundes Selbstbewusstsein gehöre natürlich auch dazu, wenn "frau" an die Spitze rücken will, sagt Deilmann. Nur darauf zu warten, dass die Fähigkeiten "entdeckt" werden, das sei die falsche Strategie. Frauen müssten lernen, sich besser "zu verkaufen". In diesem Punkt seien die Männer besser, sagt Deilmann: "Sie vermarkten sich einfach besser, sie trauen sich zum Teil mehr zu als Frauen. Frauen gehen so mehr nach der Devise, je größer die Insel des Wissens, umso länger die Küste des Zweifels."

Selbstverpflichtung der deutschen Wirtschaft

Barbara Deilmann spricht sich – wie der gesamte Verband der Unternehmerinnen – für eine Frauenquote in Unternehmen aus. Sie sei früher immer der Auffassung gewesen, sagt sie, dass eine Quote nicht nötig sei. Gut qualifizierte Frauen schafften es auch so in die Chefetage. Doch mittlerweile denkt die Endvierzigerin anders. An einer Frauenquote führe kein Weg vorbei. Die deutsche Wirtschaft habe sich zwar in diesem Sommer selbst verpflichtet, mehr Frauen in Führungspositionen einzustellen. Nun müsse dies aber auch praktiziert werden, sagt Deilmann. Denn eine Selbstverpflichtung der Unternehmen sei allemal besser, als eine Frauenquote, die der Gesetzgeber festschreibt. Sie werde den Unternehmen möglicherweise weniger Spielraum lassen, befürchtet Barbara Deilmann.

Autorin: Monika Lohmüller

Redaktion: Sabine Faber