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Wirtschaft

Unternehmen spüren Gegenwind

Die Unternehmen sind wieder pessimistischer, meldet das Ifo-Institut, und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag nimmt seine Wachstumsprognose zurück. Gegenwind kommt vor allem aus dem Ausland.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Oktober eingetrübt, das ergab der heute veröffentliche ifo-Geschäftsklimaindex. Fällt der Index drei Mal hintereinander, gilt das als Anzeichen für einen möglichen Abwärtstrend in der Konjunkturentwicklung. Im Oktober ist der Index nun das sechste Mal in Folge gefallen. Und das unerwartet deutlich von 104,7 auf 103,2 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter 7.000 Managern mitteilte. Das ist der tiefste Stand seit Dezember 2012.

"Die konjunkturellen Aussichten haben sich nochmals verschlechtert", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Führungskräfte schätzten sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter ein als zuletzt. Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft.

In den einzelnen Branchen fielen die Ergebnisse unterschiedlich aus. Im Großhandel und bei den Dienstleistern hellte sich die Stimmung auf, im Einzelhandel und im Baugewerbe sowie vor allem in der Industrie trübte sie sich dagegen ein. "In der Industrie gibt es kaum Lichtblicke", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Allein die Exporterwartungen seien gestiegen. Es bleibe jedoch abzuwarten, ob dies nur ein Strohfeuer sei. Der Euro hat zuletzt zum Dollar deutlich an Wert verloren, was deutsche Produkte in vielen Ländern attraktiver macht.

Prognosen korrigiert

Angesichts der Verunsicherung durch zahlreiche Krisen wie in der Ukraine und im Nahen Osten haben viele Experten ihre Wachstumsprognosen zuletzt deutlich nach unten korrigiert. Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erwartet im kommenden Jahr weniger als ein Prozent Wirtschaftswachstum und ist damit deutlich pessimistischer als die Bundesregierung.

Der DIHK nahm seine Schätzung für Deutschland am Montag auf 0,8 Prozent zurück, nachdem er bisher von 1,5 Prozent ausging. Für das laufende Jahr senkte der Verband seine Prognose auf 1,3 (Mai: 2,0) Prozent. Die Bundesregierung hatte ihre Schätzungen jüngst auf 1,2 Prozent für dieses und 1,3 Prozent für nächstes Jahr reduziert.

Als Gründe für die Korrekturen nannte der DIHK vor allem weltweite Krisen wie etwa in der Ukraine. "Der außenwirtschaftliche Gegenwind wird stärker", hieß es. Aber auch hausgemachte Faktoren belasteten. "Das Risiko Wirtschaftspolitik gewinnt wieder an Bedeutung", so Martin Wansleben DIHK-Hauptgeschäftsführer. Er forderte die Bundesregierung zu einem Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik auf, denn viele Gesetze brächten Lasten für Unternehmen mit sich, so die Rente mit 63 Jahren und der Mindestlohn. Besser für die Unternehmen seien Steuererleichterungen.

Exporte leiden, Konsum abgebremst

Die Konjunkturumfrage des DIHK unter rund 27.000 Unternehmen ergab auf breiter Front teils massive Verschlechterungen – etwa bei der Bewertung der Geschäftslage, der Aussichten, der Exporterwartungen sowie bei den Investitions- und Beschäftigungsplänen. So rechnen nur noch 21 Prozent der Betriebe mit geschäftlichen Verbesserungen in nächster Zeit - im Mai waren es noch 29 Prozent. Verschlechterungen befürchten inzwischen 15 Prozent der Betriebe, im Mai waren es elf Prozent.

Sorge bereitet etlichen Betrieben das Geschäft mit Russland. Auch die Ebolakrise drückt auf die Stimmung. Eine schwächelnde Wirtschaft in Frankreich und Italien bremst die Entwicklung der Exporte in den Euroraum, auch wenn sich die Konjunktur in den meisten Volkswirtschaften weiter erholt. Zumindest zeigen sich die Absatzmärkte in den USA und China erfreulich robust. Beide Länder tragen wesentlich zu einem insgesamt soliden Fundament der Weltkonjunktur bei. Auch der schwächere Euro begünstigt die Exporte.

Auch der private Konsum wird nachlassen, glaubt man beim DIHK. Im Einzelnen rechnet die Organisation beim privaten Konsum dieses Jahr nur noch mit einem Zuwachs von 0,8 Prozent - das ist ein Prozentpunkt weniger als im Mai. Die Bruttoanlageinvestitionen würden mit 2,8 Prozent nur halb so stark zulegen wie noch im Frühsommer veranschlagt. Bei den Exporten liegt die neue Schätzung nun ebenfalls bei 2,8 Prozent. Im Frühsommer war noch von einem Plus von vier Prozent die Rede, im August dann von "bestenfalls 3,5" Prozent.

iw/wen (rtrd, DIHK, dpa)