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Politik

Unterdrückung in West-Papua

Im Aceh-Konflikt geht es um reiche Rohstoffvorkommen. Doch auch in der indonesischen Provinz West-Papua soll das Militär versuchen, die Einwohner zu unterdrücken und sich Öl- und Kupfervorkommen zu sichern.

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Kupferabbau interessiert die Regierung in Jakarta

"Mehr als 100.000 Menschen sind in West-Papua umgekommen. Sie verloren ihr Leben aus politischen Gründen", beklagt Willy Mandowen, einer der führenden politischen Vertreter der Papua. Er und Menschenrechtsorganisationen sammeln aktuelle Beispiele für Ausschreitungen gegen die Bevölkerungsgruppe. Aus Puncak Jaya etwa wird berichtet, dass nach einer Militäraktion derzeit 14.000 Flüchtlinge in den Wäldern leben.

Unbekannter Konflikt

Neu-Guinea gilt als eines der rohstoffreichsten Gebiete der Erde. Rund 90 Prozent der Erträge aus Papua gehen nach Jakarta und ins Ausland. Wo Öl, Kupfer, Gold oder Holz abgebaut werden, haben die Papua das Nachsehen. Der Konflikt ist weitgehend unbekannt. Schon der Unabhängigkeitskampf, der seit Jahrzehnten die Politik in der indonesischen Provinz Aceh bestimmt, hat lange kaum Eingang in die Schlagzeilen internationaler Medien gefunden. Dies änderte sich erst mit der Tsunami-Katastrophe im Dezember 2004, weil die indonesischen Behörden sich in der Not gezwungen sahen, auch ausländische Helfer und Journalisten in die zuvor hermetisch abgeschirmte Region zu lassen.

Auch in West-Irian (auch: West-Papua), dem zu Indonesien gehörenden Westteil der Insel Neu-Guinea, kämpfen die einheimischen Papuas um mehr Unabhängigkeit von Jakarta. Wie in Aceh gibt es auch in West-Irian reiche Rohstoffvorkommen. Zusätzlichen Zündstoff liefert die seit Jahrzehnten praktizierte Umsiedlungspolitik, in deren Rahmen Hunderttausende von Menschen aus der übervölkerten Insel Java in weniger bewohnten Regionen des Archipels angesiedelt wurden - so auch in West-Irian. Bei der Bekämpfung der Unabhängigkeitsbewegung dort geht das indonesische Militär nicht mit Samthandschuhen vor. Übergriffe und Menschenrechtsverletzungen sollen am Donnerstag (31.3.2005) in Genf bei der Tagung der UN-Menschenrechtskommission zur Sprache gebracht werden.

Besondere Autonomie für Papua umsetzen

"Wir werden als Objekte behandelt, wie Tiere, nicht als Subjekte - und wir wollen das ändern. Das ist unser Alltag. Die indonesische Regierung und das Militär unterdrücken und töten die Papua", sagt Mandowen. Von dem neuen, zum ersten Mal direkt gewählten Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono versprechen sich viele eine friedliche Lösung. Sagte er doch zu, die besondere Autonomie in Papua umzusetzen. Ein Gesetz, das seit 2002 in Kraft ist und die Rechte der indigenen Völker sichern soll. Die Papua sehen es bisher jedoch nicht in Praxis angewandt.

Der Wissenschaftler Agus Sumule befürchtet, es könne verstärkt zu bewaffneten Auseinandersetzungen kommen, falls die Regierung ihre Zusagen nicht einlöst. Konflikt und Unruhen währen bereits seit 40 Jahren. In den 1960er-Jahren akzeptierten die Vereinten Nationen, dass die ehemalige niederländische Kolonie an Indonesien fiel, obwohl Papua zuvor die Unabhängigkeit zugesagt worden war.

"Politisch werden wir ausgegrenzt"

Der mühsam errungene Kompromiss, Sonderautonomie statt Unabhängigkeit, gewährt den Papua zwar formell politische Mitsprache und Selbstbestimmungsrechte. Mandowen meint: "Uns werden durch die Sonderautonomie Mittel zugebilligt, doch wir sehen nichts davon. Politisch werden wir ausgegrenzt."

Um die Missstände zu dokumentieren, arbeiten Mandowen und Sumule an einer Untersuchung mit, die nun den Vereinten Nationen präsentiert wird. Darin sind wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte maßgebend. Langfristig versprechen sie sich konkrete Hilfe - zum Beispiel unabhängige Anlaufstellen, bei denen Rechtsverstöße gemeldet werden können. Dass in diesem Jahr Indonesien selbst den Vorsitz in der Kommission innehat, erhöht den Druck, gegebene Versprechen wahr zu machen.

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