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Wirtschaft

Unternehmen rufen nach dem Staat

Insgesamt 115 Milliarden Euro hat die Regierung im Wirtschaftsfonds für Deutschland bereitgestellt, um Unternehmen mit Krediten und Bürgschaften zu helfen. Am Anfang war die Nachfrage gering - das scheint sich zu ändern.

Symbolbild Kleingeld

Vielen Unternehmen geht das Geld aus

Logo der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Frankfurt (Quelle: dpa)

Ein Drittel der Firmen spüren die Kreditklemme

Nicht nur dass die Banken sich untereinander weniger oder kein Geld mehr leihen, sie geben auch Firmen nicht mehr so schnell Kredite. Das bekommt inzwischen jedes dritte Unternehmen in Deutschland zu spüren, so das Ergebnis einer Umfrage der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). 3200 Firmen wurden dafür befragt. Insgesamt hätten die Finanzierungsprobleme "massiv und gravierend" zugenommen, so Norbert Irsch, der Chefvolkswirt der KfW-Bankengruppe. Und er fürchtet, die Situation werde sich in den nächsten Monaten weiter verschärfen. Besonders kleine, sehr große und junge Firmen seien betroffen.

Für die Firmen ist das ein großes Problem. Sie können nicht mehr investieren und kommen in Zahlungsschwierigkeiten, wenn die Umsätze wegbrechen. Wenn aber die Wirtschaft sich aus dem Loch der Rezession befreien soll, dann muss der Geldfluss wieder in Gang kommen. Dafür plant die Bundesregierung eine Bad Bank (siehe angehängter Artikel) und sie will für bestimmte Unternehmen bürgen oder ihnen Kredite gewähren.

Schon im ersten Konjunkturpaket waren 15 Milliarden Euro für Kredite an Unternehmen bereitgestellt worden. Mehr gab es im zweiten Konjunkturpaket, genauer im sogenannten Wirtschaftsfonds Deutschland. Er beinhaltet Bürgschaften in Höhe von 75 Milliarden Euro und Kredite im Umfang von 25 Milliarden für Unternehmen.

Staatliche Hilfe kommt langsam in Gang

Gebäude der Mikroelektronik-Firma Qimonda, Dresden (Quelle: dpa)

Ohne Hilfe geht bei Qimonda bald das Licht aus

Trotz Krise wurde die Hilfe aus dem Wirtschaftsfonds zu Beginn nur wenig nachgefragt. Noch Anfang April hieß es, es gäbe kaum Unternehmen, die beim Wirtschaftsfonds angeklopft hätten. Das hat sich inzwischen aber offensichtlich geändert: Aus dem Mittelstand kommen täglich 15 Anträge und es liegen 20 Anträge und Anfragen für Großbürgschaften mit einem Volumen von rund sechs Milliarden Euro vor. Unter den Antragstellern sind der Autobauer Opel, der Zulieferer Schaeffler, das Warenhaus Arcandor, der Chiphersteller Qimonda und der Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck. 235 Mittelständler konnten bereits einen Kredit bekommen, dafür flossen insgesamt 650 Millionen Euro aus dem Fonds in Firmenhände.

Allerdings bekommt nicht jeder, der fragt, Geld vom Staat. So wurden bisher über 160 Anträge abgelehnt. Um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, sind Bedingungen an die staatliche Hilfe geknüpft. Die Unternehmen müssen nachweisen, dass sie:

- bis zum 1. Juli 2008 noch wirtschaftlich erfolgreich gewesen sind,
- durch die Wirtschafts- bzw. Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten sind,
- nur vorübergehend einen Finanzierungsengpass haben, also keine ständige staatliche Unterstützung brauchen,
- systemrelevant sind und
- alle anderen Wege, sich Geld zu beschaffen, ausgeschöpft haben.

Kritik am Wirtschaftsfonds

Das Nervensystem der Druckmaschine - Im Werk Wiesloch-Walldorf fertigt Heidelberg Elektronik-Flachbaugruppen, Schaltschränke und Steuerungssysteme für die Druckmaschinenbaureihen Printmaster, Speedmaster sowie den Plattenbelichter Suprasetter (Quelle: Heidelberger Druckmaschinen AG)

Heidelberger Druck möchte Unterstützung aus dem Wirtschaftsfonds

Verwaltet wird der Wirtschaftsfonds von der KfW. Ob nun Bundesbürgschaften gewährt werden oder nicht, das entscheiden allerdings Wirtschaftsprüfer der Unternehmensberatung PwC. Kritiker monieren: Es könnte Interessenskonflikte geben, weil PwC auch für Unternehmen arbeitet, die unter den staatlichen Schirm schlüpfen wollen. Beispielsweise macht PwC den Jahresabschluss für Heidelberger Druck. Außerdem sind Konkurrenten der angeschlagenen Unternehmen natürlich wenig begeistert von der staatlichen Schützenhilfe. So beschwert sich beispielsweise Arcandor-Konkurrent Metro über Wettbewerbsverzerrungen.

Autor: Insa Wrede
Redaktion: Zhang Danhong

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