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Kultur

Unterhaltung mit Hindernissen

Ein Herd ist ein Herd ist ein Herd. Von wegen: Haushaltsgeräte werden immer vielseitiger. In den USA ist gerade ein internetfähiger Kühlschrank auf den Markt gekommen. Und in Indien sprechen die Waschmaschinen.

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Hören, was gewaschen wird

Seit kurzem gibt es in den USA einen Kühlschrank zu kaufen, der ein kleines Multimedia-Zentrum in der Küche ist. Von außen sieht er aus wie die typischen mannshohen US-Kühlschränke. Wo man sonst die Eiswürfel herausholt, haben die Entwickler von LG Electronics einen 15-Zoll großen LCD-Bildschirm eingebaut. Darauf kann man fernsehen oder Nachrichten hinterlassen – die digitale Version der üblichen "Milch kaufen, Katze füttern"-Notizen. Was an Vorräten fehlt, zeigt einem der Kühlschrank ohnehin an und auch, ob das Haltbarkeitsdatum der Salami abläuft. Außerdem macht er Fotos und meldet sich selbst, wenn etwas kaputt ist. Eine zentrale Rolle spielt der eingebaute Internet-Zugang, über den man Musik oder Rezepte herunterladen kann. Der Preis für die kühlenden Online-Multimedia-Terminal: 8000 Dollar. "Im Frühjahr wird die erste Lieferung nach Deutschland kommen", sagt Ulrich Dudeck von LG der DW-WORLD. Für 5000 bis 7000 Euro pro Stück.

Guten Tag, Ihre Wäsche ist fertig!

Etwas ähnliches gibt es auch als Waschmaschine. Allerdings: Surfen kann man mit "Washy Talky" nicht. Dafür erzählt die Waschmaschine der indischen Electrolux-Tochter Kelvinator, ob bei der Wäsche alles seinen rechten Gang geht. Sie sagt mit einer warmen Frauenstimme, was der Benutzer tun soll ("Please close the lid" – "Bitte den Deckel schließen"), und das wahlweise auf Hindi oder Englisch. Electrolux erklärt, Kunden hätten sich eine sprechende Maschine gewünscht. Deutschlandstart: unbekannt.

Clever, aber teuer

Aber nicht alle schreien laut Hurra angesichts der intelligenten Hausgeräte. Electrolux hat in Test-Häusern seit anderthalb Jahren einen Internet-Kühlschrank namens Screenfridge in der Mache. Aber verkaufen? "Der Screenfridge liegt auf Eis", sagt Electrolux-Sprecherin Elisabeth Lokai-Fels im Gespräch mit DW-WORLD. Grund: 5000 Euro würde er kosten, zu teuer für eine Kühl-Gefrier-Kombination. Miele hat ebenfalls eine sprechende Waschmaschine entwickelt, zusammen mit IBM und einem Fraunhofer-Institut. Doch das Gerät kommt "auf jeden Fall noch nicht nächstes Jahr", da ist sich Pressesprecherin Reinhild Portmann sicher. Wieder "eine Kostenfrage" – denn mit eigener Homepage und über einen Computer bedient, wäre der Prototyp "für Privathaushalte unbezahlbar". Geld fehlt offenbar an allen Ecken und Enden. "Wir sind in der Wirtschaftsflaute", erklärt der Electrolux-Referent für neue Medien, Jürgen Leitner, im Interview mit DW-WORLD. Sprich: Die Unternehmen haben nicht viel übrig für ausgefallene Lösungen.

Geräte verstehen sich nicht

Das zweite große Problem: Die netzfähigen Geräte der verschiedenen Marken, die in einem Haushalt arbeiten, sollen sich alle untereinander austauschen – doch jeder Hersteller bastelt an seinem eigenen Standard, klagt Leitner. "Da liegt der Hund begraben." Immerhin säßen im "Strategiekreis vernetztes Haus" Gerätehersteller, Techniker, Telefonfirmen und so weiter zusammen, um sich zu einigen. Außerdem haben sich Firmen bei der Messe "Net-at-Home" im November in Cannes getroffen, um über die Haushalts-Vernetzung zu beraten. Wichtiger Trend: Die Menschen wollen es vor allem einfach. Und dann müsse man auch noch an andere Dinge denken. "Wer repariert denn den Internet-Kühlschrank? Ein Spezialist des Herstellers? Der Händler? Ein Computerfreak?" Oder Vernetzungstechniker, das sei ein neuer Ausbildungsberuf.

Wenn Kühlschränke bald sogar selber bestellen sollten – wer nimmt dann die Lieferung an, wenn man nicht da ist? Vielleicht der Nachbar, und der sagt Bescheid – Menschen haben ja schon einen einheitlichen Kommunikations-Standard.

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