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Wirtschaft

Unternehmen trauen sich wieder an die Börse

Nachdem der Deutsche Aktienindex in diesem Jahr schon zweistellig zugelegt hat, trauen sich wieder mehr deutsche Unternehmen an die Börse. Doch die Anleger sind vorsichtig geworden.

Handelssaal der Frankfurter Börse

Da wollen viele hin:
Handelssaal der Frankfurter Börse

Ein dicker Fisch ist der Börse vorenthalten geblieben, die Landesbank Berlin. Der Sparkassenverband hatte mehr geboten, als das Land Berlin von einem Börsengang ihrer Bank erwartet hatte. Also wurde nicht über die Börse verkauft. Die RAG - einst Ruhrkohle AG - dagegen, jedenfalls der so genannte "weiße Bereich" mit den Geschäftsfeldern Spezialchemie, Kraftwerksbau und Immobilien, die soll an die Börse kommen. Das Angebot eines Finanzinvestors von acht Milliarden Euro bleibt außen vor.

Grundsätzlich positive Stimmung

Die Börse ist also wieder zu einem Finanzierungsinstrument auch für große Transaktionen geworden. Manch kleinerem Unternehmen dagegen ging schon mal die Luft aus, als der Deutsche Aktienindex eine schnelle, starke Konsolidierungsphase hinter sich hatte. Der Entwickler von Einzelhandelskomplexen, Boetzelen, hatte den für Mitte Juni geplanten Börsengang abgesagt und auf später verschoben. Jürgen Hackenberg, der Experte für Neuemissionen bei der Fondsgesellschaft Union-Investment, erklärte den Rückzug des Berliner Immobilienunternehmens mit der Branche, die in diesem Jahr deutlich schlechter gelaufen sei als im vorigen. Die Anleger seien kritischer geworden.

Doch grundsätzlich sei die Stimmung bei den Neu-Emissionen - im Börsenjargon IPOs genannt - nicht schlecht. Die Investoren kauften aber nicht mehr nur eine Idee, wie vor sieben Jahren, als alles, was dot.com im Firmennamen hatte, ein Renner zu werden versprach - bis die Börse zusammenbrach und viele dot.coms pleite gingen. Die Anleger schauten genau hin, sagt Hackenberg, und ließen dann eben auch mal ein Papier fallen.

Ernüchterung nach Börsengang

Auch wenn der Börsengang geschafft ist, bleibt Ernüchterung oft nicht aus. Die bisher größte Neu-Emission des Jahres war die von Gerresheimer Glas. Der Verpackungshersteller wollte fast eine Milliarde Euro von der Börse: Der Altaktionär, der Finanzinvestor Blackstone, wollte aussteigen und außerdem mussten Schulden getilgt werden. Geld für neue Geschäfte, für neue Investitionen oder andere Expansionsideen wurde also nicht gesucht. Das sei auch nicht nötig, sagte der Vorstandsvorsitzende Axel Herberg, denn unter der Regie des Finanzinvestors habe sich Gerresheimer auf Glasverpackungen für die Pharmaindustrie spezialisiert. An einer "Heuschrecke“ als Großaktionär habe er nichts zu kritisieren.

Doch die Finanzinvestoren kennen auch die Preise. 40 Euro wollten sie für die Gerresheimer-Aktie. Von den Investoren bekamen sie die auch. Doch die Börse lieferte diesen Kurs nur einmal: zum Start am ersten Handelstag. Danach fiel der Kurs in Richtung 39 Euro. Auch die anderen sechs Unternehmen, die von Finanzinvestoren in diesem Jahr an die Börse gebracht wurden, bestanden den Markttest nicht: Nach dem Börsengang fielen die Kurse, beim Telekomunternehmen Versatel gar um rund 20 Prozent.

Investoren wollen "neue Geschichten"

Flugzeugtriebwerk

Auch Tognum (ehemals MTU Friedrichshafen) will an die Börse

Insgesamt sind bisher in diesem Jahr 13 neue Aktien an den stark regulierten und deshalb weitgehend transparenten Prime Standard der Deutschen Börse gekommen. Weitere stehen Schlange. Jürgen Hackenberg von Union-Invest sagt, was Investoren sehen wollen: "Am meisten reizt den Investor eine neue Geschichte, eine neue Thematik, eine Marktnische, Margenverbesserungen, das sind die besten Stories."

Die Geschichte von Tognum entspricht dem nicht unbedingt. Denn hinter dem neuen Namen verbirgt sich die alte MTU Friedrichshafen (Motoren- und Turbinen-Union). Die bauen immer noch so was Solides wie Dieselmotoren. Und der Verkäufer ist eine Heuschrecke. Die Börse ist gespannt, ob die Aktie kommt und wie teuer sie sein wird.

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